Kühne kauft sich die Liebe der HSV-Fans, Teil 2

Fünf Millionen Euro will HSV-Investor Klaus-Michael Kühne pro Saison dafür hergeben, damit das Fußballstadion des HSV, die momentane Imtech-Arena, ab dem Sommer wieder Volksparkstadion heißt. Der Hamburger Sportverein ist ein aktuelles Beispiel dafür, wie sich ein Fußballclub einem privaten Finanzier ausliefert.

Aus finanzieller Sicht ist der Deal für den Verein ohnehin mehr als fragwürdig. Schließlich kauft Kühne nicht nur den Namen Volksparkstadion, sondern sich selbst direkt in den Verein ein, für kolportierte 18,75 Millionen Euro. Dafür erhält er 7,5 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG. Ein schlechtes Geschäft für den Club, dessen Wert die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im vergangenen November noch auf 330 Millionen Euro beziffert hat. Der HSV verkauft sich an Kühne also unter Wert. Denn 7,5 Prozent auf 18,75 Millionen umgerechnet bedeuten lediglich einen Gesamtwert von 250 Millionen Euro. Hat sich der Club da einfach nur verrechnet? Oder hat man Kühne einfach einen Freundschaftspreis berechnet, weil der ja immerhin das Stadion und van der Vaart finanziert hat? Es erscheint möglich, dass Kühnes Drohung, im Zweifelsfall bald gar kein Geld mehr zu geben, im Vorstand des HSV Angst ausgelöst hat – und zur Feststellung, dass man Anteile an den Mäzen lieber unter Wert verkauft, als gar kein Geld einzunehmen.

Dabei wäre es für den selbst ernannten „Dino“ der Bundesliga derzeit wohl sinnvoller gewesen, in Spieler zu investieren, die Tore erzielen können. Ganze neun davon hat der HSV in den 17 Spielen der Hinrunde erzielt, das ist der mit Abstand schlechteste Wert in der Liga hinter Freiburg, Tabellenletzter mit 17 selbst erzielten Treffern. Die Aktion mit Kühne wirkt in diesen Zeiten wie Aktionismus, wie ein Ruhigstellen der Anhängerschaft. Die Botschaft lautet: den Klassenerhalt packen wir ganz leicht. Und wenn nicht, dann haben wir wenigstens ein Stadion, das den alten Namen trägt. Anders ist nicht zu erklären, wieso der HSV sich dermaßen an Kühne ausliefert.

Ist das der Beginn des Ausverkaufs eines traditionsreichen Clubs?

Viele Fans sehen Kühne jetzt, nach dem Erwerb der Namensrechte des Stadions, unkritischer als davor. Der Milliardär hat es tatsächlich geschafft, sich Anerkennung zu kaufen. Doch blenden sie dabei aus, dass der HSV gerade drauf und dran ist, sich dem Geldgeber auszuliefern. Vor etwa einem Jahr haben die Mitglieder des Clubs einer Ausgliederung der Profiabteilung zugestimmt, nachdem lange darüber gestritten worden ist. Ermöglicht wurde diese Ausgliederung allerdings erst mit den Millionen von Kühne. Der HSV scheint auf dem besten Weg, sich Kühne so weit anzudienen, dass ohne den Mann im Club gar nichts mehr geht. Kritische Anhänger des Vereins wittern den Ausverkauf – und ahnen, dass Kühne, sollte der sportliche Erfolg weiterhin ausbleiben, irgendwann einen Rückzieher machen könnte. Dann stünde der HSV mit heruntergelassenen Hosen da.

Innerhalb der Bundesliga wurde in den letzten Jahren oft über die sogenannte „50+1“-Regel diskutiert. Die soll verhindern, dass externe Geldgeber die Mehrheit an einem Club übernehmen können. Das wird beim altgedienten Hamburger Sportverein zwar nicht passieren. Aber der Trend innerhalb des Vereins scheint zu sein, die Millionen von Kühne auf Gedeih und Verderb anzunehmen, sei es, weil der Unternehmer einen Spieler zum HSV lotst, Clubanteile kauft oder den Fans den alten Stadionnamen zurückgibt. All das mutet tatsächlich an wie der Beginn des Ausverkaufs, bei dem der HSV zwar die Anteilsmehrheit behalten kann (oder darf), aber ohne das Geld von außen nicht mehr handlungsfähig ist.

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