Rasenschach statt Spektakel

Im Spitzenspiel der Primera División trennen sich Atlético Madrid und der FC Barcelona torlos. Wer ein Spektakel erwartet hatte, wurde enttäuscht. Stattdessen konnten Taktikfreunde mit der Zunge schnalzen.

Die Hausherren erwarteten die Gäste aus Katalonien im 4-4-2, das sie allerdings immer wieder veränderten. Barcelona, im gewohnten 4-3-3 und zunächst ohne die noch leicht angeschlagenen Messi und Neymar, versuchte wie auch sonst über die Ballkontrolle Dominanz über die Partie zu erreichen. Zu Beginn agierte Atlético mit einem hohen Gegenpressing, wobei es immer wieder gelang, die Kreise von Iniesta und Xavi einzuengen und die Passwege, die vom dritten Mittelfeldspieler der Gäste, Busquets, ausgehen sollten, einzuengen. So versuchten die Gastgeber, die Ballgewinne in schnelle Konter münden zu lassen, was zunächst gelang. Mit zunehmender Spieldauer wurde Barcelona aber sicherer.

So kam Atlético in der 28. Minute erst nach einem Eckball zu einer großen Chance für Diego Costa. Kurz darauf kam auf der Gegenseite Pedro nach einer Flanke gefährlich frei zum Kopfball, zielte aber zu hoch. Dass sich Barcelona in dieser Phase öfter dem Tor des Gegners nähern konnte, war die Folge eines zu passiven Gegenpressings von Atlético. Oft erwarteten die beiden Angreifer, Costa und David Villa, die Katalanen erst weit hinter der Mittellinie, was dazu führte, dass Atlético dann eher ein 4-4-2-0 praktizierte. Weil es so in der Hälfte der Gastgeber naturgemäß sehr eng wurde, hatte Barcelona große Mühe, bis in den Strafraum hinein zu kombinieren. Meist war an der Strafraumgrenze Schluss mit den Offensivaktionen.

Atlético unter dem Strich zu passiv

In der zweiten Halbzeit ersetzte Messi den angeschlagenen Iniesta, doch außer einer guten Chance in der 80. Minute war vom Argentinier nicht viel zu sehen. Taktisch nämlich gab es kaum Veränderungen, allerdings attackierte Atlético nun wieder früher und konnte so einige Ballverluste der Gäste erzwingen. Zu mehr als zwei halbwegs guten Chancen durch Costa und Turan reichte es jedoch nicht. Auch Neymar, der in der 68. Minute für Alexis Sanchez kam, konnte keine Akzente in der Offensive setzen, zu dicht woben die Mittelfeldspieler von Atlético – Turan, Koke, Tiago und Gabi – die Maschen im Zentrum. So hatte Barça zwar mehr als 60 Prozent Ballbesitz, doch Atlético verteidige clever.

Dennoch war es verwunderlich, dass die Hausherren über weite Strecken so passiv waren. Ein Sieg hätte bedeutet, Barça um drei Punkte abzuhängen, in einem Heimspiel hätte man als Zuschauer erwarten dürfen, dass das Team von Diego Simeone mehr für einen Dreier machen würde. Die Titelchancen für den Hauptstadtclub sind mit dem 0:0 nicht besser geworden – gerade weil man am 38. und letzten Spieltag der Saison im Rückspiel bei Barça antreten muss. Barça wiederum kann mit dem Remis ganz gut leben und hat zudem den Vorteil der mit 53:12 Treffern exzellenten Tordifferenz im Rücken.

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