Kann nur ein guter Spieler ein guter Trainer werden?

Im Fußball gibt es eine lange Tradition, dass Spieler nach ihrer Karriere Trainer werden. Das liegt nahe, denn viele fühlen sich dem Fußball verbunden und wollen ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben. Ein Paradebeispiel für diesen Weg ist Franz Beckenbauer, der als Spieler und Trainer die Weltmeisterschaft gewinnen konnte. Ein negatives Beispiel ist Lothar Matthäus, der als Spieler Weltklasse verkörperte, als Trainer aber keine großen Erfolge erzielen konnte.

Es gibt auch aktuell einige Trainer, die keine bemerkenswerte Spielerkarriere vorweisen können, aber trotzdem im Profigeschäft Erfolg haben. Christoph Daum ist als Spieler nur Amateur gewesen, konnte aber u.a. beim 1. FC Köln, dem VfB Stuttgart und bei Besiktas Istanbul große Erfolge feiern. Noch wesentlich erfolgreicher ist José Mourinho, der als Spieler nur in der zweiten portugiesischen Liga einige Partien bestreiten durfte. Als Trainer konnte er mit dem FC Porto und Inter Mailand die Champions League gewinnen.

Auch abseits des Profifußballs ist es üblich, dass ehemalige Spieler zu Trainern werden. Allerdings lässt sich beobachten, dass nur selten ein erheblicher Aufstieg in der Spielklasse möglich ist. Ein Zweitliga-Spieler kann zum Bundesligatrainer werden, aber dass ein ehemaliger Kreisliga-Spieler z.B. eine Regionalligamannschaft trainiert, kommt kaum vor.

Ein Grund dafür ist die Akzeptanz der Spieler. Vor allem einem unerfahrenen Trainer wird mehr Respekt entgegengebracht, wenn er ein guter Spieler war. Auf Dauer reicht das nicht aus, aber zu Beginn ist dies ein großer Vorteil. Wer als Spieler hingegen selbst deutlich schlechter war als die Spieler, die er trainieren soll, wird sich sehr schwertun.

Ein anderer Grund sind die Vereine, die bei der Trainerauswahl selten kreativ sind. Es wird auf bewährte Kräfte gesetzt. Ein ehemaliger Spieler bekommt viel eher die Chance auf einen guten Trainerposten als ein Trainer, der völlig unbekannt ist. Da gerade in den oberen Spielklassen nur wenige Trainerstellen vorhanden sind, ist es schwierig für einen Aufsteiger, Fuß zu fassen.

Es ist eine falsche Annahme, dass ein guter Spieler auch ein guter Trainer ist. Grundsätzlich handelt es sich um völlig verschiedene Aufgaben. In vielen anderen Sportarten ist es durchaus üblich, dass Trainer ohne Profi-Hintergrund erfolgreich sind. In der NBA, der wichtigsten Basketball-Liga der Welt, arbeiten z.B. viele Trainer, die nie selbst auf hohem Niveau Basketball gespielt haben.

Ein Grundfehler der Trainerausbildung des DFBs besteht darin, dass jeder mit der entsprechenden Lizenz (manchmal auch ohne) sofort in der Bundesliga Trainer werden kann. Besser wäre es, wenn jeder Trainer zunächst einige Jahre als Co-Trainer und Cheftrainer in unteren Spielklassen Erfahrungen sammeln müsste. Das würde die Qualität insgesamt anheben. Zudem hätten es dann auch Trainer ohne große Spielerkarriere leichter.

Wer Trainer werden möchte, ohne selbst ein guter Spieler zu sein (auf welchem Niveau auch immer), sollte sich nicht gleich entmutigen lassen. Mit einer guten Ausbildung und Beharrlichkeit ist es durchaus möglich, eine Chance zu bekommen. Ein prominentes Beispiel ist Robin Dutt, der Trainer des SC Freiburg. Als Spieler ist er nie über die Verbandsliga hinausgekommen. Heute ist er Bundesligatrainer und gilt als einer der modernsten Vertreter seiner Zunft.

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