12 Phrasen, auf die Fußball-Trainer besser verzichten!

Zugegeben, der Job als Fußballtrainer ist manchmal nicht leicht. Im Training wurde die Taktik für das kommende Spiel eingehend mit der Mannschaft besprochen. Die Trainingseinheiten wurden entsprechend angepasst, um das Team bis in das kleinste Detail auf den Gegner vorzubereiten – Im Spiel dagegen läuft es plötzlich in eine ganz andere Richtung, nämlich in die falsche. Großchancen werden geradezu fahrlässig vergeben, während die Abwehr plan- und ziellos versucht, die Niederlage durch irgendwelche Improvisationen zu verhindern. Wer den Fußball nicht nur in der Theorie lebt, bekommt bei diesen Vorstellungen definitiv einen erhöhten Puls. Es ist daher verständlich, wenn sich Trainer von der Seitenlinie lautstark in das Spielgeschehen einmischen wollen. Sie versuchen irgendwie Einfluss auf die Spieler zu nehmen, um ihnen das Besprochene noch einmal vor Augen zu führen, manchmal auch mit dem Phrasen-Vorschlaghammer. Die Situation ist manchmal zum Haare ausreißen.

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Aber…

Trotz der nachvollziehbaren Anspannung, den Emotionen sowie dem Bedürfnis, die Mannschaft wachrütteln zu wollen, gibt es einige Phrasen, auf die Trainer besser verzichten sollten. Vom Teamleiter wird verlangt, dass er eine Mannschaft nicht nur motivieren, sondern insbesondere auch in schwierigen Phasen leiten kann. Der Ton macht hier die Musik. Bevor die Mannschaft also in die Mangel genommen wird, sollten möglicherweise zunächst Entspannungsübungen in Erwägung gezogen werden. Jeder Trainer wünscht seinem Team ausschließlich das Beste. Ungünstig ist es allerdings, wenn diese Grundhaltung etwas unpräzise kommuniziert wird. Über die folgenden berühmten Phrasen sollten Verantwortliche daher besser zweimal nachdenken, um das Spiel nicht in falsche Bahnen zu dirigieren, oder im Anschluss daran zumindest fragwürdig zu bewerten.

12 Phrasen:

12 Phrasen – Phrase Nr.1: „Wir müssen höher stehen.“

Sicherlich muss jede Mannschaft, mit einer gewissen Ausnahme für den Tabellenführer, höher stehen, sei es auf das Ergebnis oder auf die Tabellensituation bezogen. Im Spiel hat die Floskel allerdings einen verunsichernden Charakter. Es handelt sich hierbei um eine sinnvolle taktische Anweisung, die ohne weitere Erklärung allerdings dazu führen könnte, dass nunmehr der eigene Torwart sein Glück vor dem gegnerischen Tor versuchen wird. Aus der Phrase geht nicht hervor, welche räumliche Grenze vom Trainer gemeint ist. Die Spieler werden unter Umständen nach vorne aufrücken, um sich ausschließlich auf den Angriff zu konzentrieren. Jeder Konter wird daraufhin zu einer wahren Geduldsprobe an der Seitenlinie. Ohne weitere Instruktionen sollte die Aussage idealerweise nicht getroffen werden. Sollte die Mannschaft aufgrund der Aussage allerdings beginnen, eine Pyramide wie im Turnunterricht zu bauen, hilft wahrscheinlich nur noch ein kühler Waschlappen für die eigenen Nerven.

