Rückeroberung wird groß geschrieben

Souverän pflügt Bayer Leverkusen als Tabellendritter durch die Bundesliga, vom 0:2 auf Schalke am vierten Spieltag einmal abgesehen. Bis jetzt der einzige Punktverlust. Im Angriff wirbeln Kießling und Sam, Bender und Rolfes halten das Mittelfeld dicht und hinten verteidigt das Team geschlossen.

Die Viererkette, in die sich auch die Neuzugänge Hilbert (rechts) und Spahic (innen) gut eingefügt hat, agiert bislang recht stabil, auch wenn es selten gelang, ohne Gegentor zu bleiben. Doch scheint die Abwehrformation, die Trainer Hyypiä bis vor zwei Jahren noch selbst auf dem Platz geleitet hat, aus taktischer Sicht das große Plus der Bayer-Elf zu sein. Das Prinzip, das Hyypiä seiner Mannschaft offenbar bestens verinnerlicht hat, heißt: Ballgewinn, schnelles Umschalten und Überbrücken des Mittelfelds inklusive Torabschluss.

Dabei muss sich der Trainer auch im Sturm nicht auf Kießling allein stützen. Der bisher so erfolgreiche Torjäger ging gegen Hannover leer aus, inzwischen weiß aber auch Offensivmann Sam, wo das Tor steht. Gut zu beobachten ist im Leverkusener Spiel indes, wie fein abgestimmt die Laufwege im Konterspiel inzwischen sind. Hier harmonieren insbesondere Kießling und Sam bei den oft über rechts vorgetragenen Gegenstößen, Son über links hat sicher noch Potenzial. Stark ist es meist auch, wie Rolfes oder Bender aus der Zentrale nachrücken und so die Räume zwischen den eigenen Angreifern nicht zu groß werden lassen. Im Fall eines Ballverlusts wird so das Umschaltspiel des Gegners deutlich erschwert – und nicht selten gewinnt die Werkself auf diese Weise die verlorenen Bälle wieder zurück.

Stimmige Laufwege

Das ist moderner Fußball par excellence. Denn eine gängige Theorie im Spitzenfußball besagt, dass die Rückeroberung eines im Angriff verlorenen Balles der gefährlichste Moment für den Gegner ist, der sich just dann selbst anschickt, das Spiel nach vorn zu suchen. Dabei entsteht eine gewisse Unordnung – und genau diese ist in einem solchen Moment oft hilfreich für die Mannschaft, die sich in der Hälfte des Gegners den Ball zurückholt. Das ist in vielen Spielen zu beobachten – und zugleich u. a. auch das Credo von Jürgen Klopp, der diese Thematik offensiv anspricht. Sami Hyypiä ist vom Naturell anders gestrickt, aber wer ein Spiel der Leverkusener verfolgt, der ahnt, dass auch er im Training viel Wert auf Übungsformen legen dürfte, die genau diese Rückeroberung des Balles vor dem gegnerischen Tor simulieren.

So hat er sein Team auf Rang drei geführt, mit sechs Punkten Polster auf Platz vier und nur einem Zähler Rückstand auf Dortmund und München. Für Leverkusen steht nun aber eine Woche der Wahrheit ins Haus. Zunächst empfängt die Elf am Mittwoch Real Sociedad San Sebastian, am Samstagabend gastiert dann der FC Bayern in der BayArena. Eine gelungene Umsetzung vorausgesetzt, wäre es derzeit gar nicht so verwunderlich, wenn Hyypiäs Taktik auch gegen den Rekordmeister aufgeht.

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