Zweite Bundesliga, die Aufsteiger: Darmstadt 98

21 Jahre nach dem Abschied aus der zweiten Liga feierten die „Lilien“ im Mai ein furioses Comeback. Die Relegation gegen Bielefeld schien nach dem 1:3 schon verpasst. Das Rückspiel aber gewannen leidenschaftliche Darmstädter auswärts 4:2 und sicherten so den Aufstieg.

Ob die Mannschaft von Dirk Schuster in der zweiten Liga so weitermacht? Personell ist die Lage momentan wenig erbaulich, fallen Gorka, Ivana und Sailer doch womöglich bis zum Saisonbeginn am ersten Augustwochenende aus – letztes Jahr drei Säulen des Aufstiegs. Die bisherigen Neuzugänge sind fast allesamt defensiver Natur, im Sturm soll es wie im Vorjahr Stroh-Engel richten, der 2013 aus Wiesbaden nach Darmstadt gekommen war. 27 Tore erzielte er für die Lilien, ein neuer Drittligarekord, und sorgte so maßgeblich dafür, dass Darmstadt am Saisonende sage und schreibe 16 Punkte vor dem Viertplatzierten landen konnte.

Mit nur 29 Gegentoren in 38 Spielen stellte Darmstadt nach Meister Heidenheim (25) die zweitbeste Abwehr der dritten Liga. Die 58 eigenen Treffer bedeuteten die drittbeste Offensive. Damit wird klar, wo bei den Südhessen der Schuh drückt, sollte Stroh-Engel zwischendurch für längere Zeit ausfallen. Für die Mannschaft dürfte es schwierig werden, ihn zu kompensieren. Ob der von Köln ausgeliehene Stürmer Exslager da weiterhilft, bleibt abzuwarten. Zwar stehen bei ihm 13 Zweitligaeinsätze in der letzten Saison zu Buche, getroffen hat er jedoch nicht. Immerhin erzielte er in fünf Spielen sechs Treffer für die zweite Mannschaft des FC in der Regionalliga. Dritter Angreifer ist Sailer, wie Stroh-Engel seit 2013 im Club. In 17 Drittligaeinsätzen vergangene Saison erzielte er jedoch nur ein Tor.

Die defensive Ordnung muss stimmen

Trainer Schuster setzt auf eine gute Balance zwischen Abwehr, Mittelfeld und Angriff, weswegen er nun noch „im Offensivbereich nachlegen“ will, wie er gegenüber der FAZ sagte. Dabei achten die Darmstädter unter anderem auch auf Erstligaprofis, die bei ihren Vereinen keine Chance mehr bekommen und einen Wechsel in die zweite Bundesliga nicht kategorisch ausschließen. Namhaftester Neuzugang ist Torhüter Wetklo, jahrelanger Stammtorhüter bei Bundesligist Mainz 05. Eventuell noch folgende Neuverpflichtungen sollten, so Schuster zur FAZ, schon „nachgewiesen haben, dass sie Minimum zweite Liga spielen können“. Spielerisch will Schuster der Linie treu bleiben, die das Team in der dritten Liga so stark gemacht hat (21 Siege, neun Remis, acht Niederlagen). Diese Linie besteht zuvorderst darin, dass die Abwehr solide steht. Die defensive Stabilität ist für Schuster „das A und O“, wobei aus dieser Grundhaltung heraus durchaus mutig nach vorn gespielt werden soll.

Neben der Mannschaft gibt es bei Darmstadt 98 derzeit noch eine weitere Baustelle – und das im Sinne des Wortes. Denn das Stadion am Böllenfalltor wird derzeit umgebaut, die Entscheidung der DFL, ob gespielt werden darf, ob die Lilien also die Auflagen erfüllen, steht derzeit noch aus. Im Verein sehen die Verantwortlichen die Chancen bei 50:50, sollte die DFL den Daumen senken, müssten die Lilien wohl an den Bornheimer Hang ausweichen, ins Heimstadion des Ligakonkurrenten FSV Frankfurt. Bis zum siebten Spieltag hätte Darmstadt Zeit, die DFL-Auflagen zu erfüllen. Denn dann käme es zuhause zum Duell mit dem FSV.

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