12 Phrasen – Phrase Nr.2: „Wir müssen kompakt stehen.“

Wann genau steht eine Mannschaft eigentlich kompakt? Was im Profibereich allerdings eine oftmals zu hörende Aussage ist, kann auch in unteren Fußballklassen nicht schaden. Die Frage ist nur, was dem eigenen Team damit vermittelt werden soll. Kompakt zu stehen heißt umgangssprachlich nichts anderes, als Masse aufzubauen. Da die Spieler während eines Spiels kaum ihr Gewicht nach oben regulieren können, besteht die Gefahr, dass sie sich kurzerhand zusammenschließen. Sicherlich fördert die gemeinsame Überwachung eines Spielbereichs den Teamgeist. Positionieren sich allerdings zehn Feldspieler und unter Umständen noch ein Torwart an Ort und Stelle, werden dem Gegner praktisch Einladungen überreicht, um die dadurch frei werdenden Räume zu nutzen. Die Anweisung ist sicherlich nicht verkehrt, und erzielt bei eingespielten Mannschaften auch den gewünschten Effekt. Ohne inhaltliche Erläuterungen wird das Team sie allerdings nicht unbedingt umsetzen können. Es mangelt hierbei nicht am Willen und an den Fähigkeiten, sondern an einer orientierenden Leitlinie.

12 Phrasen – Phrase Nr.3: „Weitschüsse sind ein probates Mittel.“

Natürlich kann es nicht schaden, den gegnerischen Torwart mitunter durch einen Fernschuss zu überraschen. Im Idealfall landet der Ball auch in den Maschen des Tornetzes und lässt das eigene Team jubeln. Im ungünstigen Fall werden sich die Spieler allerdings fragen, was genau der Zweck der Weitschüsse sein soll. Wenn die Spieler anfangen, wahllos und aus jeder Position auf das gegnerische Tor zu schießen, wird die gegnerische Mannschaft diese Taktik nicht nur durchschauen, sondern zum eigenen Vorteil nutzen. Das einzige, was im schlimmsten Fall mit einem Fernschuss getroffen wird, ist der vorbeifliegende Vogel, der sich auf dem angrenzenden Baum die beste Sicht auf das Spielfeld verschaffen wollte. Fernschüsse sind daher ein ergänzendes Mittel, um insbesondere die Motivation der Spieler zu fördern. Falls es sich allerdings um die einzige Taktik handelt, gleicht das Spiel dem berühmten Schuss auf die Torwand.

12 Phrasen – Phrase Nr.4: „Druck hat man in jedem Spiel.“

Eine gewisse Anspannung sowie Respekt vor dem Gegner gehören zu jedem Spiel, selbst wenn es sich um ein vermeintlich schwächeres Team handelt. Gesunder Druck kann helfen, das Spiel konzentriert zu gestalten, solange er nicht in einer ungünstigen Region des menschlichen Körpers entsteht. Aus Druck können allerdings auch eine Form der Verunsicherung oder sogar Angst resultieren, wodurch die Spieler so irritiert sein werden, dass selbst der einfachste Ball nicht mehr gespielt werden kann. Jeder Misserfolg trägt auch nicht dazu bei, dass die Mannschaft ihr berechtigtes Selbstvertrauen zurückerlangt. Bei dem zu erwartenden Spielverlauf sollte sich der Trainer daher die Frage stellen, ob er nicht besser kurzzeitig auf das stille Örtchen übergehen möchte.
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12 Phrasen – Phrase Nr.5: „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.“

Selbstverständlich hat auch der Pokal seine eigenen Gesetze. Das haben im Übrigen das Familienrecht, das Erbrecht sowie das Steuerrecht auch. Im Gegensatz zu der Phrase sind die Rechtssätze allerdings derart umfangreich verfasst, dass sie inhaltlich zumindest wahrgenommen werden können. Ohnehin begründen rechtliche Normen stets Rechte und Pflichten, was bei einem Pokalspiel wohl kaum der Fall ist. Bei einer Niederlage kann die eigene Mannschaft keinen Schadensersatz wegen vertaner Lebenszeit verlangen. Die Floskel soll natürlich zeigen, dass im Pokal auch unterklassige Mannschaften eine reelle Chance haben, den Goliath zu bezwingen. Das hat allerdings weniger mit Gesetzen zu tun, sondern vielmehr mit der Motivation der Spieler, sich gegen einen hochangesehenen Gegner präsentieren zu dürfen.

