Hoffenheim kann nur verrückt

2:2, 5:1, 3:3, 2:6, 3:3, 2:2, 4:1, 2:3, 4:4 – das ist eine Auswahl an Hoffenheimer Ergebnissen der laufenden Saison. Auch am 14. Spieltag bot die Elf von Markus Gisdol ein Spektakel für die Zuschauer, das den Trainern kaum gefallen haben dürfte.

66 Tore sind in den Spielen mit Hoffenheimer Beteiligung bis jetzt gefallen, das sind im Schnitt 4,7 Treffer pro Spiel. 32 davon stehen vorn zu Buche, 34 Gegentreffer mussten die Kraichgauer hinnehmen, das ist absoluter Höchstwert in der Bundesliga. Und spricht dafür, dass die Mannschaft die taktischen Vorgaben ihres Trainers nicht umzusetzen in der Lage ist – obwohl Gisdol eigentlich keine Experimente wagt, was das System angeht. Spieler werden durch andere ersetzt, aber im Prinzip hält Gisdol am 4-2-3-1 fest. Werder hielt in gleicher Formation dagegen. Wobei auf beiden Seiten schon nach wenigen Minuten offenbar wurde, dass jeweils die beiden Sechser (Rudy und Polanski bei den Hausherren, Fritz und Makiadi bei den Gästen) beinahe überflüssig waren.

Denn besonders Hoffenheim überbrückte das Mittelfeld schnell, was vor allem die Bremer Doppelsechs aus dem Spiel nahm und den Druck auf das Gästetor schnell erhöhte. Die beiden Treffer zum 2:0 nach 18 Minuten fielen jedoch per Strafstöße, beide von Salihovic verwandelt. Bremen hing in der Luft, Hoffenheim schaltete aber zurück, ein Elfmeter für Werder und ein dicker Torwartpatzer von Hoffenheims Keeper Casteels bedeuteten noch vor der Pause den Ausgleich für Werder. Doch nach der Halbzeit ging das Spiel so wild weiter, wie das schon von Beginn an der Fall war: vogelwild und ohne taktische Zwänge, somit ein Graus für die Trainer – und ein Leckerbissen für die Zuschauer.

Bremen holt erneut zwei Tore auf

Wieder war es Hoffenheim, das einen Doppelschlag hinlegte; binnen vier Minuten trafen Volland und Herdling zum 4:2. Bremen versuchte nun seinerseits, den Ball schnell nach vorn zu bugsieren, die Gastgeber reagierten konfus und mussten schon kurz nach dem 4:2 das 4:3 hinnehmen, das der eingewechselte Petersen für die Norddeutschen besorgte. Eine Stunde war da gespielt, und erst jetzt besannen sich beide Teams, dass sie von ihren Trainern taktische Vorgaben erhalten hatten. Die Partie beruhigte sich, Hoffenheim spielte auf Sicherheit, die Bremer wollten noch nicht alles auf eine Karte setzen. Es war ein Abtasten, wie es sonst eigentlich eher zu Beginn eines Fußballspiels zu erwarten ist.

Das Spiel hatte gegen Ende hin nur noch wenig Struktur, Hoffenheim verlegte sich auf das Zerstören, Werder warf alles nach vorn und wurde in einer turbulenten Schlussphase noch belohnt, als Bargfrede nach einer Ecke zum 4:4 traf. Eine verdiente Punkteteilung, bei allem Spektakel für die Zuschauer hatte hier keine Mannschaft eine Niederlage verdient – aber auch keinen Sieg. Ohne die Befolgung der Taktik der beiden Trainer lässt sich eben kaum ein Spiel gewinnen.

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