Mit Trennungskindern arbeiten

Als Jugendtrainer hat man es mit Kindern aus unterschiedlichsten Lebenssituationen zu tun. Die herkömmliche „normale“ Familie ist heute nicht mehr der Regelfall, stattdessen stehen Patchwork und allein erziehende Väter oder Mütter auf der Tagesordnung. Mit diesen Bedingungen muss ich mich natürlich auch als Trainer auseinandersetzen.

Trennungskinder dürfen nicht zwischen den Eltern stehen! (Foto: Didi01  / pixelio.de)

Trennungskinder dürfen nicht zwischen den Eltern stehen! (Foto: Didi01 / pixelio.de)

Ich habe jetzt in der „Süddeutschen Zeitung“ ein Interview mit der Mediatoren Monika Czernin gefunden. Sie erklärt im Gespräch mit der Gazette, was bei einer Trennung zu beachten ist. Wenn sich ein Paar trennt, kommt eine Zeit voller extremer Belastungen, Unsicherheit und Schmerz auf die Protagonisten zu. Außerdem sind Eltern in Sorge, wie der Nachwuchs mit einer Scheidung umgeht. Familien-Coach Monika Czernin begleitet Väter und Mütter in der Trennungszeit und legt den Fokus dabei vor allem auf den Nachwuchs. Die Mediatoren gibt zu verstehen, dass Eltern sich keinen Gefallen täten, wenn sie wegen der Kinder eine Scheidung vermeiden wollten. Schließlich hänge es nicht von der Familienform ab, ob ein Kind glücklich aufwächst. Die Bedürfnisse des Kindes müssten stattdessen erfüllt werden und dessen Beziehungen intakt sein. Möglich sei dies nicht nur in der herkömmlichen Kernfamilie, sondern auch nach Scheidungs- und Trennungssituationen. Kinder bräuchten Eltern, die viel Zeit mit ihnen verbringen. So sei ein Vater, der sein Kind regelmäßig trifft und Dinge mit ihm unternimmt, für die Bedürfniserfüllung des Kindes nach richtiger Aufmerksamkeit womöglich besser als der Kernfamilien-Vater, der sein Kind nur selten sehen kann. Schwierig sei die Zeit für Paare, die sich im Streit trennen. Czernin unterstreicht, dass aber die Beziehung des Paares kaputtgegangen sei, nicht die Relation der Eltern zu den Kindern. Für die Kinder bleibe die Familie bestehen, sie mache für sie lediglich eine Verwandlung durch, auch wenn dies manchmal mit Schmerzen einhergehe. Deshalb müssten Väter und Mütter auf der Ebene des Elterndaseins nach der Krisenzeit wieder eine Kooperation eingehen und an einem Strang ziehen. Kein Jugendamt und kein Gericht könne für Eltern diese Verantwortung übernehmen. Eltern müssten sich darüber im klaren sein, dass ein Streit die Kinder belastet. Dann werde es einfacher für sie, die Konflikte im Kindesinteresse beiseite zu schaffen. Eltern, die sich dauernd streiten, könnten ihre Kinder davon nicht emotional abschotten. Kinder seien dann immer der Meinung, dass sie nicht mehr geliebt werden, schuldig und selbst betroffen seien. Viele Eltern befürchten, dass ein Kind nach einer Scheidung traumatisiert ist und später selbst problematische Beziehungen führen wird. Die Mediatorin erklärt, dass sie diese Angst selbst erlebt habe. Ihr Kollege und Mitautor Remo Largo, ein Kinderarzt aus der Schweiz, konnte sie allerdings beruhigen. „Wer es gut macht, muss nichts schlimmes befürchten“, so dessen Credo. „Und genau so ist es“, weiß die Mediatorin mittlerweile. „Eltern, die ihre Konflikte nach der Trennung konstruktiv lösen und sich respektieren, können das auch an ihre Kinder weitergeben. Viele Scheidungskinder sind deshalb reifer als Altersgenossen und haben durchaus eine glückliche Kindheit.“ Das wichtigste sei, dass deren Bedürfnisse erkannt und erfüllt werden. Dabei umfasse es eine große Anzahl von Bedürfnissen, Kinder gut zu versorgen. Beispielsweise wenn es um Geborgenheit geht. So haben Trennungskinder große Angst, dass sie von den Eltern verlassen werden. Viel wichtiger als die saloppe Erklärung, „dass wir beide für euch da sein werden“, sind aber entsprechende Taten. Jener Elternteil, der in Zukunft nicht mehr mit dem Kind zusammen wohnt, sollte sich weiterhin Zeit nehmen, damit das Kind die Erfahrung macht, dass es keine Angst vor dem Verlassen werden zu haben braucht. Eine enorme Sicherheit gebe es zum Beispiel, wenn der Vater beispielsweise beim Fußballspiel seines Sohnes am Spielfeldrand steht und diesen anfeuert. Vor allem Väter, die ohne ihre Kinder leben, haben nach zwei Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrem Nachwuchs. Deshalb sollten Mütter, auch wenn sie noch so eine große Wut auf den Vater haben, den abwesenden Elternteil vor dem Kind niemals schlecht reden. Manchmal falle dies nicht leicht, es sei dennoch sehr wichtig für das Kind. Fällt nämlich ein Elternteil aus, müsse der andere die ganze Erziehungslast alleine tragen. Deshalb bräuchten Alleinerziehende