Spielidee hochschiebende Verteidiger! Taktikreport Deutschland vs Nordirland

Am 19.11.2019 gewann Deutschland in der EM-Qualifikation 6:1 gegen Nordirland. Die Tore, der Spielverlauf sind bekannt. Aber was steckt hinter diesem klaren Sieg: Welche Spielidee und taktischen Ausrichtungen zeichnen sich für den Erfolg verantwortlich? Unser Taktikexperten von urban-coaching.eu haben dieses Länderspiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft für Euch analysiert.

Grundordnung und Spielidee Deutschland

Deutschland beginnt das Spiel in einem 4-2-3-1 System, wobei sowohl J. Kimmich (6) als auch T. Kroos (8) oftmals als Ballverteiler agieren und das Spiel lenken. Die Spielidee besteht darin, die Nordirische Defensive über die hochschiebenden Außenverteidiger L. Klostermann (13) und J. Hector (3) immer wieder vor Probleme zu stellen.

In der Defensive versucht man den Gegner sofort unter Druck zu setzen, sodass S. Gnabry (20) meist einen kurzen Spielaufbau der Nordiren verhindert, indem er den Torhüter sofort unter Druck setzt. Der anschließende lange Ball konnte dann fast immer durch die Innenverteidiger J. Tah (5) und E. Can (23) im Zusammenspiel mit den absichernden 6ern gewonnen werden.

Die Nordiren starten in einem 4-1-4-1 System mit J. Magennis (21) als einzige zentrale Spitze. In der Offensive versuchen sie die deutsche Verteidigung situativ immer wieder früh unter Druck zu setzen, sodass sich das System Nordirlands zeitweise in ein 4-3-3 System umwandelt. Sowohl G. Saville (6) als auch C. Evans (13) agieren dabei als Außenstürmer.

Grundordnung Nordirland

In der Defensive lassen sich die Nordiren immer wieder sehr tief in die eigene Hälfte drücken und versuchen das Zentrum zu schließen. Dabei rücken die 8er um J. Thompson (15) und P. McNair (17) immer wieder aggressiv auf die deutschen 6er heraus. Wenn das Mittelfeld anschließend überspielt wurde, fanden sich die Nordirischen Spieler auch oftmals zu fünft oder zu sechst auf einer Linie vor dem eigenen Tor wieder.

Nordirland zu Beginn mit schnellen Balleroberungen

Die selbsternannte „Green and White Army“ startete sehr offensiv in das Spiel und setzte die deutsche Mannschaft schon früh in der eigenen Hälfte unter Druck. Dies führte immer wieder zu schnellen Balleroberungen durch das präsente Mittelfeld um Organisator S. Davies (8). Die Belohnung folgte zugleich indem M. Smith (3) mit einem wunderbaren Schuss aus der 2. Reihe bereits in der 7. min den Führungstreffer erzielen konnte.

In Folge dessen übernahm die deutsche Mannschaft immer mehr das Spielgeschehen, sodass Nordirland gezwungen war sich immer weiter in die eigene Hälfte zurückzuziehen. Ihr Spielsystem war von nun an darauf ausgelegt, aus einer kompakten Defensive immer wieder Nadelstiche zu setzen und ihren einzigen Stürmer J. Magennis (21) in Aktion zu bringen.

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Doch auch dieser hatte mit zunehmenden Spielverlauf Probleme die meist langen Bälle zu sichern. Wenn es ihm doch mal gelang, versuchten die Nordiren schnellstmöglich aus dem Mittelfeld für Unterstützung zu sorgen und die deutsche Defensive über viele Eingaben aus allen Positionen zu fordern. Doch auch hier stand die diese oft sehr sicher, sodass es zu keiner weiteren nennenswerten Torchance der Nordirischen Nationalmannschaft mehr kam.

Deutsche Spielidee mit Erfolg gekrönt

Nachdem sich die deutsche Auswahl in den ersten Minuten noch schwer tat, übernahmen sie mit zunehmender Spieldauer immer mehr die Kontrolle auf dem Spielfeld. Das von J. Löw installierte 4-2-3-1 System mit denen sehr offensiven Außenverteidigern um L. Klostermann (13) und J. Hector (3) erwies sich gegen die kompakte Defensive der Nordiren als genau das richtige Rezept.

Immer wieder brachten die diagonalen Verlagerungen von den passsicheren J. Kimmich (6) und vor allem T. Kroos (8) den gewünschten Platz auf den Außenpositionen. J. Brandt (10) und L. Goretzka (18) zogen dabei mit ihren vielen Laufwegen, sowohl in die Tiefe als auch hinter die Abwehr, oft die Defensive auseinander und versuchten Überzahl am Flügel herzustellen.

Anschließend folgte der Blick in die Mitte, wo die Stürmer um S. Gnabry (20) mustergültig bedient wurden. Mit diesem Muster erzielte die deutsche Nationalmannschaft fast identisch ihre ersten 3 Treffer der Partie und legte somit den Grundstein für ein erfolgreiches Spiel.

Ebenfalls war auffällig, das Deutschland nach Ballverlust sofort ins Gegenpressing überging. Daraus resultierte meist der lange Ball der Nordiren auf ihren einzigen Stürmer, welcher jedoch die gesamte Spielzeit über gut bewacht wurde. Zusammenfassend lässt sich ein verdienter Erfolg der deutschen Nationalmannschaft feststellen.

Es wird deutlich, wie einige Spieler immer wichtiger für das Team werden und sich dieser Rolle annehmen. T. Kroos beweist sich immer mehr als „Herzstück“ im Mittelfeld, als Denker und Lenker, was er mit seiner Passquote von über 90% wieder mal unter Beweis stellt.

Außerdem zeigt S. Gnabry immer mehr was in ihm steckt und welche Qualitäten er mitbringt. Dabei ist auffällig, dass er flexibel einsetzbar ist und sowohl auf der Außenbahn als auch im Sturmzentrum extrem torgefährlich sein kann. Man darf gespannt sein wie die letzten Testspiele verlaufen, bevor man als Gruppensieger in das große Abenteuer EM starten wird.

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