Dämpfer gegen Ghana

Individuelle und mannschaftstaktische Fehler der deutschen Mannschaft bedeuten unter dem Strich ein 2:2 gegen starke Ghanaer. Der Spielaufbau der DFB-Elf ist zu langsam, um die „Black Stars“ in ernsthaftere Schwierigkeiten zu bringen.

Nach dem fulminanten 4:0 gegen Portugal vertraute Bundestrainer Löw den gleichen elf Spielern und verordnete ihnen ein 4-3-3, im Spiel gegen den Ball verblieb einzig Müller als Spitze vorn und die Formation verwandelte sich in ein 4-2-3-1, bei dem Kroos als zentraler Mittelfeldakteur fungierte. Ghana setzte ein 4-4-2 dagegen, wobei Kevin-Prince Boateng für Jordan Ayew in die Startelf rückte. Das dichte ghanaische Mittelfeld verhinderte deutsche Kombinationen über die Innenverteidigung auf Khedira, Kroos und Özil, so dass die Deutschen zumeist nur quer spielen konnten. War der Ball doch mal bei Kroos oder Özil, zog sich das ghanaische Mittelfeld zusammen und verhinderte die meisten vertikalen Bälle auf Götze und Müller. Erst durch geschicktes Verschieben von Özil und Khedira verstand es Löws Mannschaft nach einer gewissen Zeit, Überzahlsituationen zu kreieren.

Mit zunehmender Spieldauer verstand es Ghana, nach Ballgewinnen direkt über die Flügel zu kombinieren, was vor der Pause zu einigen guten Gelegenheiten führte. Die Räume für Ghana entstanden wiederum schon im defensiven Mittelfeld, weil das deutsche Gegenpressing dort nach eigenen Ballverlusten zu halbherzig ausgeführt wurde. Und selbst, wenn Kroos und Co. den ballführenden Ghanaer konkret attackierten, verstanden es die Afrikaner, mit zielgenau geschlagenen, langen Bällen dann und wann hinter die deutsche Abwehrkette zu kommen. Flanken blieben auf beiden Seiten Mangelware – und sollten im zweiten Durchgang dann doch zu Toren führen.

Vier Treffer nach der Pause

Aus dem Nichts schlug Müller von halbrechts eine Flanke auf Götze, der sein erstes WM-Tor etwas glücklich mit dem Knie erzielte. Vorher hatte der für Jerome Boateng eingewechselte Mustafi durch einen intelligenten Laufweg den Platz für Müller erst geschaffen – wenige Minuten später war es jedoch auch Mustafi, der bei einer Flanke der Ghanaer zu weit weg vom Mann stand und André Ayew nicht am Kopfball hindern konnte, das 1:1 war die Folge. Ghana witterte sofort Morgenluft und wurde noch aggressiver als zuvor schon, die deutsche Elf beging den taktischen Fehler, sich dem Druck spielerisch entziehen zu wollen. Einen schlampigen Pass von Lahm, den der Kapitän der Deutschen blind in die Mitte gespielt hatte, fing Muntari ab und leitete direkt auf Gyan weiter, der Neuer zum 2:1 überwinden konnte.

Löw reagierte direkt und änderte die Taktik, indem er Schweinsteiger für Khedira und Klose für Götze brachte. Die Idee dahinter: mehr Schussgewalt und Offensivpässe in Richtung Sturmzentrale durch Schweinsteiger sowie hohe Flanken auf den kopfballstarken Klose. Das 2:2 durch dessen erste Ballberührung fiel dann zwar nicht per Kopf, aber einen Eckball verlängerte Höwedes per Schädel auf Klose, der mit der Sohle einschob. In den letzten 20 Minuten wogte das Spiel hin und her, die körperliche Fitness auf beiden Seiten war aufgebraucht, was sämtliche taktische Vorgaben zunichte machte. Zweimal kam Ghana noch gefährlich auf, doch insgesamt hatte Deutschland am Ende die zwingenderen Chancen auf den Sieg. Im abschließenden Gruppenspiel gegen die USA genügt dennoch ein Remis zum Gruppensieg, da sich Portugal und die USA 2:2 trennten.

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