Hilfe. Sehr gut sei es natürlich, wenn es weitere Bezugspersonen gebe, die dem Kind Halt vermitteln können. Eine Crux sei es, dass die Eltern in der Trennungsphase besonders belastet seien, und die Kinder gerade in dieser Zeit viel Betreuung und Zuneigung benötigten. Eltern sollten vor der Trennung deshalb überlegen, was sich für die Kinder ändert und wo sie in dieser komplizierten Zeit Unterstützung erhalten können. Bezugspersonen wie liebevolle Großeltern seien ideal, wenn diese wüssten, dass sie im Trennungsstreit nicht Partei ergreifen dürfen, sondern sich viel Zeit für ihre Enkel nehmen. Gefragt sind aber auch andere Betreuungspersonen wie Lehrer, Trainer oder Erzieher. Heute sei die Scheidung kein Makel mehr, da könne man im Sinne der Kinder problemlos ohne Scham um Hilfe bitten. Eltern sollten ein Netzwerk errichten, um so sich und ihre Kinder zu schützen. Wenn es um die Nachricht der Trennung geht, sollte man seinem Kind im Konsens mit dem Partner niemals einen Schuldigen für die Trennung benennen. Für Kinder sind auch die Gründe, warum sich die Eltern nicht mehr verstehen und lieben ohne Bedeutung. So hätten jüngere Kinder eine ganz andere Vorstellung von der Liebe als die Erwachsenen. Die Elternliebe ist das Konzept der Kinder. „Die Eltern stehen mir immer zur Seite und würden mich nie verlassen“, so denke ein Kind. Deshalb sollten sich die Eltern im Gespräch mit dem Kind darauf fokussieren, was sich für das Kind konkret ändern werde. Den Worten müsste man dann unbedingt entsprechende Taten folgen lassen und tatsächlich immer für das Kind da sein. Das Kind habe ein Recht auf seine Eltern, diese wiederum haben die Pflicht dessen Bedürfnisse zu erfüllen – nicht umgekehrt. Deshalb müssten sich die Eltern ganz genau überlegen, was dem Kind gut tut und ob es beispielsweise wirklich alle vier Tage zwischen den Elternteilen hin und her wechseln soll. Manche Kinder benötigten im Alltag stabile Leitplanken, Eltern sollten dies berücksichtigen. Brauchen Kinder nach der Trennung aus ihren bisherigen Heim nicht auszuziehen oder bleibt ihnen zumindest der Freundeskreis und die Schule/der Kindergarten erhalten, sei das bereits eine große Unterstützung für die Kinder. Leider erleben wir auch als Trainer immer wieder, dass manche Väter und Mütter die Kinder gegen den Ex-Partner ausspielen. Die Mediatorin erklärt noch einmal nachdrücklich, dass weder Vater noch Mutter den anderen Elternteil beim Kind schlecht machen oder dem Kind gar den Umgang mit ihm verwehren dürfe. So kämen sie ihrer Elternverantwortung nicht nach. Hinter so einem Verhalten stecke oft die Angst, das Kind zu verlieren. Durch den Streit fehle oft auch das Vertrauen, dass der andere Elternteil schon gut mit dem Kind umgehen werde. Väter und Mütter sollten sich beim Eltern-Coaching Unterstützung holen, um aus diesem Dilemma wieder herauszukommen. „Eltern müssen wieder lernen, miteinander konstruktiv zu reden, dann wächst auch neues Vertrauen. Wenn die Mutter weiß, was der Vater mit dem Kind am Wochenende gemacht hat und dass sich das Kind dabei wohl gefühlt hat, wird dies die Angst nach unten schrauben.“ Eltern sollten auch einen guten Informationsfluss pflegen, sich gegenseitig darüber informieren, wer die Freunde des Kindes sind, wie es ihm in der Schule ergeht und welche Entwicklungsschritte das Kind macht. Dann könne auch der andere Elternteil auf die Kindesbedürfnisse besser reagieren. Ein Scheidungs- bzw. Trennungskind könne ergo genauso glücklich aufwachsen wie ein Kind aus einer herkömmlichen Kernfamilie, wenn das Kind zu beiden Elternteilen gute Beziehungen hat und die Eltern ein neues Miteinander gefunden haben. Monika Czernin ist Familiencoach und Mediatorin, sie hat zusammen mit Remo Largo das Buch „Glückliche Scheidungskinder“ publiziert. Der Schweizer Kinderarzt Largo hat auch die Bestseller „Kinderjahre“ und „Babyjahre“ verfasst. Czernin lebt nach einer Scheidung selbst mit ihrer Tochter in einer Patchwork-Familie, die sie als glücklich bezeichnet. Wir als Trainer müssen diesen unterschiedlichen Lebensentwürfen Rechnung tragen und sollten ein Interesse am Umfeld unserer Spieler besitzen. Denn nur, wenn ich als Trainer um die Lebenssituation meiner Spieler weiß, kann ich abschätzen und analysieren, warum es sich so oder so verhält. Dazu gehört natürlich der ständige Austausch mit den Eltern. Hier muss ein Vertrauensverhältnis geschaffen werden, damit sich Kinder und Eltern auch dem Trainer öffnen. Nur so kann ich bestimmten Verhaltensweisen entsprechend begegnen, die aus der besonderen Lebenslage resultieren.

Schreibe einen Kommentar