SpoWi-Ecke: Schussgenauigkeit von männlichen und weiblichen Fußballspielern

Die Unterschiede zwischen Herren- und Damenfußball werden immer wieder leidenschaftlich seziert und diskutiert. Anatomische Unterschiede der Geschlechter sind nicht zu leugnen, eine Differenz in Spieltempo und kraftabhängigen Faktoren kann kaum von der Hand gewiesen werden.

Schusspräzision messen

Katharina Althoff, Dennis Homann, Ewald M. Hennig untersuchten an der Universität Duisburg-Essen einen Aspekt dieser Unterscheidung, nämlich den Torschuss. Hierbei wird aufgrund eigener Ergebnisse festgehalten, dass etwa die Hälfte aller während der Partie stattfindenden Aktionen mit dem Ball kontrollierte Pässe oder Torschüsse darstellen.

Aufgrund immer stärker werdender Defensivreihen, Spielbeobachtungen und detaillierten Spielvorbereitungen mit genauen Einstellungen auf das antizipierte gegnerische Verhalten scheint jedoch die Anzahl der guten Torchancen stetig abzunehmen.

Nicht zuletzt daher hängen von der Chancenverwertung oftmals nicht nur der Spielausgang, sondern ganze Spielzeiten ab. Die Schusspräzision gilt daher als wichtiges Merkmal für einen erfolgreichen Torjäger und bekanntlich muss ein Treffer erzielt werden, um eine Partie für sich zu entscheiden. Ziel der vorliegenden Studie war daher, die Schussgenauigkeit von männlichen und weiblichen Fußballspielern aus unterschiedlichen Abstände zu untersuchen.

Spannstoß, Innen- oder Außenseite auf ein elektronisches Ziel

Insgesamt nahmen 36 Fußballer(innen) an der Untersuchung teil. 18 männliche Fußballer (etwa 25 Jahre alt; in Kreis- und Bezirksliga spielend) und 18 weibliche (etwa 23 Jahre alt; Landes- und Verbandsliga) unterzogen sich den anstehenden Tests. Ein standardisiertes zehnminütiges Aufwärmprogramm lief der Untersuchung vor.

Anschließend schossen die Fußballer(innen) aus acht und elf Metern auf ein elektronisches Ziel, dessen Zentrum in einer Höhe von 1,15 Meter positioniert wurde.

Die technische Ausführung hierfür durfte selbst bestimmt werden, ob Spannstoß, Innen- oder Außenseite wurde dabei nicht vorgegeben. Mit der gewählten Schusstechnik wurde je 30-mal auf das Target geschossen, also 30-mal aus acht Metern und 30-mal aus elf Metern. Mit einer Radarpistole („Stalker Pro“) wurden die erzielten Ballgeschwindigkeiten festgehalten. Im Anschluss an die Genauigkeitsmessungen wurde für jede/n Probanden/in die maximale individuell erreichbare Schussgeschwindigkeit ermittelt.

Ergebnisse:

Bei beiden festgehaltenen Abständen (acht und elf Meter) trafen die männlichen Spieler das vorgegebene Ziel mit einer höheren Genauigkeit sowie einer höheren Geschwindigkeit.

Während diese geschlechtlichen Unterscheidungen auf die kurze Entfernung nur eine geringe Differenzierung aufwies, so ging die Spanne bei der elf Meter entfernten Zielpositionierung schon deutlich weiter auseinander. Auf acht Meter stellte das Trio demnach keine so großen Unterschiede fest wie auf die weite Entfernung.

Auf beide Distanzen schossen die Männer hingegen mit 61,6 % ihrer maximalen Schussgeschwindigkeit und die Frauen mit 77,9 %, mussten also viel mehr Power in ihre Schüsse legen, was die fehlende Genauigkeit aufgrund benachteiligter Kraftverhältnisse erklären könnte. Insbesondere die Schüsse aus elf Metern absolvierten die Fußballerinnen mit durchschnittlich 78,91% der maximalen Geschwindigkeit, während die Fußballer auf die gleich Distanz nur 64,27% aufwenden mussten.

Gezieltes Krafttaining für bessere Schusspräzision

Schon bei geringen Abständen zum Zielpunkt müssen Fußballerinnen mit einer hohen Relativgeschwindigkeit schießen, um genau zu treffen. Männer erreichen jedoch ihre Schusspräzision mit deutlich geringeren Relativgeschwindigkeiten. Vermutlich ermöglicht daher die (anatomisch veranlagte) Kraftreserve den Männern auch aus weiteren Entfernungen genauere Torschüsse und Pässe.

Für den Trainingsalltag könnte dies bedeuten, dass gezieltes Krafttraining die Schusspräzision verbessern kann, da eine geringere Relativgeschwindigkeit die Genauigkeit anhebt. Aber auch technische Detailarbeit ist gefragt, insbesondere im Damen- und Juniorenbereich, wenn Krafttraining nicht erwünscht, nur begrenzt durchführbar ist oder nur geringe wahrnehmbare Erfolge aufweist.

Von Dominik Langenegger

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