Philosophien

Der Blog von Hans-Dieter Schmidt

Um im Fußballsport als Trainer erfolgreich arbeiten zu können,
ist es wichtig, sich gedanklich unabhängig zu machen.
Dies ist nicht so einfach, weil materielle Abhängigkeiten vom
Verein, seinen handelnden Personen, dem Druck der Anhänger,
dem Druck der Medien, den anders gelagerten Interessen von
Spieleragenten und Beratern, sowie den Eigeninteressen der
Spieler dem entgegenstehen.

Um einer neuen Mannschaft einen passenden, taktischen
Maßanzug zu verpassen, bedarf es einiger, planbarer
Komponenten.

1. Spielphilosophie des Vereins und des Trainers in Einklang zu bringen
Blicken wir mal kurz auf Arsenal London und den FC Bayern
München. Beides seriöse und erstklassige Klubs. Mit völlig
unterschiedlichen Trainern und Philosophien. Hier der
Franzose Arsen Wenger, dort der Holländer Louis van Gaal.
Bei Arsenal kreativer Offensivfußball mit Schwerpunkt
druckvollem Kurzpassspiel, unter Risikonahme einer
geschwächten Abwehrarbeit. Manchmal sogar schöner
Fußball, als Selbstzweck ; ohne immer erfolgreich zu sein.

Beim FC Bayern Konzeptfußball, Ballsicherung mit hohen
Prozentzahlen für Statistiker. Ohne dieser Kreativität, die man
dem holländischen Fußball so gern nachsagt, allerdings
ausgesprochen erfolgsorientiert. Das Ergebnis rechtfertigt Vieles.

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2. Nicht jeder Trainer oder Spieler passt zu jedem Verein
Der VfL Bochum oder der TSV 1860 München suchen andere
Trainer und Spieler wie Bayer Leverkusen oder der FC
Bayern. Kampf wird geschätzt und nicht immer Filigranarbeit.
Das hat auch etwas mit speziellen Regionen zu tun und ihrer
Historie . Die Vereine des “ Ruhrpotts “ und der
Arbeiterverein aus München sind eben nicht mit der Werkself
oder dem Weltklub von der Säbener Strasse zu vergleichen.
Trainer und Spieler können bei einem Verein die Stars sein und
versagen unter anderen Bedingungen vollständig.

Auch ist es eine Tatsache, dass oftmals erstklassige Trainer oder
Spieler gerade überraschend scheitern, wenn sie den Sprung zu
einem ausländischen Klub wagen. Eine neue Kultur, fehlende
Sprachkenntnisse und eine entsprechende Eingewöhnungszeit
lassen die Leistungsfähigkeit manchmal um 30% sinken; genug,
um nicht an die 100% Hoffnungen der Vertragspartner zu kommen.

3. Meine Philosophie:
In den letzten Jahren wurde den Fußballanhängern suggeriert,
dass der Fußball mit 3 Spitzen das Nonplusultra der Offensive
sei. Ein Trainer, der mit 2 Spitzen oder sogar nur einer Spitze
agieren ließ, stand oft unberechtigt in der Kritik. Entscheidend
meiner Ansicht nach ist es nicht, mit wie viel vermeintlichen
Spitzen eine Mannschaft spielt, sondern wie ein Team als
kompakte Einheit mit Kreativität und individueller Klasse auftritt.

1. Im 1+4+2+3+1 System:
1. Torwart – Stabilisator und Libero –

2. Innenverteidiger – Groß, schnell, beweglich und
gewandt, Kopf-und zweikampfstark
ohne Foul zu spielen, gute
Spieleröffnung und gefährlich bei
eigenen Standards, taktische Führung –

3. Außenverteidiger – Meist kleinere Spieler, schnell und
ausdauernd, sehr gute Technik,
sauberes Passspiel, Einschalten in den
Angriff mit Dribblings und
torgefährlichen Flanken, bei
Ballbesitz der eigenen Mannschaft
Einrücken in die 2er Defensive, um
im Mittelfeld Überzahl zu schaffen,
taktisches Verschieben in der Kette,
Kombinationsspieler.

4. Zentrale Mittelfeldspieler: Der defensive Part könnte von
einem Vario gespielt werden ( vielseitig,lauf- und
zweikampfstark ), Ablaufen, keine Fouls, kopfballstark,
taktischer Leader, torgefährlich bei eigenen Standards, großer Spieler.

Der offensive Part würde vom ersten Spielmacher ausgefüllt
werden. Spielstark, beweglich und gewandt, sicheres
Passspiel, verdeckte Pässe in die Spitze, Einrücken in die
Räume zur Unterstützung der Offensive, Freistöße und
Eckbälle, Zustellen der Räume

5. Dreierreihe hinter der Spitze:
Halb – rechts ( nicht Außen ): Schnell, kann Räume aufreißen,
Dribbelstark, Flanken, torgefährlich, laufstark, läuft
Ballbesitzer an, kombinationssicher, defensiv abdeckend

6. halb-links: genau wie halb-rechts

7. Zentraler Spielmacher wie Spielmacher auf der zentralen
Mittelfeldposition.

8. Spitze:
groß, schnell, kopfballstark, beweglich, kann den Ball
halten, kommt aus dem Rücken des Abwehrspielers,
schafft Räume für die nachstoßenden
Mittelfeldspieler, lauert auf Quer-und Rückpässe, legt auf.

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Eingebettet in ein funktionierendes Team soll sich ein jeder
Spieler, nach Erfüllung seiner mannschaftstaktischen Vorgaben,
individuell kreativ zu einer Spielerpersönlichkeit entwickeln.
Die Erkenntnis aus den letzten Weltmeisterschaften war in erster
Linie, dass 2006 Italien und Frankreich mit einer Spitze
erfolgreich waren und 2010 die deutsche Mannschaft meist
ähnlich auftrat.

Im 1+4+1+3+2 System spielen die äußeren Mittelfeldspieler am
jeweiligen Flügel.

In beiden Systemen wird in einem bestimmten Raum
ergebnisorientiert agiert und ballorientiert verschoben, gepresst,
Zweikämpfe gewonnen und mit schnellem Tempofußball in die
Spitze gespielt und nachgerückt. Dies geschieht ohne Foulspiel,
um dem Gegner keine Pausen oder Standardsituationen zu
gestatten. Besonders dann, wenn die eigene Elf im Rückstand
ist. Ist man in Führung, kann durch ballsicheres
Kombinationsspiel die Grundlage für ein erfolgreiches Spiel
gelegt werden.

Ich würde mich freuen, wenn sie einen Kommentar schreiben.

Hans – Dieter Schmidt

2 thoughts on “Philosophien”

  1. sven says:

    Ich hatte Hans Dieter in meiner A – Jugend Zeit bei BW Papenburg als Trainer!
    Der Mann weiß absolut wovon er redet!
    Schade, dass einen die Wege trennten…..

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  2. MarioGomez says:

    Wow, super Aufschlüsselung! Ich hab das mal in meiner Mannschaft konsequent verfolgt (eine Checkliste zum Ausdrucken wäre geil, aber ich hab mir selbst eine zusammengeschnitten) und muss sagen, das ist mal echt ein Erfolgserlebnis…

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