Spanien beherrscht Europa

Während Neymar in Brasilien die Erwartungen übererfüllt, täte der Rest der Fußballwelt ganz gut daran, die Spanier nicht abzuschreiben. Denn die U21 der Iberer verteidigt den EM-Titel von 2011 auf beeindruckende Weise und stellt klar, dass mit den Spaniern weiterhin zu rechnen sein wird.

Italienische Nationalmannschaften gelten seit jeher als clever. Diese Aussage trifft natürlich auch auf die Nachwuchsteams zu, und damit auf die U21. Doch war sie gegen die gleichaltrige spanische Auswahl nicht clever genug: Mit 2:4 verlor die Squadra Azzurra das EM-Finale der Junioren an die Spanier, deren wichtigste Fußballnationalteams – die Herren sowie der älteste Nachwuchs, also die U21 – nun die letzten vier kontinentalen Titel eingesackt haben. Die U21 2011 und 2013, die Herren 2008 und 2012.

In Zeiten, in denen schon von einer „Wachablösung“ die Rede ist (jedenfalls von Seiten der Medien), weil es zum ersten Mal ein rein deutsches Finale in der Champions League gegeben hat, ist diese Nachricht für alle anderen Nationen (außer eben für Spanien) keine gute. Die U21 hat bei der WM spielerisch wie taktisch überzeugt, sie hat jedes einzelne Spiel gewonnen. Wenn Xavi einst abdanken wird, steht mit Thiago Alcantara der nächste Regisseur schon bereit. Und von weiter unten drücken die nächsten Talente nach. Denn auch die U19 der Spanier hält die beiden letzten Titel des Europameisters, nämlich von 2011 und 2012.

Mexiko mit großen taktischen Versäumnissen

Währenddessen haben bei den „Großen“ in Brasilien der Gastgeber sowie Italien in der Gruppe A das Halbfinale schon vor dem letzten Spieltag gebucht. Brasilien schlug Mexiko mit 2:0, während die Italiener gegen hoch motivierte und phasenweise auch drückend überlegene Japaner in einem aufregenden Spiel mit 4:3 die Oberhand behielten. Italien hätte sich auch über eine Niederlage nicht beklagen dürfen, zumindest ein Punktgewinn für die Männer um Shinji Kagawa wäre verdient gewesen.

Im Spiel der Brasilianer gegen Mexiko passierte über weite Strecken nicht viel, was taktisch an sich ganz gut zu erklären ist. Der mexikanische Angriff wiederholte den Fehler, allzu oft auf gleicher Linie zu stehen, die Offensive der Mannschaft war dementsprechend symmetrisch und für Brasilien leicht auszurechnen. Den eigentlich im zentralen Mittelfeld dadurch entstehenden Raum konnte „el tri“ ebenfalls nicht nutzen, da die beiden zentralen Mittelfeldspieler, Torrado und Salcido, sich meist nicht zentral orientierten, sondern zur Seite hin verschoben. Zwischen den Positionen Sechs und Acht ließ Brasilien den Gästen viele Lücken, die diese allerdings (bis auf wenige Ausnahmen) nicht befüllen konnten. Aus dem Mittelfeld heraus hatte dos Santos zwar häufig Ballbesitz, fand in Chicharito und Guardado aber zwei Mitspieler vor, die sich aus taktischer Sicht viel zu oft falsch bewegten, da sie zu offensiv wurden. Dementsprechend fand der Dribbelkünstler keine Anspielstationen für ein Kurzpassspiel und war zu oft auf sich allein gestellt.

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