Hallenfußball – mehr als nur Techniktraining in der Winterpause

Der Beitrag skizziert einen Handlungsrahmen für ein erfolgreiches Fußball-Hallentraining. Beginnend mit den Grundaspekten des Hallenfußballs werden im Anschluss konkrete Inhalte und Trainingsübungen für das Training in der Halle vorgestellt. Angriffs- und Verteidigungsaktionen, taktische Grundordnungen, Umschaltspiel – der moderne Hallenfußball ist viel mehr als nur ein Techniktraining in der Winterpause.

Vom Platz in die Halle – dieses Motto gilt alljährlich für viele Teams im Kinder-, Jugend- und Amateurfußball in den Wintermonaten. Eine willkommene Gelegenheit, um etwas genauer die Vorteile und besonderen Gegebenheiten für diese Trainings- und Spielphase der Saison zu betrachten und vorzustellen.

Hallenfußball richtig trainieren

Was kennzeichnet erfolgreichen Hallenfußball?

Ob junger oder alter Kicker – vielfach strahlen die Augen der Aktiven, wenn es zu Trainingseinheiten oder zu Turnieren zwischen November und März in die Sport- und Soccerhallen geht. Hallenfußball ist doch überall mit Action, Toren, Schnelligkeit und technischer Finesse verbunden. Für die Spieler nachvollziehbarer Weise ein Highlight und meist mit großer Freude und Motivation verbunden. Auch für die Trainer lohnt sich dabei ein genauerer Blick.

Abgeleitet vom großen Spiel stehen verschiedene Aspekte hierbei besonders im Vordergrund, die dieses Spektakel erklären. Kleine Spielräume und reduzierte Teamgrößen – beispielsweise und häufig im 4 + 1 gg. 4 + 1 – bedeuten stetig wechselnde Spielaktionen in Angriff und Abwehr, eine kürzere Distanz zum eigenen und zum gegnerischen Tor und dadurch deutlich mehr direkte Angriffs- und Toraktionen. Viele Umschaltaktionen, viele Torszenen und eine höhere Spieldynamik im Vergleich zum Outdoor-Fußball können somit die Attraktivität des Hallenfußballs bereits zu einem großen Teil erklären.

Weiterhin steht der einzelne Spieler in seinen Angriffs- und Verteidigungsaktionen mehr im Fokus. Einzelne Technikhandlungen oder individuelle Entscheidungen und Ideen auf zum Teil deutlichen geringeren Spielraum können für und gegen das eigene Team wesentlich schneller einen Unterschied bedeuten.

Ein nicht zu unterschätzendes Merkmal des Hallenfußballs ist zudem die mentale Komponente – der Ergebnisdruck kann für Spieler und Trainer ein besonderer werden. Durch die kürzeren Spielzeiten und den beschriebenen, dynamischen Spielcharakter entstehen enge und zum Teil schnell auch überraschende Spielverläufe und Zwischenergebnisse. Gepaart mit dem erwähnten Wettkampfmodus im Turniercharakter finden sich Teams und ihre Mitglieder so schnell in „Hop-oder-Top-Situationen“ wieder – eine interessante Form des Trainings für vergleichbare Ereignisse und Momente in der Feldsaison. Im Coaching und in der inhaltlichen Begleitung bieten sich viele Ansatzpunkte für den Trainer.

Anforderungsprofil – was braucht ein guter Hallenspieler?

Abgeleitet aus dieser Charakteristik des Hallenfußballs sind verschiedene Eigenschaften für einen jungen ebenso wie älteren Fußballer hilfreich, um in der Halle gut zurecht zu kommen. Ohne zwangsläufige Reihenfolge ist das technische Handeln gerne als Erstes zu benennen. In den kleinen Spielräumen und den schnell wechselnden Spielsituationen ist die Fähigkeit zur sauberen Ballkontrolle, zum engen und kreativen Dribbling und zum punktgenauen Passspiel in jedem Falle fokussiert. Auch in zum Teil zufälligen und überraschenden Situationen die Sicherheit mit dem Ball zu behalten, zeichnet den talentierten Hallenkicker aus.

Durch häufig kleinere Tore im Vergleich zum Spiel auf dem Feld ist auch die Qualität des Torabschlusses, Präzision in Verbindung mit Härte, von besonderer Bedeutung. Der technisch fähige Spieler hat gute Voraussetzungen, in der Halle zum Zuge zu kommen.

Gepaart mit diesem Aspekt spielen Schnelligkeit, Wendigkeit und eine ausgeprägte Agilität eine große Bedeutung. Flink auf den Füßen, ist der einzelne Spieler anpassungsfähig in den dynamischen Spielsituationen und sowohl offensiv als auch defensiv in der Lage, aktiv zu handeln.

