SpoWi-Ecke: Studie über Trainerentlassungen

26 Jahre beim gleichen Verein sind im Weltfußball mehr als nur eine Ära. Sir Alex Ferguson schaffte diese Meisterleistung bei Manchester United, bevor er selbst seinen Rückzug kundtat. Selbst Thomas Schaaf, der von 1999 bis zum 14. Mai 2013 beim SV Werder Bremen tätig war, wirkt im Vergleich wie ein Kurzarbeiter.

Guy Roux schaffte mit Unterbrechungen gar 44 Jahre (1961–2000 und 2001-2005) beim AJ Auxerre in Frankreich, bei dem er 2005 am Tag nach dem Pokalsieg seinen endgültigen Rücktritt bekannt gab. Die meisten Trainer hingegen können dieses Privileg nicht genießen und erhalten nach einigen Jahren oder gar Monaten die Entlassung.

Genau diesen Umstand und deren Auswirkungen untersucht Prof. Dr. Andreas Heuer von der Universität Münster neben vielen weiteren fußballspezifischen Faktoren in seiner beeindruckenden Abhandlung „Der perfekte Tipp“.

Der perfekte Tipp

Volker Finke hielt beim SC Freiburg 16 Jahre lang (1991-2007) das Zepter als Trainer in der Hand – ein Rekord für den deutschen Profifußball; und dass, obwohl Finke mit dem SC dreimal abgestiegen und dennoch im Amt geblieben ist. Das Gegenbeispiel in Deutschland stellt Reinhold Fanz beim Karlsruher SC dar. Fanz wurde vom KSC am 28. Dezember 2004 als Cheftrainer verpflichtet. Der Hauptsponsor gab jedoch bekannt, dass Fanz dafür nicht der richtige Mann wäre und drohte mit dem Rückzug als Sponsor. Daraufhin wurde der Trainer am 4. Januar 2005 wieder entlassen.

Der hauptsächlich als „Feuerwehrmann“ bekannt gewordene Jörg Berger wurde gar sechsmal vorzeitig aus einem Trainerkontrakt befördert

Häufigkeit der Trainerentlassungen

Heuer führt eine interessante Analyse an, die besagt, dass pro Saison etwa 14,5 Trainer aus dem Amt entlassen werden. Hierzu wird eine statistische Übersicht mit allen Entlassungen zwischen den Spielzeiten 1963/64 bis 2008/09 verwendet. Seit Beginn der Bundesliga 1963 ist diese enorme Anzahl an Jobwechseln fast unverändert, was bedeutet, dass ein Trainer bei Vertragsunterschrift davon ausgehen muss, dass er im Durchschnitt etwa 15 Monate Zeit bei seinem Verein verbringen kann.

Allerdings muss auch festgehalten werden, dass ein statistisch deutlich wahrnehmbarer Effekt der Verschiebung stattgefunden hat. Denn während die Anzahl der Trainerwechsel bei 14,5 relativ stabil blieb, so änderten sich doch die Zeitpunkte dieser Wechsel immer mehr. Bis 1988 wurden etwa 40% aller Wechsel zum Saisonende oder während der Sommerpause durchgeführt, während sich diese Zahl seitdem etwa halbiert hat. Das bedeutet, dass nur noch etwa 20% der Trainerwechsel nach der Saison durchgeführt werden und der absolute Großteil während der Spielzeit.

Insgesamt wurden in der betrachteten Zeitdauer bis 2009 insgesamt 361 Trainerentlassungen innerhalb der Saison vorgenommen, was jedes Jahr etwa acht Trainer ergibt, die von den 18 Bundesligavereinen „intrasaisonal“ von ihren Aufgaben entbunden werden.

Fazit:

Im Profifußball geht es um sehr viel. Nicht nur im Leistungssport, sondern auch im ambitionierteren Breitensport sind viele Trainer enormem Druck ausgesetzt und sitzen nach einigen schlechteren Ergebnissen auf zunehmend wackeligeren Stühlen.

Ein Trainerwechsel kann zweifellos positive Effekte hervorrufen, doch ob ein solcher „Kurzschluss“ während der Saison wirklich für geplantes Arbeiten steht, sollte doch zumindest angedacht werden. Die oftmalig „leichte“ Austauschbarkeit der Trainer und der Wille, bei Misserfolg noch irgendetwas zu versuchen, sprechen für ein solches Handeln.

Trainer im ambitionierteren Bereich müssen sich wohl damit abfinden, erhalten aber auf der anderen Seite auch eine entsprechende finanzielle Gegenleistung. Viele Jugend- und Freizeittrainer werden meist von diesem Druck verschont, bekommen aber außer dankenden Worten, strahlenden Gesichtern und Spaß an der Sache höchstens eine Aufwandsentschädigung.

Von Dominik Langenegger

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