Zweimal Südamerika gegen Europa

In einem schlechten zweiten Halbfinale hat Argentinien nach torlosen 120 Minuten beim Elfmeterschießen die stärkeren Nerven. Beide Teams trauen sich wenig bis gar nichts zu, was in ein fades Spiel mündete.

Im 3-4-1-2 entsandte van Gaal seine „Oranje“ aufs Feld, doch während des Spiels war diese Formation selten zu sehen. Ganz gleich, welches Team im Ballbesitz war, fast immer ließen sich die niederländischen Mittelfeldspieler links und rechts zurückfallen, Sneyder rutschte dann von der Zehn nach hinten, was zu einem nominellen 5-4-1 führte, da dann auch Robben aus dem Sturm ins Mittelfeld einrückte. Argentinien lief im 4-2-3-1 auf mit Higuain als Sturmspitze, allerdings hatte Superstar Messi wie immer alle Freiheiten. Das ging so weit, dass bei Ballbesitz der Holländer Higuain oft tiefer stand als Messi, Argentiniens Taktik war also eher auf schnelle Konter angelegt. Das spiegelte sich insofern wieder, als die Südamerikaner den Ball mehrheitlich Oranje überließen, die damit allerdings nichts anzufangen wussten.

Die Räume wurden auf beiden Seiten eng und kompakt zugestellt, der Ball blieb somit weit von beiden Strafräumen weg, was das Spiel von Beginn an zu einer zähen Angelegenheit machte. Erst ein Messi-Freistoß nach einer Viertelstunde wurde gefährlich, doch Hollands Keeper Cillessen hielt den scharf getretenen Ball fest. Mehr und mehr kippte das Spiel in Richtung Argentinien, van Gaals Truppe baute nun ihrerseits auf Konter. Doch schon die ersten Laufwege in der eigenen Hälfte waren falsch, manchmal auch zu kompliziert; zudem verschleppte der ballführende Spieler meist das Tempo, indem er nicht rechtzeitig abspielte. Vor der Halbzeitpause wurde die Partie dann etwas ruppiger, beruhigte sich aber wieder.

Die Mannschaften schienen ein Elfmeterschießen verabredet zu haben

Die zweite Halbzeit lief nahezu ohne Höhepunkte ab, eine Viertelstunde vor dem Ende war im Prinzip klar, dass es zum Elfmeterschießen kommen würde – die Teams schienen sich da völlig einig. Kurz vor dem Abpfiff tauchte mit einem Mal Robben frei vor dem Tor auf, Mascherano allerdings klärte zur Ecke. Auch die Verlängerung war fast ausschließlich von der Taktik geprägt, die Verhinderung eines Gegentors war offensichtlich die ultima ratio. Zwar hatten die Niederländer nun wieder mehr Ballbesitz, im Spiel nach vorn fehlte jedoch jegliche Kreativität. Einzig Robben setzte hier und da Akzente, war aber meist allein auf weiter Flur. Sneyder fiel fast nur durch Spielverschleppung und Fehlpässe auf.

Und Messi? Tat in der Verlängerung kaum etwas dafür, dass Argentinien sich mal entlasten konnte. Wenige Minuten vor Ablauf der 120 Minuten allerdings kam mit einem Mal Palacio völlig frei vor Cillessen zum Kopfball, doch diese Möglichkeit endete mit einem ganz kläglichen Versuch, passend zum Spiel, das antiquiert wirkte, defensiv um jeden Preis. Warum van Gaal seiner eigentlich schnellen und technisch begabten Mannschaft ein so straffes taktisches Korsett verliehen hat, wird nur er wissen, Oranje wirkte wie gelähmt. Immerhin die Defensivarbeit stimmte, vor allem gegen Messi, doch unter dem Strich war das zu wenig. Im Elfmeterschießen lagen die Nerven der Niederländer schließlich blank, die Angst war förmlich zu spüren. So heißt es am Wochenende nun zweimal Südamerika gegen Europa – Brasilien erwartet Holland und Argentinien Deutschland, das nach jenem zweiten Halbfinale als Titelfavorit gilt.

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