Fußballtraining in der Halle

Im taktischen Sinne bestimmen individuelle und gruppenorientierte Aktionen den Hallenfußball. Entsprechend können sich diejenigen Spieler auszeichnen, die offensiv im 1 gg. 1 über Kreativität, Durchsetzungsfähigkeit und Variabilität verfügen und aus kleinen Situationen – gerne auch einmal in Unterzahl – einen überraschenden und verändernden Vorteil für das eigene Team entstehen lassen können.

Gleichzeitig ist auch das individuelle Verteidigungsverhalten von großer Bedeutung. Ein sauberes und agiles Verteidigen auf beiden Füßen – Bodenzweikämpfe bedeuten meist das situative Aus – ist Grundlage, um zu bestehen. Ähnlich wie auch offensiv macht das direkte Duell häufig und schnell den Unterschied aus.

Für das charakteristische Umschaltspiel des Hallenfußballs benötigen die Teams und ihre einzelnen Spieler zum einen eine hohe und schnelle Auffassungsgabe. Sie müssen bereit sein, sich stetig auf die ändernden Spielsituationen einzulassen und so immer wieder umgehend und mit höchster Geschwindigkeit und Technikqualität zwischen Angriff und Verteidigung zu wechseln.  Dies wiederum erfordert zum anderen eine ausgeprägte konditionelle Leistungsfähigkeit – die stetige Sprintbereitschaft und entsprechende Belastungsfähigkeit im intensiven Intervallmodus sind notwendig.

Folglich lässt sich im Gesamten zusammenfassen: Der Hallenfußball kann weit mehr sein als spaßiges Kicken; aus Trainersicht und für die Einzelspieler- ebenso wie für die Teamentwicklung bietet sich eine willkommene Gelegenheit, um benannte Aspekte und Bestandteile zu trainieren und im Sinne der Ausbildung gezielt in den Vordergrund zu rücken.

Trainingsinhalte für Hallenfußball

Eine Verbindung aus spielerischem Techniktraining und Kleingruppen-Spielformen ist angemessen, um effektiv Spaß und Freude für die Spieler, die Anforderungen des Hallenfußballs und mögliche Ausbildungsideen zu verbinden.

Bezogen auf das Techniktraining sind verschiedene Ideen denkbar. In Abhängigkeit zum Untergrund – klassischer Turnhallenboden oder Kunstrasenhalle – machen zur Ball- und Bodengewöhnung durchaus individuelle Übungen im Bereich Dribbling und Ballkontrolle oder Passspiel einführend Sinn. Darüber hinaus sind beispielsweise 1 gg. 1-Formen sehr gut geeignet, um in Ballführung, Torabschluss, Umschaltverhalten und Kreativität direkt viele wesentliche, genannte Merkmale zu vereinen.

Für das individuelle ebenso wie für das gemeinsame Ausbilden von taktischen Verhaltensweisen sind Kleinspielformen in Gleichzahl und in Über-/Unterzahl eine gute Wahl. Wechselnde Konstellationen – Überzahl wird zu Unterzahl, Angriff wird zu Verteidigung, aus Überzahl wird Gleichzahl – schaffen Raum für die Entwicklung von notwendiger Anpassungsfähigkeit und fordern die Spieler technisch, kognitiv ebenso wie körperlich.

Genau diese Formen wiederum betonen automatisch das beschriebene Profil der Umschaltsituationen, so dass inhaltlich gut und effektiv in diesem Bereich und in diesen taktischen Spielphasen gearbeitet werden kann.

Trainings- und Wettkampfformen in der Halle

Was gilt es beim Hallentraining zu berücksichtigen?

Die konditionelle Belastung für die Spieler in den Trainings- und Wettkampfformen in der Halle ist hoch. Aus Trainersicht gilt es, dies innerhalb eines Wettkampfes oder Trainings bei der Verteilung von Spiel- und Trainingszeit zu berücksichtigen und diese mit Bedacht und Übersicht zu vergeben. Ebenso ist abzuwägen, wie häufig innerhalb einer Trainingswoche in der Halle und mit entsprechender Intensität trainiert wird und inwieweit eine Einbettung in das Feldspieltraining oder sonstige Trainingsmaßnahmen der Winterzeit erfolgt.

Der Trainer ist in jedem Falle gefragt, hier eine passende Lösung der Belastungssteuerung zu finden – insbesondere, wenn das eigene Team in Abhängigkeit zu Alter und Leistungsniveau mehrfach, beispielsweise dreimal oder häufiger pro Woche, trainiert. Im Kindesfußball und im Breitensport bei ein bis zwei wöchentlichen Trainingseinheiten ist dieser Aspekt wohl nicht vordergründig zu sehen.

Bei der Auswahl von Trainings- und Wettkampfstätten ist abzuwägen, wie genau die örtlichen Rahmenbedingungen sind. Wie geschildert macht bereits der Bodenbelag einen Unterschied, eine Kunstrasenhalle bedeutet hier keine wesentliche Anpassung, wohingegen eine Turnhalle einen ungewohnten und möglicherweise willkommenen Technikanreiz darstellen kann. Gleichzeitig liefert der stumpfe Untergrund wiederum eine andere Form der körperlichen Belastung für die Spieler, insbesondere für die Gelenke und die wiederholt beanspruchte Muskulatur. Eine pauschale Lösung muss es nicht geben, der Trainer hat hier die Möglichkeit zu entscheiden.

