Mut zur Lücke

Das Pokalspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Borussia Dortmund war nicht nur ein Kampf zwischen den Tabellenspitzen der zweiten und der ersten Bundesliga, es war auch ein Kampf der Systeme. Doch die Taktik der Rheinländer ging nicht auf, auch weil die Westfalen in Unterzahl abgeklärter waren – und am Ende im Elfmeterschießen gewannen.

Düsseldorfs Trainer Norbert Meier schickte seine bewährte 4-4-2-Formation ins Rennen gegen den Deutschen Meister, der ebenfalls wie gewohnt mit dem Klopp’schen 4-2-3-1 auflief, wobei Barrios ganz nach vorn rückte und Lewandowski eher hinter der einzig nominellen Spitze spielte. Überraschenderweise fing die Fortuna, mit dem Heimvorteil im Rücken, recht defensiv an, die Dortmunder hatten so etwa eine Viertelstunde lang reichlich Platz, um sich in Richtung des Düsseldorfer Tores vorzuarbeiten – wo sie allerdings keine zwingenden Chancen hatte. Erst nach dieser Anfangszeit legte der Zweitligist seine Scheu vor den großen Namen aus Dortmund ein wenig ab und kam besser ins Spiel, auch weil etwa die beiden Asse der Fortunen, Lambertz und Beister, mehr in Bewegung waren und dementsprechend öfter anspielbar. Das führte zu zwei Schüssen aus der Halbdistanz, und Dortmund verlegte sich nun auf die Taktik, den Gegner etwas kommen zu lassen.

Das tat dem BVB nicht besonders gut, weil die Düsseldorfer nun sicher im Spiel waren und dabei vor allem das schnelle Umschalten immer besser funktionierte. In dieser Phase konnte man erkennen, weswegen die Rheinländer in 19 Zweitligaspielen seit dem Sommer nur einmal verloren haben (mit 2:3 gegen Paderborn am letzten Spieltag vor der Winterpause). Der schnelle Pass nach Balleroberung ist eindeutig die Stärke dieser Fortuna, was letzten Endes auch zum Feldverweis (gelb-rote Karte) für Patrick Owomoyela führte, der zuvor bereits verwarnt gewesen war. Nun jedoch, in Unterzahl, war den Düsseldorfern anzumerken, dass ihnen der taktische Plan nicht mehr so richtig weiterhelfen konnte, was vor allem daran lag, dass Jürgen Klopp nun keineswegs umstellte. Er ließ vielmehr Mats Hummels als einzigen Innenverteidiger weiterspielen, stellte also auf eine Dreierkette um. Mut zur Lücke, könnte man also sagen.

Düsseldorf spielte in Überzahl oft zu verhalten

Kurz vor der Pause war der BVB dem 1:0 näher als Düsseldorf, die Borussia agierte nun abgeklärt, doch nach Wiederanpfiff (es gab keine Wechsel) drängten die Fortunen eine knappe Viertelstunde mit Macht auf die Führung. Allerdings setzten die Spieler die taktische Marschroute von Norbert Meier nicht konsequent um. Meier schien von seinem Team zu fordern, die Bälle in Richtung Dortmunder Abwehrzentrale zu bringen, da dort ja nur noch ein echter Innenverteidiger spielte und Meier seine Mannschaft dort im Vorteil sah. Mehr als zwei halbwegs gute Chancen sprangen jedoch nicht dabei heraus, auch wenn Düsseldorf nun ein brauchbares Forechecking spielte und die Dortmunder das Spiel von hinten heraus nicht mehr richtig aufbauen konnten.

Mit der 60. Minute war diese Phase jedoch beendet, es schien ein wenig, als ob die Fortuna sich mit ihrer Spielweise etwas verausgabt habe, ziemlich kraftraubend waren die – letzten Endes ja erfolglosen – Aktionen zuvor gewesen. Der BVB schaffte es, ruhiger zu werden und sich aus der Umklammerung zu lösen, auch weil Meiers Auswechslung (Sascha Dum kam in der 64. Minute für den etwas defensiveren Oliver Fink) verpuffte. Gündogan und Kehl, die Dortmunder Doppelsechs, hatte nun kaum noch Probleme. In den letzten Minuten war beiden Teams die Angst vor dem Pokalaus anzumerken, keine der Mannschaften suchte das letzte Risiko, was seitens der Dortmunder, die eine knappe Stunde schon in Unterzahl waren, nicht verwunderte. Obwohl Meier in der 79. Minuten den Stürmer Ranisav Jovanovic für den Mittelfeldakteur Julian Beister brachte, spielte Düsseldorf nun recht verhalten. Jürgen Klopp hatte in der 74. Minute mit Ivan Perisic für Lucas Barrios einen Stürmer gegen einen Stürmer getauscht, in der 81. Minute brachte er dann noch Florian Kringe für Linksverteidiger Chris Löwe. Mit dieser Aufstellung ging es in die Verlängerung.

Klopps Umstellung als Schlüssel zum Erfolg

Hier ging es munter los, mit einem Beinahe-Eigentor von Lukasz Piszczek und einer aussichtsreichen Konterchance für den BVB. In dieser Phase war das Spiel offen und recht frei von taktischen Zwängen, was besonders Jürgen Klopp nicht gefallen haben konnte, denn kurz nach der 100. Minute veranlasste er sein Team zu mehr Kontrolle und mit dieser taktischen Marschroute ließen die Dortmunder – eine Parallele zu den letzten 30 Minuten der zweiten Halbzeit – praktisch nichts mehr zu. Nach 120 torlosen Minuten war es dann Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller, der den einzigen von zehn Strafstößen parierte (gegen Thomas Bröker) und für den Viertelfinaleinzug seines Clubs sorgte.

Fazit: Fortuna Düsseldorf machte ein gutes Spiel mit intelligenter taktischer Marschroute, die jedoch am Ende nicht zum Erfolg führte. Möglicherweise lag der Fehler von Norbert Meier darin, gegen eine dezimierte Dortmunder Mannschaft in den nach dem Platzverweis knapp 90 verbleibenden Minuten (inklusive Verlängerung) nicht noch mehr Risiko zu gehen. Dass die Dortmunder ein Spiel auch in Unterzahl über die Zeit bringen, hätte Meier klar sein müssen. Insofern ist Meiers Taktik nicht ganz aufgegangen – stark begonnen zwar, doch der Trainer hat es verpasst, während der Partie durch Umstellungen und Wechsel die richtigen Maßnahmen zu treffen. Seinem Gegenüber Jürgen Klopp ist aus taktischer Sicht hoch anzurechnen, dass er nach dem Feldverweis gegen Owomoyela nicht etwa einen Stürmer opferte, um einen zweiten Innenverteidiger zu bringen, sondern dass er hinten einfach mit der Dreierkette Piszczek – Hummels – Löwe weiteragierte. So konnte die Borussia in den meisten Abschnitten der Begegnung immer wieder Akzente nach vorn setzen und so für Entlastung sorgen, vermutlich der Schlüssel zum Erfolg. Auch wenn der Dortmunder Sieg erst im Elfmeterschießen zustande kam, ist er dennoch nicht unverdient, da die cleverere und abgebrühtere Mannschaft gewonnen hat, auch wenn das für die Düsseldorfer ein Stich ins Herz ist, da sie mit viel Herzblut agiert haben.

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