SpoWi-Ecke: Verletzungen im Profi-Fußball

Die in Kürze startende Bundesliga-Saison 2013/14 wirft ihren Schatten voraus. Mario Götze, Holger Badstuber, Lukasz Piszczek, Kyriakos Papadopoulos und andere werden verletzungsbedingt am ersten Spieltag voraussichtlich nicht gegen den Ball treten können.

Eine Verletzung kann nicht nur individuell für den Spieler eine enorme Belastung bis hin zum Karriere-Ende bedeuten, sondern auch für seinen Verein bzw. seine Mannschaft eine sehr schwierige Situation darstellen. Während im Profi-Bereich hierdurch der (finanzielle) Erfolg gefährdet werden kann, so bringt auch im Amateurbereich ein verletzter Spieler weniger oftmals Probleme bezüglich der Aufstellung mit sich.

Die Verletzungsstatistiken untersuchte Christian H. Siebert in einer Abhandlung zur 23. Jahrestagung der dvs-Kommission Fußball 2011 und stellte dabei fest, dass kaum aussagekräftige Daten diesbezüglich existieren.

Ergebnisse:

Als Ausnahme gelten die Weltmeisterschaften. Der Chef-Mediziner des Weltverbandes FIFA, Jiri Dvorak und sein Team veröffentlichten durch das FIFA Medical Assessment and Research Center Daten zu Verletzungssituationen in Profi-Fußball, vorliegend aus den Weltmeisterschaften 2002, 2006 und 2010. Daraus lässt sich festhalten, dass die Zahl der schweren Verletzungen sich reduzierte.

2002 in Japan und Südkorea von 2,7 Verletzungen pro Spiel über 2006 in Deutschland mit 2,3 und in Südafrika 2010 lediglich 2,0. Bezüglich 2006 liegen detailliertere Daten vor – 145 Verletzungen bei der WM führten bei 97 Situationen zu Ausfällen. Pro 1.000 Spielminuten stellte die Arbeitsgruppe 68,7 Verletzungen fest, also 2,3 Verletzungen pro Spiel!

Bei der Erhebung wurden Situationen während einer Partie aufgezeichnet, bei welcher Betreuer zur Behandlung das Spielfeld betraten und der Teamarzt diese Verletzung in seinem Bericht erwähnt. Aufgrund einer hohen Anzahl an Spielen in kurzer Zeit weißen laut Dvorak diese internationalen Wettkämpfe eine erhöhte Verletzungsrate auf.

Als Grund dieser Verminderung von 2002 bis 2010 wird die bessere Kenntnis und Ausbildung der Teamärzte, die hierdurch bessere Vorsorge/Prophylaxe und ein umfassenderer (medizinischer) Betreuerstab festgehalten.

Arnason et al. lieferten mit einer Untersuchung der 1. und 2. Herrenliga 2004 in Island Erkenntnisse. Über die Verletzungshäufigkeiten. Zu 30,7 % waren Muskelverletzungen, 20,5% Prellungen, 18,4% Kapselbandverletzungen, 15,6% Überlastungsschäden und zu 14,8% andere Verletzungen festzuhalten.

In der Saison 2004/2005 wurde außerdem versucht in der 1. Bundesliga eine Erhebung durchzuführen. Dies wurde mittels Medieninformationen und Presseberichte über Verletzungen durchgeführt, was aufgrund der PR-Arbeit die Ergebnisse möglicherweise verfälschte. 37,5 Verletzungen pro 1.000 Spielminuten wurden diagnostiziert, also deutlich weniger als bei den Weltmeisterschaften.

997 Ausfalltage der einzelnen Spieler pro Verein scheinen ebenso ein neues Licht auf die oftmals abgeschlossenen Versicherungen zu werfen und relativieren die oftmals enorme Kadergröße.
Siebert schreibt von 0,6 Muskelverletzungen pro Spieler und Saison, insbesondere im hinteren Oberschenkel- (37%), Adduktoren– (23%) und im Wadenbereich (13%) treten muskuläre Probleme auf.

Fazit:

Verletzungsursachen werden – selbstverständlich neben Gegnerkontakt – meist im koordinativen oder kognitiven Bereich (Konzentration) gesehen. Daher sollte die Prävention eine große Bedeutung im Trainingsalltag erfahren. Koordinative und kräftigende Elemente können in beinahe jede Trainingseinheit eingebaut werden, die ordentliche Substitution der Energiespeicher und des Wasserhaushalts können gerade im Amateur- und vor allem im Jugendbereich nicht nur den Spielerinnen und Spielern überlassen werden, sondern bedürfen oftmals einer Anleitung oder Anweisung.

Ein Betreuerstab mit medizinischem Grundwissen, die strikte Einhaltung der PECH-Regel (Pause Eis „C“-Kompression Hochlagern) bei Verletzungen und die Vorsicht und Fürsorge der Trainer können zumindest Verschlimmerungen beispielsweise bei zu früher Rückkehr verhindern.

Von Dominik Langenegger

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