12 Phrasen – Phrase Nr.6: „Die Null muss stehen.“

Die Frage, die sich bei dieser Aussage stellt ist, wer oder was die Null ist? Der Trainer möchte mit dieser Ansage zum Ausdruck bringen, dass die Abwehr- und Torwartleistung bei dem Spiel besonders gefragt ist. Alle Spieler sollen dafür arbeiten, möglichst kein Gegentor zu kassieren. Die Phrase klingt allerdings so, als wolle der Trainer einen Gegenspieler oder sogar den Schiedsrichter ausdrücklich verschonen. In diesem Fall wäre der Wortlaut allerdings höchstwahrscheinlich dazu geeignet, den Straftatbestand der Beleidigung zu erfüllen. Falls die eigenen Spieler den Zweikampf mit dem Gegenüber vollständig meiden, könnte die Ursache hiermit bereits gefunden sein. Ohnehin ist dem Team aber bewusst, dass ein Spiel ohne Gegentor immer eine ganz besondere Leistung ist. Zu verschenken gibt es auf dem Fußballplatz letztendlich nichts. Anders als bei Sportwetten sind Über- oder Unterwetten niemals eine sinnvolle Taktik für den eigenen Spielverlauf.

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12 Phrasen – Phrase Nr.7: „Es gibt keinen leichten Gegner.“

„Es gibt keinen leichten Gegner“, sprach der Trainer des Tabellenführers vor dem Spiel gegen den hoffnungslos abgeschlagenen Tabellenletzten. Die Tordifferenz macht deutlich, dass der Gegner bei jedem Spiel mindestens zehn Gegentore kassiert, während die eigene Mannschaft die Top 5 der Torschützenliste stellt. Sicherlich sollte jede Mannschaft mit dem notwendigen Respekt begegnet werden. Es gibt allerdings gegnerische Teams, die schlichtweg mit der Qualität nicht mithalten können. Überheblichkeit ist auch hier kein sinnvolles Rezept. Dennoch wäre alles andere als ein klarer Kontersieg eine riesige Überraschung. Mit dieser Aussage ist es allerdings schwierig, die Köpfe der eigenen Mannschaft zu motivieren. Denn in der Regel kennt sie das gegnerische Team nicht nur, sondern verfolgt auch seine Entwicklung. Es gibt leichte Gegner, die allerdings dennoch eine konzentrierte Partie abverlangen.

12 Phrasen – Phrase Nr.8: „Wir müssen um jeden Zentimeter kämpfen.“

Was möchte der Teamchef seinen Spielern damit vermitteln? Sollen sie etwa zum nächsten Spiel ein Lineal, Geodreieck sowie eine Parabel griffbereit haben, um auch wirklich jeden einzelnen Zentimeter des Spielfelds mit anschließender Kurvendiskussion zu würdigen? Möglicherweise sollen sie auch eine kleine Auswahl an verschiedenen Waffen bei sich führen, deren Einsatz allerdings wiederum rechtlich zu hinterfragen sein dürfte. Dem Trainer geht es natürlich darum, die Räume durch Taktik sowie Einsatz zu gewinnen. Dadurch erschließen sich Lücken, die im Idealfall zu einem Tor führen werden. Ob diese taktische Anweisung bei einer 8:0 Führung ebenfalls noch von elementarer Bedeutung ist, darf allerdings durchaus hinterfragt werden. In diesem Fall zeigt bereits der Spielverlauf, dass der Kampf bereits längst zugunsten der eigenen Mannschaft entschieden worden ist.

12 Phrasen – Phrase Nr.9: „Ihr müsst auf dem Platz unbedingt wach sein.“

Kann eine Mannschaft das Spiel nicht antreten, weil die Spieler zum Spieltermin nicht erschienen sind, wird das Spiel mit 3:0 für den Gegner gewertet, der sich über leicht verdiente drei Punkte freuen darf. Möglicherweise muss der Verein auch ein Ordnungsgeld zahlen. Die körperliche Anwesenheit reicht selbstverständlich aus. Ob Schlafwandeln eine Form der Arbeitsverweigerung darstellt, ist bislang nicht bekannt. Zum Glück werden die Partien aber auch nicht montags morgens um 4:00 Uhr in der Früh ausgetragen. Sonntags gegen 14:00 Uhr dürften sogar Studenten mittlerweile ihr kuscheliges Nest verlassen haben, um an dem Spiel aktiv teilzunehmen. Wach zu sein, ist keine grundlegende Taktik, sondern eine Voraussetzung für den Spielbetrieb. Und liegt dem ein oder anderen Spieler die vergangene Nacht noch in den Knochen und Augenlidern, kann möglicherweise eine vorgezogene Ice Bucket Challenge Abhilfe schaffen.

