Nächste Ausfahrt Brasilien

Die deutsche Nationalmannschaft könnte sich am Dienstag auf den Färöern schon für die WM 2014 qualifizieren, ein Sieg vorausgesetzt, wenn Schweden gleichzeitig in Kasachstan patzt. Hätte man letzten Oktober in Berlin den 4:0-Vorsprung gegen eben jene Schweden nicht noch verpatzt, Brasilien wäre schon gebucht – und Löws Vertrag wohl bereits verlängert.

Doch auch so sollte nichts mehr schiefgehen. Fünf Punkte Vorsprung auf die Schweden, ein exzellentes Torverhältnis, es müsste schon mit dem Teufel zugehen, würde Löws Mannschaft das Ziel „Gruppensieg“ noch verfehlen. Doch mehr als die Frage danach, ob das Team den Zug zur WM verpassen könnte (kaum möglich), stellt sich seit ein paar Tagen die Frage: Wann verlängert der Bundestrainer seinen Vertrag? Und bis wann? Und ist das überhaupt richtig?

Kritiker werfen Löw spätestens seit der Halbfinalpleite gegen Italien bei der letztjährigen EM vor, dass diese Mannschaft niemals bissig genug sein wird, einen Titel abzuräumen. Vielleicht mehr aus dem Grund, sich nicht mit Öffentlichkeit und Medien herumärgern zu müssen, Löw gab spät Aufstellungsfehler zu. Noch 2008 und 2010 war gegen Spanien jedoch einfach kein Kraut gewachsen, ganz gleich, wen Löw da aufgeboten hätte. Für den Bundestrainer ist das alles ein komisches Spiel. Während sich Fußballdeutschland über teils rauschende Siege und taktische Brillanz freute, Löw ob der Taktik und des offensiven Spiels lobte, sieht er sich von anderen der Kritik ausgesetzt, dass nur Titel wirklich zählten.

Die Nationalelf ist Löws Produkt

Dabei vergessen die Kritiker eins. Ohne den Wagemut des Offensivpressings und des Direktspiels schafft es keine Mannschaft der Welt heute auch nur noch in die Nähe eines Halbfinals. Auch Italien, das generell über die Defensive kommt, zeigte gegen Deutschland, dass es gegnerische Fehler erzwingen und diese im Direktspiel auszunutzen weiß. Wer sich die Zeit unter Völler zurück wünscht, als Deutschland durch uninspirierten Ergebnisfußball ins Endspiel kam, muss sich eingestehen, dass dieser Fußball nicht mehr gespielt wird. Und schon gar keine Chance auf Erfolg hätte.

Wer nun aber einwendet, dass Völler doch gar keine Spieler hatte, um anders spielen zu lassen: richtig. Die Reus, Götze, Özils, Müllers und wie sie heißen sind aber immerhin ein Produkt dieser Zeit, als man in Deutschland begriffen hatte, dass die Jugend anders gefordert gehört. Und diese Spieler wären dennoch nicht auf diesem Niveau, gäbe es keinen Bundestrainer Löw. Natürlich haben die Vereinstrainer den größten Anteil an deren Entwicklung. Doch auch Löw weiß es, diese Spieler weiter zu fördern, indem er auch in der Nationalelf jenen Fußball spielen lässt, den Dortmund und Bayern pflegen. Und immerhin kommen die meisten Nationalspieler von diesen beiden Clubs. Normalerweise bedeutet Kontinuität im Fußball auch Konstanz, und diesem immer noch jungen, immer noch talentierten Team nach der WM einen anderen Coach vorzusetzen, wäre mit Sicherheit ein schwerwiegender Fehler.

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