Sieg gegen den Angstgegner

Beim Testspiel in Spanien hat die deutsche Mannschaft noch einmal gezeigt, was trotz vieler Ausfälle in ihr steckt. Eine abgeklärte Leistung und ein Glücksschuss kurz vor dem Abpfiff beschert Bundestrainer Löw endlich den ersten Sieg gegen das ehemalige Vorbild.

Das 4:0 gegen Gibraltar war mühselig, unkreativ, teils zum Wegschauen. Es blieb schleierhaft, weswegen die deutsche Mannschaft die Breite des Platzes so gut wie nie ausnutzte, zumindest die linke Seite mit einem erneut schwachen Podolski (trotz zweier Vorlagen) blieb sehr blass. Rechtsverteidiger Mustafi hingegen entwickelte in der ersten Hälfte Lust am Offensivspiel, doch die zahlreichen hohen Flanken fanden selten Abnehmer. Teilweise sah es so aus, als hätte die Mannschaft vergessen, dass Strafraumstürmer Klose nach dem WM-Titel seinen Rücktritt erklärt hatte. Dennoch, das Qualifikationsspiel in Nürnberg war ein Muster ohne Wert. Aufschlussreicher sollte die Testpartie im spanischen Vigo am Dienstag werden, trotz einiger fehlender Stammspieler auf beiden Seiten.

Löw installierte ein 5-4-1-System, um die erwartete Ballzirkulation der Gastgeber einzudämmen. Das verdichtete die Räume, einzig Götze hatte kaum Defensivaufgaben zu verrichten. Die Dreierkette aus Mustafi, Höwedes und Rüdiger wurde in der Rückwärtsbewegung von den Mittelfeldakteuren Durm und Rudy verstärkt, die bei Ballgewinn schnell nach vorn umschalteten. Dann gleich die deutsche Formation eher einem 3-4-1-2, in dem Müller bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung (für ihn kam Bellarabi) hinter Volland und Götze agierte. Allerdings kam es selten zu dieser festen Formation, da eine permanente Zirkulation gegen die ebenfalls bissig verteidigenden Gastgeber notwendig war. Spanien hatte mehr Ballbesitz und versuchte vermehrt, die rechte deutsche Abwehrseite zu attackieren, doch Rüdiger war mit Rudys Unterstützung eigentlich immer auf der Höhe des Geschehens. Der Stuttgarter fing viele Angriffe ab und leitete hin und wieder mit geschickten Zuspielen das schnelle Umschaltspiel ein.

Ein Fernschuss bringt die Entscheidung

Über die linke deutsche Seite ging jedoch weniger nach vorn, Durm hatte mit Platzverhältnissen und gegnerischen Attacken zu kämpfen und konnte den Ball auf verengtem Raum selten sauber in die Spitze bringen. Doch auch die anfangs noch flüssigen Kombinationen der Spanier blieben mehr und mehr im Rasen hängen, der durch den andauernden Regen aufgeweicht wurde. Allerdings war das nicht der einzige Grund, dass Spanien bis auf eine Schusschance von Pedro kaum Möglichkeiten hatte, denn schon Kroos und Kapitän Khedira verengten im zentralen Mittelfeld zumeist jene Räume, die ballsichere Spielgestalter wie Isco benötigen. Da der Ball auf dem nassen Grün immer schneller wurde, kamen die Deutschen in der Schlussphase der Begegnung auf die Idee, es mit Schüssen aus der zweiten Reihe zu probieren.

Initiator dieses Einfalls war Volland, der Spaniens kurz zuvor eingewechselten zweiten Torwart Casilla (für Iker Casillas gekommen) aus 25 Metern prüfte und damit dessen Unsicherheiten aufdeckte. Zum Ende der Partie hin ergaben sich für Deutschland mehr und mehr Räume, die Spanier schienen – trotz des Wechsels von fünf Feldspielern – unkonzentriert und müde. Allerdings ließ Löws Elf gefährliche Abschlüsse meist vermissen. Bis zur 89. Minute, als Kruse sich zunächst auf den linken Flügel abdrängen ließ, dann allerdings auf Kroos passen konnte und dieser Casilla aus 25 Metern zum 1:0 überwand.

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