12 Phrasen – Phrase Nr.10: „Ich habe bei meiner Mannschaft gute Ansätze gesehen.“

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Und trotzdem ist die erste Halbzeit aus bislang unerklärlichen Gründen 0:6 für den Gegner ausgegangen. Spieler brauchen Motivation, um nach einem verpatzten Start zurück in das Spiel zu finden. Die guten Ansätze können bei einem deutlichen Rückstand allerdings nicht umfangreich ausgeprägt gewesen sein. Stattdessen läuft irgendwie alles gegen den zuvor gemeinsam besprochenen Spielplan. Die Aussage mag zwar im Kern mit der Wahrheit übereinstimmen. In manchen Situationen wirkt sie allerdings wie Häme in den Ohren der ohnehin schon gescholtenen Spieler. Es handelt sich daher meistens um eine Floskel, mit der bei vollkommener Unsicherheit die Redezeit irgendwie gefüllt werden soll. Es ist lediglich ein netter Versuch, die Köpfe der Mannschaft wieder zu erheben. Ganz nach dem Motto: „Kopf hoch, sonst fällt das Krönchen runter.“

12 Phrasen – Phrase Nr.11: „Aus der Mannschaft kann niemand hervorgehoben werden.“

Im Fokus steht nach jedem Spiel die gesamte Mannschaft. Jeder kämpft ausschließlich für das Team, jede noch so überragende Aktion war keine individuelle Einzelleistung, sondern ein irgendwie geartetes Konstrukt der Teamleistung. Und natürlich ist auch der vierfache Torschütze, der ohnehin schon in den letzten Wochen mehrere Hattricks zum Besten gegeben hat, auch nur ein Teil der Mannschaft. Ohne seine Tore hätten zwar die letzten fünf Spiele nicht gewonnen werden können. Im Vordergrund steht aber das Team. Möglicherweise vergessen Trainer bei dieser Aussage, dass eine Einzelwürdigung keineswegs für andere Spieler abschreckend ist. Vielmehr kann sie eine zusätzliche Motivation auslösen, den Mitspieler in gewisser Art und Weise wie ein Idol wahrzunehmen. Und jeder Spieler braucht hin und wieder die persönliche Anerkennung seines Trainers. Daran ändert auch der Gehaltsscheck zum Monatsanfang nichts. Übernimmt ein Ausnahmespieler eine überragende Rolle innerhalb des Mannschaftsgefüges, darf er auch ausdrücklich für seinen Einsatz gelobt werden. Es muss sich niemand entschuldigen, wenn er Anerkennung mit der Öffentlichkeit teilen möchte.

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12 Phrasen – Phrase Nr.12: „Nächste Woche schlagen wir eindrucksvoll zurück!“

Wer war gleich noch mal der Gegner am kommenden Wochenende? Als Tabellenletzter sollte die Mannschaft nach einer solchen Phrase möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass am nächsten Spieltag ein Auswärtsspiel beim Tabellenführer ansteht, der gerade den Zweitplatzierten in zweistelliger Höhe in seine Einzelteile zerlegt hat. Auch nach einer Niederlage ist es nicht sinnvoll, den Kopf in den Sand zu stecken. Der Fußball lebt auch zu einem großen Teil von seinem Optimismus. In manchen Situationen kann eine Kampfansage allerdings etwas beängstigend wirken, um das Wort realitätsfremd zu vermeiden. Im Zweifel ist die Aussage zumindest aber hoffentlich nicht wortwörtlich zu verstehen. Das wiederum würde dem Grundsatz des FairPlay widersprechen. Es sei denn, die Mannschaft möchte umschulen, auf Kampfsport.

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