Legendäre Trainer: Hennes Weisweiler

Bis heute steht der Name Hennes Weisweiler für attraktiven und schwungvollen Angriffsfußball. Mit seiner Fähigkeit, aus jungen Nachwuchs- und Amateursportlern erfolgreiche Mannschaften in der Bundesliga zu formen, wurde er in den 1970er Jahren zur Legende. Als Trainer prägte er die sogenannte „Fohlenelf“ von Borussia Mönchengladbach und machte aus Talenten wie Günter Netzer oder Berti Vogts Weltstars. Bis zu seinem plötzlichen Tod mit 64 Jahren, führte er seine Teams zu vielen nationalen und internationalen Titeln. Darüber hinaus schaffte er zusammen mit Sepp Herberger die Grundlagen für die heutige Trainerausbildung beim Deutschen Fußballbund.

In schweren Zeiten vom Jugendspieler zum Fußballtrainer

Hans „Hennes“ Weisweiler kam am 05.12.1919 in Lechenich, inzwischen ein Stadtteil von Erftstadt, unweit von Köln zur Welt. Hier besuchte der Sohn eines Prokuristen die Schule und spielte als Läufer in der Jugend des VfB Lechenich (heute VfB Erftstadt). An der Höheren Handelsschule in Köln erwarb er 1938 das Abitur und begann ein Volontariat im Lebensmittelgroßhandel. Seit 1935 gehörte er dem Kölner BC 01 an, wo er mit 17 Jahren in der Seniorenmannschaft debütierte. Während des Krieges diente er bei der Flugabwehr in München und spielt dort zeitweise für den FC Wacker. Weisweiler kam nach seiner Gefangenschaft in Danzig 1945 zurück ins Rheinland. Er kümmerte sich um den Wiederaufbau seines Heimatvereins VfB Lechenich, den er auch trainierte. 1947 schloss er mit 27 Jahren den ersten Lehrgang zum Fußballtrainer an der Sporthochschule Köln als Klassenbester ab.

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Im gleichen Jahr wechselte er zum 1. FC Köln, der aus einer Fusion des BC 01 mit der SpVgg Sülz 07 entstand. 1948/49 stieg der mittlerweile als Spielertrainer tätige Weisweiler in die Oberliga West, die seinerzeit höchste Spielklasse, auf. Dem vielseitig einsetzbaren „Kraftfußballer“ gelang es, den Verein in der Spitzengruppe zu etablieren. In der Liga spielte er 62 Mal. Den erhofften Einzug in die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft erreichte er nicht. Das Geschenk zur Karnevalsfeier 1950, einen Ziegenbock, taufte der 1. FC Köln auf seinen Namen „Hennes“ – bis heute das Wappentier des Vereins.

Oberligatrainer und große Verdienste um die Ausbildung von Fußballlehrern

Als Trainer des Rheydter Spielvereins qualifizierte sich Weisweiler 1952/53 für die Oberliga. Den Klassenerhalt schaffte das Team in der folgenden Saison nicht. Nach dem WM-Triumph 1954 berief ihn Sepp Herberger zum Co-Trainer der Nationalmannschaft. Aufgrund der unterschiedlichen Spielauffassungen endete die Zusammenarbeit bereits nach einem Jahr und Weisweiler kam erneut zum 1. FC Köln. Seit 1953 arbeitete er neben seiner Trainertätigkeit für den Deutschen Fußballbund (DFB). Zunächst war er verantwortlicher Prüfungsleiter. Ab 1957 übertrug ihm der Verband die zentrale Trainerausbildung. In 13 Lehrgängen erwarben 255 Teilnehmer ihre Abschlüsse. Darunter waren Erfolgstrainer wie Gero Bisanz oder der spätere Coach von Bayern München „Tschik“ Čajkovski. 2005 benannte der DFB die Ausbildungsstätte für Fußballlehrer an der Deutschen Sporthochschule Köln in „Hennes-Weisweiler-Akademie“ um.
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Ab 1955 trainierte Weisweiler mit dem 1. FC und später dem rechtsrheinisch beheimateten SC Viktoria 04 (ab 1958) erneut Kölner Vereine in der Oberliga. Trotz ambitionierter Erwartungen im Umfeld verzichtete er bei den „Geißböcken“ auf kostspielige Neuverpflichtungen. Er entwickelte Nachwuchskräfte aus der Umgebung weiter. Mehr als die erfolglose Teilnahme an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft 1958 sprang nicht heraus. Viktoria etablierte sich mit ihm zur festen Größe im Mittelfeld der Oberliga. Internationale Vergleiche im europäischen Messepokal zählen zu den Höhepunkten dieser Zeit. Die Qualifikation für die 1963 gegründete Bundesliga gelang nicht, zumal der linksrheinische Kölner Stadtrivale 1962 erstmals Deutscher Meister wurde. Im April 1964 übernahm Hennes Weisweiler auf Empfehlung von Bundestrainer Herberger Borussia Mönchengladbach.

Erfolgsgeschichte mit der „Fohlenelf“ von Borussia Mönchengladbach

Am Niederrhein findet Weisweiler, trotz begrenzter finanzieller Mittel, ideale Bedingungen für sein offensives Konzept mit jungen Spielern. Schon in der ersten Saison gewinnt er mit dem 20-jährigen Günter Netzer als Dreh- und Angelpunkt die Meisterschaft in der zweitklassigen Regionalliga. In der Aufstiegsrunde zur Bundesliga setzt sich das Team mit den blutjungen Stürmern Heynckes, Laumen und Rupp 1965 durch. Die sogenannte „Fohlenelf“ war geboren. Obwohl die Mannschaft zunächst Lehrgeld – in Form von vielen Gegentoren – bezahlte, entwickelte sie sich kontinuierlich weiter. Legendäre Erfolge, wie der erste zweistellige Sieg der Bundesligageschichte mit dem 11:0 gegen Schalke 04, festigten den Ruf als „Torfabrik“. Nachdem die Abwehr stabiler und mit den damaligen Jugendnationalspielern Berti Vogts und Winfried Schäfer weitere Talente integriert waren, gewann Borussia 1970 erstmals die Deutsche Meisterschaft.

