Erste Bundesliga, die Aufsteiger: SC Paderborn

Nicht mehr lang, dann greifen auch die Erstligisten in den Pflichtspielalltag ein, und zwar im DFB-Pokal. Bis dahin stellen wir nach den Zweitliga-Aufsteigern nun auch die beiden Teams vor, die von der zweiten in die erste Liga aufgestiegen sind. Heute: der SC Paderborn.

Wie es wohl ist, wenn der Mond auf die Erde krachen sollte? In Paderborn weiß man das schon. Denn mit diesen Worten hat Präsident Finke im Mai den Aufstieg der Ostwestfalen in die Bundesliga bildhaft umschrieben. Der SC Paderborn stellt den 53. Bundesligisten der Ligageschichte, für Trainer Breitenreiter auch deren „krassester Außenseiter“, den es jemals gab. 18 Millionen Euro Jahresetat, das ist weniger, als HSV-Mäzen Kühne jüngst als Darlehen an den Nordclub verliehen hat, nur zum Vergleich. Der Marktwert des kompletten Kaders liegt bei rund 20 Millionen Euro – damit den Aufstieg geschafft zu haben, ist für Paderborn ein echtes Fußballwunder.

Doch damit dürfte sich der Club in einer Region, in der die Fans bislang wohl zu 95 Prozent Dortmund und Schalke zugeneigt waren, eine Nische geschaffen haben, die sich wirtschaftlich auszahlt. Höhere Fernsehgelder und ein 15.000 Zuschauer fassendes Stadion, das fast immer ausverkauft sein dürfte, sind Faktoren, die zu Mehreinnahmen führen. Die sollen offenbar aber zum Schuldenabbau genutzt werden, teuerste Neuverpflichtung für 700.000 Euro ist Stoppelkamp von 1860 München. Mit Zweitliga-Torschützenkönig Saglik (15 Treffer), Standardkünstler Meha (zwölf Tore) und Kapitän Hünemeier gibt es drei Spieler, die sich etwas abheben vom Rest der Mannschaft. Die besteht zum Teil aus Spielern, welche vor nicht allzu langer Zeit noch in der Landesliga aktiv waren. Ein Ausrufezeichen, mit diesen Akteuren den Aufstieg zu schaffen – und das ist natürlich keinesfalls despektierlich gemeint. Ein Verdienst des Trainers, der für die Bundesliga auch im Falle einer horrenden Niederlagenserie auf keinen Fall entlassen werden soll, wie Präsident Finke durchblicken ließ.

Verheerende Ergebnisse in der Saisonvorbereitung

Ein Motivationsproblem wird Breitenreiter mit seinen Spielern nicht bekommen. Die beste Rückrundenmannschaft der letzten Zweitligasaison wies mit 48 Gegentreffern zwar einen miserablen Wert auf, kompensiert wurde das durch offensiven Hurra-Fußball mit 63 Toren. Außerdem scheint die Truppe nervenstark zu sein, wie die sieben Siege (bei zwei Remis und einer Niederlage) in den letzten zehn Zweitligaspielen zeigen. Wie die Mannschaft taktisch aufzutreten gedenkt, gab Breitenreiter schon einmal vor: „kein Mauerfußball“. Er schließt nicht aus, mit überraschenden Ergebnissen den Klassenerhalt schaffen zu können. Die Testspielserie gegen Clubs aus höherklassigen Ligen waren allerdings ernüchternd: Selbst gegen die Drittligisten Münster, Osnabrück und Bielefeld gab es keinen Sieg.

Doch schließlich zählen diese Resultate nichts mehr, wenn die Pflichtspiele beginnen. Mit die undankbarste Aufgabe im DFB-Pokal hat – der SC Paderborn. Ein Auswärtsspiel bei RB Leipzig. In der Liga geht es zunächst gegen Mainz, dann nach Hamburg, anschließend kommen nacheinander Köln und Hannover nach Paderborn, bevor die größeren Kaliber (Bayern München, Mönchengladbach, Leverkusen) anstehen. Ein paar Punkte aus den ersten vier Partien könnten die Paderborner beflügeln – und nur dann darf an den Klassenerhalt geglaubt werden. Eine Erstligasaison à la Fürth oder Braunschweig strebt Paderborn nicht an, und das darf man ruhig ernst nehmen.

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