Kick it like Barca

Der FC Barcelona scheint in dieser Saison wieder zur absoluten Gala-Form zurückgefunden zu haben. So hat man in den letzten 5 Pflichtspielen satte 26 Tore geschossen. Grund genug, die Barca-Spielweise hier auf fussballtraining.de etwas genauer zu beleuchten.

Thomas Mangold, der hier bereits schon mehrere tolle Trainingsübungen veröffentlicht hat, war gegen Sociedad live im Stadion und hat uns diesen Bericht zukommen lassen:

„Ich schreibe diese Zeilen am Flughafen von Barcelona, während ich auf meinen Heimflug nach Wien warte und bin noch immer begeistert von der gestrigen Partie zwischen dem FC Barcelona und Real Sociedad. Für mich als Amateurtrainer eine beeindruckende Leistung von Barcelona, die einen Fußball auf höchstem Niveau boten. Und das in allen Belangen (technisch, taktisch und läuferisch). Real Sociedad hatte nicht den Funken einer Chance.

Neben der beeindruckenden Atmosphäre im Camp Nou, war auch das Tor zum 3:0 durch Messi ein echter Leckerbissen. Über ganze 24 Stationen ließ der FC Barcelona den Ball laufen, bis Messi zum 3:0 einschoss.

Natürlich fliegt man nach so einem Erlebnis mit einigen Ideen im Gepäck zurück zur eigenen Mannschaft. Einen Tiki-taka-Fußball ala Barca von meinem Team zu erwarten wäre mit Sicherheit zu viel des Guten, dennoch war es auch gerade die Einfachheit im Spiel von Barcelona die mich beeindruckte:

Erstens war das Prallen lassen, mit dem Rücken zum Gegner oder zum gegnerischen Tor. Nicht ein einziges Mal versuchten die Katalanen in solch einer Situation ein Dribbling. Regelmäßig wurde der Ball zurück zu einem Mitspieler gespielt um sich in der Folge sofort wieder anzubieten. Auch Spieler wie Messi, Xavi oder Iniesta, die alle technisch mehr als nur in der Lage dazu wären wählten den einfachen und effektiven Weg und ließen den Ball prallen.

Zweiter Punkt der mir besonders ins Auge stach waren die Tempowechsel. Man könnte es fast als lustloses herumgeschiebe des Balles bezeichnen, wie die Katalanen bis 20 Meter vor dem gegnerischen Tor agierten. Dann jedoch wurde es plötzlich ganz schnell. Passes und Sprints in den freien Raum wechselten einander ab. Dazu kam sagenhafter Instinktfußball.

Die Situation zum 1:0 habe ich in einer Grafik zusammengefasst und eine Trainingsübung daraus gestaltet, sie ist im Anhang zu finden!

Drittens beeindruckte mich die Defensivleistung. Jetzt mag der eine oder andere vielleicht denken, dass bei einem 5:0 die Defensive ja nicht besonders gefordert sein kann. Das mag schon auch seine Richtigkeit haben, jedoch kam es im Spiel auch vor, dass durch (wenn auch sehr seltene) Ballverluste im Angriffsspiel die Defensivordnung verloren ging. Blitzschnell schalteten die Spieler um und genau so schnell war auch die Ordnung wieder hergestellt. So sah man auch einen David Villa kurzfristig links in der Viererkette und einen Messi im rechten Mittelfeld.

Ich könnte diese Liste wahrscheinlich noch um viele Punkte erweitern, jedoch sind das für mich diese Punkte, die ich auch in das Spiel meiner Mannschaft integrieren will. Die Vorbereitungsphase bietet genügend Zeit dafür.“

Wir freuen uns über jeden Kommentar. Was denkst du, lassen sich diese Punkte auch im Amateurbereich erfolgreich umsetzen?

