Individuell unzureichend

Für Eintracht Braunschweig wird es wohl die erwartet schwere Saison. Bei einem mit dem Rücken zur Wand stehenden HSV bleibt der Aufsteiger ohne Chance. Dabei fällt auf, dass es vielmehr individuelle Fehler sind und keine taktischen Defizite, derentwegen der Neuling noch immer punktlos ist.

Trainer Lieberknecht ließ in einem 4-1-3-2 agieren, in dem Theuerkauf den einzigen Sechser bildete, was überraschenderweise kaum zu Schwierigkeiten im Pressing führte. Auch, weil sich schon die Stürmer Kumbela und Jackson geschickt daran beteiligten. Auf den Außenbahnen im offensiven Mittelfeld standen Bellarabi und Hochscheidt relativ hoch, um die Spieleröffnung des HSV von hinten heraus zu unterbinden, was eigentlich gut funktionierte. Der HSV war so gezwungen, den Ball öfter nach hinten zu spielen, um ihn dann – oft von Torwart René Adler – weit nach vorn zu schlagen.

So schaffte Braunschweig es, den HSV-Spielmacher van der Vaart als Anspielstation zunächst auszuschalten. Dafür musste die Eintracht jedoch zugestehen, dass Theuerkauf, da allein auf der Sechs, viele Kopfballduelle nach den langen Bällen von Adler verlor. So entstanden die beiden Treffer der Hamburger: Langer Ball auf Zoua, der die Pässe seinerseits verlängerte, Abschluss. Das gelang auch, weil Theuerkauf von den Innenverteidigern hinter ihm unzureichend unterstützt wurde. Zoua, Beister, van der Vaart – 1:0. Dann Zoua, Beister und wieder Zoua zum 2:0 nach nur 17 Minuten. Der HSV wirkte nun sicher und verstand es vor allem, durch Pressing und Anlaufen zu verhindern, dass die Gäste von hinten herauskombinierten.

Hamburg mit einfachen Mitteln

So versuchte die Eintracht ihrerseits, mittels langer Bälle Bellarabi im rechten Mittelfeld zu finden, der von dort aus das Spiel in die Spitze regeln sollte. Der HSV bemerkte schnell, dass dies die einzige taktische Variante der Braunschweiger an diesem Tag war, über links versuchte es der Aufsteiger so gut wie gar nicht. Lieberknecht versuchte erst gar nicht, daran etwas zu ändern, auch sein System veränderte er in der Halbzeit nicht. Und weil seine Mannschaft nun tiefer verteidigte, hatten die Hamburger mehr Räume, um im Mittelfeld zu kombinieren. Die beiden späten Treffer von Calhanoglu waren nur der Ausdruck der HSV-Dominanz. Von spielerischer Brillanz war bei den Hausherren dennoch selten etwas zu sehen.

Braunschweig agierte taktisch zumindest diszipliniert – doch genau das machte deutlich, dass die Mannschaft individuell (noch) nicht reif ist für die Bundesliga. Dass allein Zoua 13 Kopfballduelle für sich entscheiden konnte, ist dafür nur ein Beispiel. Zudem ist das Angriffsspiel der Eintracht nicht variabel genug, sondern ganz einfach berechenbar und lebt von Einzelaktionen – die in Hamburg ausgeblieben sind. Lieberknechts System ist erkennbar, es wird jedoch, zumindest bis jetzt, von der fehlenden individuellen Stärke der Spieler konterkariert. Doch ob es dem HSV gegen andere, stärkere Mannschaften gelingen wird, ein Spiel mit derart rustikalen Mitteln deutlich zu bezwingen, darf ebenfalls bezweifelt werden.

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