Erste Bundesliga, die Aufsteiger: Köln

Mit dem Kultverein aus dem Westen kommt ein Stück Tradition in die erste Liga zurück. Der 1. FC Köln wird inzwischen von Leuten mit Vernunft und Augenmaß geführt, die Mannschaft hat das Potenzial zum Klassenerhalt.

Überlegen hat Köln vergangenes Jahr den Aufstieg geschafft – und das mit nur 20 Gegentoren in 34 Spielen. Das Herzstück der Mannschaft war also, im Gegensatz zu früheren Zeiten, ganz klar die Defensive. Damit das so bleibt, hat Zweitligameister-Trainer Stöger bis jetzt nur den Abgang von Verteidiger McKenna zugelassen, dafür drei neue Defensivkräfte nach Köln gelotst. Aus taktischer Sicht galt der Wiener schon vor seiner Zeit im Rheinland als Experte, nun darf man annehmen, dass Stöger seine Linie durchziehen wird: hinten sicher stehen und darauf hoffen, dass Starstürmer Helmes bald von seinem Hüftknorpelschaden gesundet. Solange müssen vorne wohl Ujah und Neuzugang Zoller (aus Kaiserslautern gekommen) in die Bresche springen. Allerdings sagte Stöger dem „kicker“ etwas überraschend, dass er eher Nachholbedarf in der Defensive sehe, das Angreifen habe letzte Saison ja schon ganz gut geklappt. Die Grundidee seiner Arbeit bestehe darin, nach Möglichkeit „ein Spiel zu kontrollieren und zu gewinnen“. Allerdings weiß er, dass das wohl nicht immer klappen dürfte.

Ein Luxusproblem hat Stöger im Mittelfeld, wo sich Bigalke, Halfar, Lehmann, Matuschyk, Peszko, Risse und Svento mit weiteren Spielern um die wenigen Positionen streiten. Das können mal vier oder mal fünf Positionen sein, auf ein festes System ist Stöger nicht festgelegt. Mal spielt der FC im 4-4-2, mal im 4-2-3-1, und für die erste Liga dürfte diese taktische Variabilität – durch andere Varianten womöglich noch erweitert – noch ziemlich wichtig werden. Nach dem Pokalspiel bei FT Braunschweig (Aufsteiger in die Regionalliga Nord) bekommt es Köln eine Woche später am ersten Bundesligaspieltag mit dem HSV zu tun, dann stehen zwei Auswärtspartien in Stuttgart und beim Mitaufsteiger Paderborn an. Aus diesen drei Partien dürfte sich Stöger einiges ausrechnen, ein guter Start ist immer wichtig.

Drei erfahrene Chefs auf dem Feld

Sollte dieser Start gelingen, so wird dieses Jahr eine Sache nicht geschehen – nämlich dass der Verein von Euphorie ergriffen wird, wie es früher oft war. Wenn Köln sechs Punkte aus den ersten beiden Partien holte, wurde nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Verantwortlichen und der Mannschaft vorschnell von der Champions League geträumt. Mit Präsident Spinner, Manager Schmadtke und Trainer Stöger präsentiert der FC nun jedoch geerdete Typen, die Realisten genug sind, um solchen Illusionen einen Riegel vorzuschieben.

Mit Brecko, Lehmann und Helmes hat Stöger zudem in jedem Mannschaftsteil einen erfahrenen Anführer, alle drei sind über 30 und harmonierten vergangene Saison ideal. Ob das so bleibt, wenn es die ersten Pleiten hagelt, bleibt abzuwarten, letztes Jahr gab es keine Anlässe, auszuscheren – für Köln lief es von Beginn an rund. Das war immens wichtig, auch im Hinblick auf eine unkalkulierbare Macht, die kein Mensch im Club aufhalten kann: den Kölner Boulevard. Läuft es beim FC, ist die Yellow Press Feuer und Flammen, läuft es schlecht, ist der Kölner Blätterwald schnell gnadenlos gegenüber Trainern und Spielern.

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