2 thoughts on “Kick it like Barca”

  1. Ich says:

    Es ist sehr wohl möglich, ein solches Passspiel im Amateurbereich zu betreiben. Die Ausreden, dass die Spieler nicht klug oder talentiert genug sein, ist schlichtweg falsch. Diee Verantwortung trägt IMMER der Trainer. Zunächst einmal ist eine ballorientierte Verteidigung (etwa mit Viererkette) nötig, um eine erste Grundlage zu haben. Denn wenn man mit Manndeckung agiert, aber gleichzeitig ein variables Offensivspiel zeigen will, geht das selten zusammen. Viererketten erlauben es den Spielern, sich unabhängig vom Gegner auf dem Platz zu bewegen. Entscheidend ist in erster Linie der Ball, dann kommen die eigenen Mitspieler. Das gilt genauso in der Offensive!

    Der nächste Schritt ist, den Spielern aufzuzeigen, dass ein Passspiel vor allem durch das Anbieten und Freilaufen der Mitspieler OHNE BALL beeinflusst wird. Denn nur wer freisteht und sich anbietet, kann auch einen Pass erhalten. Dager sind auch Bezeichnungen wie „Spielmacher“ absolut falsch. Der Spieler am Ball kann nur diejenigen Passwege wählen, die ihm angeboten werden. Der eigentliche Pass ist dann eher leicht und technisch nicht übermäßig anspruchsvoll.

    Nun müssen die Spieler begreifen, dass kurze Pässe über nicht mehr als 15m besonders schnell und sicher sind. Außerdem sollten sie natürlich flach erfolgen. Hohe und weite Pässe, sind langsamer zu verarbeiten und daher für den Gegner leichter zu verteidigen. Kurze und flache Pässe sind Voraussetzungen eines kontrollierten und sicheren Passspiels.

    Wenn die Spieler das begreifen, und das tun sie bei guter Anweisung sehr schnell, hat man schon das wichtigste erreicht. Im Training bevorzuge ich dann Spielformen auf engem Raum mit etwa höchstens zwei Ballkontakten. Alles erfolgt nach der differenziellen Lernmethode. Wichtig ist Ballarbeit – Ballarbeit – Ballarbeit! Es fördert spieltypische Kondition, erhöht das technische Vermögen und verbessert das taktische Verständnis.

    Genauso habe ich es mit einer Kreisligamannschaft gemacht, die nun in der Landesklasse ist. Und zwar mit einem kombinationsfreudigen und dominanten Offensivspiel. Einen Fußball wie Barca zu spielen ist also kein Hexenwerk. Natürlich haben die Katalanen eine ganz eigene Qualität, aber dennoch sind viele ihrer Spielelemente auch auf unterklassige Mannschaften anwendbar.

    Zitat: „Jetzt mag der eine oder andere vielleicht denken, dass bei einem 5:0 die Defensive ja nicht besonders gefordert sein kann. Das mag schon auch seine Richtigkeit haben…“ Das hat nirgendwo seine Richtigkeit! Barca spielt extrem aggressiv gegen den Ball, wenn der Gegner ihn hat. Auf diese Weise, ist der Gegner nicht sehr lang in Ballbesitz, weil Barca ihn schnell erobert. Es geht dabei aber nicht bloß um das Verhindern von Gegentoren; jedenfalls nicht direkt. Denn für Barca ist der eigene Ballbesitz die beste Verteidigung. Wer den Ball nicht hat, kann auch keine Tore schießen. Bei nur 21 Gegentoren in 38 Spielen, lässt sich diese Idee kaum leugnen. Also spielt Barca auch in der Defensive einen wegweisenden Fußball.

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  2. Arsène Wenger says:

    Ich befürchte: nein, diese Punkte lassen sich im Amateurbereich eher nicht umsetzen. Aber warum? Das Spielverständnis bzw. die Spielintelligenz, die es dazu bedarf, lässt sich nicht in einem Amateurteam in der Vorbereitungszeit entwickeln. Spielintelligenz bekommt man in der Jugend mit, oder man bekommt sie nicht mit. Gerade die Tempowechsel und die Defensivrotation sind Punkte, die man zwar trainieren lassen kann, aber die Umsetzung wird aufgrund der erlernten Muster nicht funktionieren. Damit sei keinem Amateurspieler automatisch mangelnde Spielintelligenz unterstellt, Gott bewahre, aber um einfach mal wie Barça spielen zu lassen, muss man schon in der Jugend lernen, wie Barça spielt.

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