Hallen, die über eine Rundum-Bande verfügen, bedeuten noch einmal eine ganz andere Form des Hallenfußballs. Das Spiel über die Bande schafft Raum für weitere und zum Teil ungeplante Aktionen – wiederum neue Anforderungen für die Spieler oder vielleicht auch einfach nur Zufall und Chaos im Resultat. Der Trainer darf entscheiden, worauf es ihm und seinem Team im Training und Wettkampf ankommt.

Futsal ist Techniktraining und Angriffsfußball

Futsal – der “neue” Hallenfußball

Eine mittlerweile gängige Variante des einfachen Hallenfußballs ist der Futsal. Kennzeichnende Regeln – beispielsweise bezogen auf das Spiel ohne Bande, den Einkick statt dem Einwurf, das Zählen von Foulspielen zu Mannschaftsfouls oder auch die geregelte Einbindung des Torhüters während der eigenen Ballbesitzphase provozieren in Kombination mit dem sprungreduzierten Spielball zu einem technisch anspruchsvollen, gepflegten Angriffsfußball. Dies wiederum ist positiv für die Entwicklung von (jungen) Fußballern zu sehen, die häufige Anwendung der Futsal-Regeln bzw. des Futsal-Spiels in der Halle somit eine sinnvolle Idee.

Inwieweit dabei – auch in Abhängigkeit zum Leistungsniveau des eigenen Teams – taktische und strategische Kniffe des Futsals trainiert und vermittelt werden, darf ebenso individuell entschieden und ausprobiert werden. In jedem Fall gibt es hier mögliche Ansatzpunkte für interessierte Trainer und Teams.

Gruppentaktische Trainingsübungen für die Halle

Einfacher Passpendel

Einfaches Passpendel Hallentraining

 Organisation:

4-6 Spieler, eingeteilt in zwei Gruppen. Abstand 5 – 10m zueinander, markiert durch Hütchen.

Ablauf:

Spieler A passt zu gegenüberliegendem Spieler B, wechselt dann auf die hintere Position der eigenen Gruppe. Gleiches für Spieler B.

Wahlweise kann direkt oder mit zwei Kontakten gespielt werden, ein Wechsel des passenden Spielers auf die andere Seite ist ebenso möglich.

Ziele und Coaching:

  1. Einfache Ball- und Untergrundgewöhnung
  2. Sauberes Kurzpassspiel – Gefühl für Passtempo und Genauigkeit entwickeln

2 gg. 1 auf je ein Angriffstor

2 gg. 1 auf je ein Angriffstor Hallentraining

Organisation:

Zwei Teams zu fünf bis sechs Spielern einteilen. Jedes Team postiert sich neben dem eigenen Tor, die Bälle lagern beim Torhüter des angreifenden Teams.

Ablauf:

Der Torhüter eröffnet den Angriff für seine beiden Mitspieler durch ein kurzes Anspiel. Die Angreifer starten nun im 2 gg. 1 gegen den ersten Verteidiger des gegenüberliegenden Teams. Bei Torabschluss oder Tor startet Team Angriff mit der nächsten Aktion, bei Ballgewinn des Verteidigers hat er in Unterzahl die Gelegenheit zum Konter. Aufgabenwechsel nach einer bestimmten Zeit, beispielsweise vier Minuten.

Ziele und Coaching:

  1. Entwicklung des gruppentaktischen Angreifens in Überzahl
  2. Förderung des zielstrebigen Angriffsverhaltens und Torabschlusses
  3. Entwicklung des Umschaltens in Offensive und Defensive

2 gg. 2 auf drei Tore mit Konteraktion

Hallenfußball: 2 gg. 2 auf drei Tore mit Konteraktion

 Organisation:

Zwei Teams zu je sechs bis acht Spielern einteilen, zusätzlich je einen Torhüter im zentralen Tor. Die beiden ersten Spieler pro Team beginnen im Feld.

Ablauf:

Der Torwart des angreifenden Teams eröffnet kurz für seine Mitspieler, die beiden haben nun die Gelegenheit auf das zentrale Tor – 2 Punkte – oder eines der Minitore – 1 Punkt – zum Abschluss zu kommen. Gewinnt das verteidigende Team den Ball, kann es auf das zentrale Tor kontern. Im Anschluss starten die nächsten Spieler nach selbem Ablauf. Aufgabenwechsel beispielsweise nach 4-5 min.

Ziele und Coaching:

  1. Entwicklung des gruppentaktischen Angreifens in Gleichzahl
  2. Förderung von Übersicht und Entscheidungsverhalten
  3. Förderung des Umschaltens nach Ballgewinn und Ballverlust