Eine Variante weniger, aber eben nur eine

Dass Bundestrainer Löw unmittelbar vor dem Abflug nach Brasilien seinen Kader umbauen musste, war schlecht. Mit Marco Reus fehlt dem DFB-Tross der wohl beste deutsche Rückrundenspieler aus der Bundesliga. Das ist bitter – und lässt sich taktisch wohl doch halbwegs verschmerzen.

Denn gerade in der Offensive verfügt Löw mit Klose, Schürrle, Podolski, Özil, Müller, Draxler, Götze und Kroos über ausreichend Varianten. Dabei kann der Bundestrainer verschiedene taktische Konzepte formen, ein 4-2-3-1 mit Klose als Stoßstürmer ist ebenso möglich wie ein 4-1-2-3 ohne echte Spitze oder ein 4-2-5-0, bei dem die vakante Sturmposition abwechselnd von den fünf offensiven Mittelfeldspielern bedient wird. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass dies auch vor dem Ausfall von Reus bereits so war. Und der Dortmunder hätte, aufgrund seiner überragenden Leistungen in der Rückrunde, bei der WM eine zentrale Rolle spielen sollen.

Allerdings scheinen die England-Legionäre Podolski und Schürrle derzeit so stark, dass ihr Einsatz, der mit einem gesunden Reus gefährdet gewesen wäre, in die Bresche springen können. Gerade Podolski war an fünf der acht Treffer aus den Testspielen gegen Kamerun und Armenien beteiligt. Auch Özil zeigt aufsteigende Form, weniger dafür Müller. Götze zeigte sich nach seiner Einwechslung gegen Armenien ebenfalls mit zwei Toren in den letzten Spielminuten. Im Kampf um die Sechserpositionen hingegen scheint alles offen – außer, dass Lahm wohl gesetzt ist. Neben ihm scheint Khedira die besten Karten auf einen Platz in der Startelf gegen Portugal zu besitzen. Doch was ist eigentlich von der Nachnominierung von Mustafi zu halten?

Mustafis Nominierung ein geschickter Schachzug?

Diese könnte sich als guter taktischer Winkelzug erweisen. Löw scheint Boateng als Rechtsverteidiger einzuplanen, in der Innenverteidigung dürften Hummels und Mertesacker somit gesetzt sein. Fällt jedoch einer dieser drei Spieler aus, wäre wohl Mustafi der erste Ersatz, da Höwedes in der Viererkette außen spielen dürfte. Mit Mustafi eröffnet sich dem Bundestrainer zudem eine weitere Option: Bei einem Rückstand kurz vor Schluss könnte Mustafi einen offensiven Mittelfeldspieler ersetzen. Und zwar, indem der Spieler aus Genua als Innenverteidiger eingesetzt wird und Hummels oder Mertesacker dafür in die Sturmspitze beordert werden, um dort Flanken zu verwerten und somit für oder neben Klose die gegnerische Deckung durcheinanderzuwirbeln.

Allerdings unterliegen – und das gilt für alle Teams – sämtliche taktische Überlegungen einem Grundproblem. Der Fußball, den die Mannschaft zu spielen gewohnt ist, wird in der brasilianischen Hitze nur phasenweise möglich sein. Tempo und Laufpensum dürften sich reduzieren, möglicherweise sehen wir eine WM, bei der Standardsituationen wieder wichtiger werden als zuletzt. Auch daran müsste Löw noch arbeiten. Die überfallartigen Konter, mit denen die deutsche Mannschaft in Südafrika brilliert hat, sind theoretisch zwar möglich. Jedoch wird die Gesamtausrichtung der Teams eher defensiv sein, so dass nicht so viele Räume bleiben, um das schnelle Umschalten durchgängig zu praktizieren.

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