Kohäsion – Klebstoff für die Mannschaft

Chloé Kleinknecht, Diplom-Sportwissenschaftlerin am Psychologischen Institut der DSHS Köln

Was braucht es eigentlich, damit eine Mannschaft erfolgreich ist?

Natürlich ist das fußballerische Können der einzelnen Spieler bedeutsam; aber kann das ausreichen, um einer Mannschaft Erfolg zu bringen? Reicht es aus, die besten elf Spieler der Welt zu vereinen, um eine unschlagbare Mannschaft zu formen?

Sportpsychologen würden diese Frage definitiv mit „nein“ beantworten. Neben dem fußballerischen Talent der einzelnen Spieler, der Spielintelligenz und dem taktischen Verständnis ist ein anderes Attribut ganz besonders wichtig. Nämlich das der Kohäsion, dem Klebstoff für die Mannschaft. Kohäsion bedeutet Zusammenhalt. Eine Mannschaft ist dann kohäsiv, wenn sie zusammenhält, wenn die einzelnen Spieler nicht nur einzelne Spieler sind, sondern eine Mannschaft bilden. Kohäsion kann also als Klebstoff für eine Mannschaft betrachtet werden.

Trainingspläne

Kohäsion ist das, was, die einzelnen Spieler zu einer Mannschaft werden lässt. Nur, was genau ist denn diese Kohäsion? Weswegen hält eine Mannschaft zusammen? Muss es so sein, wie Sepp Herberger sagt, dass eine Mannschaft 11 Freunde sein müssen? Grundsätzlich ist es so, dass Freundschaft ein Grund sein kann, weswegen eine Mannschaft zusammenhält. Die einzelnen Spieler mögen sich, treffen sich auch außerhalb ihres Sports und verbringen Zeit miteinander und fühlen sich in der Mannschaft, in der sie spielen, wohl. Diese Art von Zusammenhalt wird soziale Kohäsion genannt. Neben dem „sozialen Klebstoff“, gibt es auch noch einen Klebstoff bezüglich der „Aufgaben“ der Mannschaft. Logischerweise ist die Aufgabe einer Fußballmannschaft das Fußballspielen. Für einen Zusammenhalt der Mannschaft reicht das allein jedoch nicht aus. Mit Zusammenhalt bezüglich der gemeinsamen Aufgabe sind gemeinsame Ziele, Vorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen gemeint. Nicht nur das gemeinsame Tun, sondern das gemeinsame Entscheiden, wie etwas getan wird, ist im Grunde das, was den Klebstoff ausmacht.

Hierbei ist es besonders wichtig, dass gemeinsame Ziele definiert werden. Diese Ziele können prozessorientiert sein, also Ziele wie, „Wir zeigen in allen Spielen ein großes Maß an Laufbereitschaft“, aber auch Ergebnisziele „Wir wollen Meister werden!“ sind damit gemeint. Bedeutsam ist, dass die Ziele vorher bestimmt und am besten schwarz auf weiß festgehalten werden. Neben klaren Zielsetzungen sind gemeinsame Einstellungen und Vorstellungen sowie das Befolgen bestimmter Regeln eine Hilfe, den Mannschaftszusammenhalt zu formen. Hilfreich kann im Sinne des Mottos „Wir sind ein Team“ auch das Tragen einheitlicher Trainingskleidung sein. Neben solchen recht einfachen Vorgaben, ist es für den Zusammenhalt einer Mannschaft weiterhin bedeutsam, dass die Rollen innerhalb der Mannschaft klar sind und von jedem einzelnen akzeptiert werden. Benedikt Höwedes´ Aussage bezüglich seiner Rolle in der Nationalmannschaft macht dies deutlich. „… Meine Rolle hier ist anders als auf Schalke. Da bin ich Kapitän, hier ordne ich mich ein“ (Kicker, 18.Juni 2012).

Trainer-Arbeitsbuch

Was braucht es nun also für eine erfolgreiche Mannschaft? Hilfreich ist es mit Sicherheit, dass die Spieler einer Mannschaft sich gut verstehen und im Sinne Sepp Herbergers auch Freunde sind, aber ebenso bedeutsam ist es, dass gemeinsame Ziele, Vorstellungen und Einstellungen in einer Mannschaft bestehen und von allen Spielern geteilt werden. Die Kohäsion dient als Klebstoff für die Mannschaft und trägt neben anderen Faktoren auch zum Erfolg einer Mannschaft bei.

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