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Als erster Mannschaft gelang es den „Fohlen“, ihren Titel in einem engen Rennen gegen Bayern München zu verteidigen. Der mitreißende Angriffsfußball begeisterte die Menschen in ganz Europa. Sensationelle Spiele, beispielsweise das nachträglich wegen eines Büchsenwurfs durch einen Zuschauer annullierte 7:1 im Europacup gegen Inter Mailand, begründeten den Mythos Borussia. 1973 besiegte Gladbach im Deutschen Pokalfinale den 1. FC Köln nach Verlängerung. Unvergessen bleibt das Siegtor durch den sich selbst einwechselnden Günther Netzer. Als der nach dem Triumph zu Real Madrid wechselte, baute Weisweiler das Team um. Die Mischung aus schwungvollem, leidenschaftlichem und schnellem Fußball gepaart mit sympathisch bescheidenem Auftreten der Spieler blieb. Hennes Weisweiler feierte mit dem neuen Team um Wimmer, Bonhof, Simonsen und Stielike 1975 erneut die Deutsche Meisterschaft. Im gleichen Jahr gewann er den UEFA-Cup gegen Twente Enschede. Nach elf Jahren wechselte der „Vater“ des Erfolgs und Mönchengladbacher „Jahrhunderttrainer“ am Ende der Saison zum FC Barcelona.
Kurzes Gastspiel in Spanien und die Rückkehr zum 1. FC Köln
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Für das seinerzeit üppige Gehalt von 40.000 D-Mark im Monat wollte sich Weisweiler beim europäischen Spitzenverein Barcelona durchsetzen. Von Beginn an kam es zu Konflikten mit dem niederländischen Star der Katalanen Johan Cruyff. Der Rheinländer ließ ihm weniger Freiheiten als sein Vorgänger Rinus Michels. Er förderte Nachwuchskräfte und forderte mannschaftsdienliches Spiel. Nach einem offenen Zerwürfnis ergriff Präsident Agostin Montal Partei für Cruyff. Weisweiler bat um Auflösung des Vertrags und beendete das Engagement.

Zum Saisonanfang 1976/77 übernahm er den 1. FC Köln zum dritten Mal und löste in der Stadt eine regelrechte Euphorie aus. Er fand hungrige Talente vor und gewann sofort den DFB-Pokal. Mit dem Karriereende von Wolfgang Overath im Jahr 1977 trugen Spieler wie Flohe, Cullmann, Schumacher und Dieter Müller Verantwortung. Weisweiler verzichtete zunächst auf spektakuläre Einkäufe und ergänzte den Kader mit jungen Leuten. 1978 holte er das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Er arbeitete mit Nachwuchskräften wie Bernd Schuster und Pierre Littbarski an der Verjüngung des Teams. Dennoch erreichte er das Halbfinale im Europacup der Landesmeister. Die Vereinsführung äußerte mitunter Zweifel am eingeschlagenen Weg. Nachdem sie mit der Verlängerung des Vertrags zögerte, nahm Weisweiler im Februar 1980 verärgert ein Angebot von Cosmos New York an.

Entwicklungsarbeit in den USA und überraschender Tod in der Schweiz

Auf Anhieb gewann der Trainer 1981 die Meisterschaft in der nordamerikanischen Profiliga. Neben den internationalen Größen Franz Beckenbauer, Johan Neeskens oder Carlos Alberto versuchte er, vorwiegend amerikanische Talente einzubauen. Das zurückhaltende, wenig medienwirksame Auftreten und das Bemühen, vorrangig den US-Fußball zu fördern, kam nicht überall an. Die Führung von Cosmos strebte mithilfe prominenter Altstars insbesondere nach wirtschaftlichem Erfolg. Mit der Vizemeisterschaft trennten sich 1982 die Wege.

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Trotz vieler Interessenten aus der Bundesliga zog es Hennes Weisweiler zu Grasshoppers Zürich. Nach der Heirat mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Gisela Heizmann wurde er 1981 mit 62 Jahren Vater. Er beabsichtigte, langsam kürzer zu treten, und fand in der Schweiz für ihn günstige Bedingungen vor. Die einzige Saison in der eidgenössischen Liga krönte er 1983 mit dem Double aus Meisterschaft und Pokal. Drei Wochen nach dem Cup-Finale starb Hennes Weisweiler am 5. Juli vollkommen unerwartet in seinem Haus nahe Zürich an einem Herzinfarkt.

Hennes Weisweiler prägte mit seiner Philosophie eines technisch feinen, schnellen Fußballs eine Generation von Spielern, Trainern und begeisterten Zuschauern. Das ausgeprägte Gespür für Nachwuchstalente, die attraktive offensive Spielweise und innovative Trainingsmethoden charakterisieren seinen Weg. Er gewann sieben Meisterschaften, vier nationale Pokale und den UEFA-Cup. Die Erfolge der Bundesliga sowie der Nationalmannschaft in den 1970er und 1980er Jahren hängen eng mit den von ihm ausgebildeten Spielern zusammen. 1980 erhielt Weisweiler das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland.

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