Zwei Halbzeiten, zwei Mannschaften

Wie schon beim glücklichen 2:1 im Auftaktspiel gegen Wolfsburg präsentiert sich der Deutsche Meister auf Schalke als Mannschaft mit zwei Gesichtern. Insbesondere die beiden Weltmeister Müller und Götze sind derzeit nicht in der Lage, ihrem Verein in der Bundesliga zu helfen.

Alle Augen richteten sich auf Neuzugang Xabi Alonso, der einen Tag nach seiner Präsentation in München auch gleich spielen durfte. Oder musste. Weil Schweinsteiger und Martinez verletzt sind und Kroos nach Madrid wechselte – also genau dorthin, woher Alonso nun gekommen war. Guardiola stellte das System um, statt einer Dreierkette in der Abwehr vertraute er auf ein 4-2-3-1 mit Lewandowski als einziger Spitze, die im Übrigen nach zehn hochüberlegenen Minuten nach einem Doppelpass mit Rode stach. Das frühe 0:1 war nur unzureichender Ausdruck der Münchner Überlegenheit, derer sich die ebenfalls im 4-2-3-1 agierenden Schalker zunächst überhaupt nicht erwehren konnten. Wobei von agieren keine Rede sein konnte, immer wieder setzten Alonso, Alaba und Rode die Gastgeber mit klugem Spiel unter Druck. Zur Pause hätten die Münchner deutlich höher führen müssen, wobei man auch dazusagen muss, dass es nicht alle paar Minuten zu hundertprozentigen Torchancen kam.

Während im offensiven Bereich Shaqiri und und Lewandowski für Tempo und Furore sorgten, wurde der anfangs agile Müller mit zunehmender Spieldauer immer blasser. Weltmeister-Torschütze Götze befindet sich derzeit ebenfalls nicht höchstem Niveau. Immer wieder wurde er von seinen Mitspielern gesucht, machte aber zu wenig aus den Räumen, die die Schalker ihm vor allem im ersten Durchgang gewährten. Der Pausenpfiff kam dann auch eher den Gastgebern entgegen, die in der ersten Hälfte keine taktischen Mittel fanden, um sich der Übermacht des FC Bayern zu erwehren.

Müller und Götze im Formtief

Trainer Keller musste seinen Spielern in der Pause gesagt haben, dass Fußball ein Kontaktsport ist – viel zu oft waren die Schalker in Halbzeit eins viel zu weit weg von ihren Spielern. Das ist genau das Spiel, das den Münchnern entgegenkommt. Mit dem Beginn der zweiten 45 Minuten agierten die Knappen auf einmal entschlossener, sie störten die Gäste schon in der Ballannahme. Zudem riskierten sie auch mal ein Foul. Ein zwar unedles, aber hilfreiches Mittel gegen eine dominante Mannschaft. Die kämpferische Einstellung sollte sich bezahlt machen, Bayern schien der Schneid abgekauft. Die Defensivspieler hielten zwar dagegen, aber tragende Säulen des offensiven Bayern-Spiels – wie etwa Müller und Götze – machen derzeit nicht jenen Unterschied aus, den sie noch in der vergangenen Saison ausgemacht hatten. Bernat, der nach knapp einer Stunde für Götze ins Spiel kam, machte es auch nicht besser als sein Vorgänger.

Doch spielen die Münchner immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt – das Spiel in Gelsenkirchen war geradezu exemplarisch für diese These. In der ersten Halbzeit spielten die Gäste in einer anderen Sphäre, aber auch nur, weil Schake das geschehen ließ. In der zweiten Halbzeit zeigten die Münchner ob der Gegenwehr ein völlig anderes Gesicht. Zwar rissen die Bayern das Spiel in den letzten zehn Minuten noch einmal an sich, doch letztlich war der Schalker Wille, den einen Punkt zu behalten, mächtiger.

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