Offenbarungseid im Heimspiel

Nach einem guten Start in die Saison ist Werder Bremen nun nach drei Pleiten in Folge in die Krise gerutscht. Das 0:3 zuhause gegen Frankfurt deckt die Mängel der Norddeutschen in frappierender Weise auf. Und die Spieler scheinen nicht so recht an sich zu glauben.

Es gibt Fußballtrainer, die nach einem solchen Spiel das Jammern beginnen. Über das Pech, das die eigene Mannschaft hatte. Über noch mehr Pech, das hinzugekommen ist während des Spiels. Und über das Unglück, eine Reihe von Verletzen beklagen zu müssen. Gut, diesen letzten Punkt konnte Robin Dutt nicht umhin zu erwähnen. Ansonsten war der Übungsleiter von Werder Bremen nach dem erschreckenden 0:3 gegen Eintracht Frankfurt aber weit davon entfernt, das ach so böse Schicksal zu zitieren.

Manche Trainer hätten nach dem Platzverweis für Franco Di Santo (26.) die mehr als einstündige Unterzahl moniert (die Rote Karte war jedoch mehr als nur berechtigt, sie war hochverdient), hätten den – allerdings zu Unrecht nach eindeutiger Schwalbe – von Aron Hunt herausgeholten und dann selbst verschossenen Elfmeter (58.) beklagt, der somit nicht zum erhofften Anschlusstreffer zum 1:2 führte. Und sie hätten das bittere Eigentor von Sebastian Prödl zum 0:3 in der 77. Minute als Beweis angeführt, darauf hinzuweisen, dass an einem solchen Tag eben alles schief geht, was schief gehen kann. Nicht so Robin Dutt. Die Fakten, die belegten, warum Werder den Hessen so klar unterlegen war, kannte Dutt. In nackten Zahlen: 32 Prozent Ballbesitz – in einem Heimspiel. Nur 41 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Und nur 163 Pässe, die den Mitspieler fanden.

Taktische Fehler, mangelndes Defensivverhalten

Bei der Eintracht waren es dreimal so viele Pässe, und das führt direkt zur taktischen Betrachtung der Partie. Die Bremer agierten komplett verängstigt, was sich darin zeigte, dass zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen die Abstände riesig groß waren. Frankfurt konnte nach Belieben verschieben und je nach Bedarf die Räume erweitern oder verengen, Werder fand kein Gegenmittel. Dazu kam die mangelhafte Raumdeckung, nicht nur bei den Gegentoren hatte die Eintracht unendlich viel Platz. Bezeichnend vor allem das 0:1, als Stürmer Kadlec im Fünfmeterraum freistehend nur einzuschieben brauchte.

Bremen fehlte im Spielaufbau jegliche Idee, die Laufwege waren zu wirr für die Ballverteiler im Mittelfeld – wenn diese den Ball überhaupt mal hatten. Dazu die individuellen Schwächen von Prödl, Elja, Ekici – eigentlich von allen Feldspielern (Torwart Mielitz traf keine Schuld an den Gegentoren). Die Spieler scheinen nicht an sich und nicht an die Mannschaft zu glauben, unisono war nach dem Spiel zu vernehmen, dass Werder dieses Jahr bis zum Ende hinten drin stehen würde. Die Verantwortlichen sprachen nach dem Spiel von katastrophalen ersten 20 bis 30 Minuten – und redeten das komplett zerfahrene Spiel damit sogar noch schön. Dabei konnte jeder den spielerischen Offenbarungseid 90 Minuten lang sehen.

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