Wechselspiele entscheiden gegen Frankreich

Bundestrainer Löw verändert die deutsche Elf auf drei Positionen ganz entscheidend für den Sieg gegen die Franzosen. Auch die erste Auswechslung des Spiels ist maßgebend. Zudem glänzt Torhüter neue mit tollen Reflexen.

Beide Mannschaften begegneten sich zunächst im 4-1-4-1, wobei sie je nach Variierung des Gegners in der Lage waren, die Systeme blitzschnell auf die jeweilige Änderung einzustellen. So agierte Frankreich nach Balleroberungen oft im 4-4-2, wobei sich meist Griezmann als zweite Spitze knapp hinter Benzema begab. In der zweiten Halbzeit und mit der Notwendigkeit, den Rückstand aufholen zu müssen, verließ Cabayé seine Sechser-Position, um das hoch aufrückende Mittelfeld zu unterstützen, was zu einer 4-0-5-1-Formation führte. Damit wollten die Franzosen lange Bälle aus der eigenen Abwehr in Richtung deutsches Abwehrzentrum schlagen und mit dem dichten Mittelfeld etwaige abprallende Bälle schnell wieder in ihre Reihen bekommen.

Das Pressing der Franzosen war indes auch nach Hummels‘ frühem 1:0 nicht konsequent genug, um das deutsche Aufbauspiel, das auch über Hummels lief, zu zerstören. Überhaupt war die Hereinnahme des Dortmunders wohl der entscheidende Schlüssel neben den weiteren Umstellungen (Lahm hinten rechts, Schweinsteiger und Khedira im Mittelfeld, wobei Schweinsteiger die Sechs spielte, sowie Klose für Götze im Sturmzentrum), neben seinem Tor spielte er viele intelligente Pässe in die Schnittstellen im Mittelfeld und klärte mehrere Male in höchster Not, was dennoch auf das Tor kam, war sichere Beute von Neuer. Nicht konsequent genug erschien jedoch der Spielaufbau über rechts. Im Rücken des sehr hoch anlaufenden Griezmann hatte sich Lahm des Öfteren nach vorn gepirscht und dabei jede Menge freien Raum vor sich. Doch Boateng, der als Sechser auf Lahms Seite spielte, passte meist zu zögerlich rechts hinaus, oder er versäumte es, Lahm in den Lauf zu spielen. So blieben die freien Räume zumeist ungenutzt.

Schürrle macht Frankreich Angst

Nach der frühen Führung (13. Minute) war schnell absehbar, dass Klose als Strafraumstürmer kaum in Frage kommen würde in diesem Viertelfinale. Stattdessen war es seine Aufgabe, die französischen Sechser durch gezieltes Anlaufen daran zu hindern, nach Belieben vertikale Pässe spielen zu können. Abgefangene Bälle im Mittelfeld fanden bei den Deutschen meist in Khedira oder Müller ihre letzte Station, die sich allerdings nicht gegen die französische Defensive durchsetzen konnten. Taktisch fragwürdig war indes Özils Einsatz links, der erstens zu zögerlich agierte und sich in der Vorwärtsbewegung zudem viel zu weit in Richtung linke Eckfahne abdrängen ließ. Im eins gegen eins konnte sich Özil praktisch nicht durchsetzen, er wurde in der 83. Minute durch Götze abgelöst.

Bereits eine Viertelstunde zuvor aber war Löw der entscheidende Wechsel geglückt, als er Schürrle für den ausgepumpten Klose brachte. Schürrle initiiere bald zwei gute Gelegenheiten, eine davon schloss er selbst beinahe mit dem 2:0 ab. Die Franzosen, die zuvor stark gedrängt hatten und Neuer zu Paraden zwangen, merkten nun, dass Schürrle gemeinsam mit Müller stets brandgefährlich waren im Umschaltspiel, neun Minuten vor dem Ende war es erneut Schürrle, der die Entscheidung auf dem Fuß hatte. Kurz vor dem Abpfiff musste dann noch einmal Neuer sein Können bei einem Benzema-Schuss aufbieten.

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