Das Arbeitsfeld eines Trainers: Wichtig ist nicht nur auf dem Platz

Wer als Trainer einer Jugend- oder Amateurmannschaft fungiert, der wird bald feststellen, dass die Arbeit allein mit der Vorbereitung auf Trainingseinheiten oder Spieltage noch lang nicht getan ist. Das sollten sich vor allem Neueinsteiger zu Herzen nehmen. Fußball trainieren zu lassen, das ist das eine. Doch in einem kleinen Verein warten auf einen Übungsleiter neben der sportlichen Betreuung der Mannschaft bis zu zwölf (!) Arbeitsfelder, um die er sich kümmern muss.

Das beginnt, erstens, mit der Verständigung mit dem Platzwart. Mit ihm muss der Trainer geplante Termine abklären und die Platzbelegung klären – das erfordert einen ständigen Kontakt, da ja auch andere Mannschaften eines Vereins oft zur gleichen Zeit trainieren. Vorausgesetzt, es gibt keinen Zeugwart, muss ein Trainer zweitens dafür sorgen, dass der Trikotsatz zu jedem Spiel verfügbar ist, und zwar ein frisch gewaschener Satz. Das bedeutet, dass der Trainer das Waschen selbst übernimmt oder jeder Spieler reihum einmal dran ist mit dem Waschen der Trikots, die er zum nächsten Spieltag wieder mitbringen muss. Drittens sollte der Trainer einen guten Draht zu anderen Vereinen in der Region haben. Das erleichtert die Kommunikation, wenn ein Spieler zwischen den Clubs wechseln möchte; gleichzeitig fördert ein gutes Verhältnis mit den Nachbarvereinen die Tatsache, dass die eigene Mannschaft angefragt wird, bei Turnieren oder Testspielen mitzumachen.

Ebenfalls wichtig ist, viertens, dass der Kontakt zu den anderen Mannschaften der gleichen Altersklasse im Verein gehalten wird. Ist das Verhältnis entsprechend gut, gibt es keine Probleme, wenn man selbst Spieler einer anderen Mannschaft anfordern muss oder die eigenen Spieler von der anderen Mannschaft angefordert werden. Dazu kommt, dass es nicht schadet, sich mit den Trainern dieser Mannschaften bzw. generell mit allen Trainern im Verein über Trainingsmethoden etc. auszutauschen – entsprechend ist „Networking“ mit diesen Trainern absolut erforderlich. Fünftes sollte ein Trainer ein Mindestmaß an Ahnung haben, was die medizinische Betreuung der Spieler betrifft. Zwar muss er einen Masseur oder einen Physiotherapeuten nicht ersetzen können, doch sollte der Trainer in der Lage sein, die typischen Symptome typischer Verletzungen der Spieler richtig zu deuten, um schlimmere Blessuren zu vermeiden. Auch sollte, Aufgabe Nummer sechs, ein gesundes Verhältnis zum Abteilungsleiter Fußball und zum Vorstand des Verein herrschen. Spätestens, wenn diese Personen Berichte von einem Trainer einfordern oder wenn es um den Vertrag geht, erweist sich ein gutes Verhältnis als nützlich. Auch in punkto Zielgespräche bzw. Entwürfe von Konzepten gilt das.

Siebtens: Ein Trainer sollte es tunlichst vermeiden, sich mit den eigenen Zuschauern anzulegen (etwa bei dauerhaft schlechten Leistungen der Mannschaft). Denn es kann andernfalls mehr kaputtgehen, als man zunächst einmal annimmt. Wenn sich die Stimmung des Publikums dauerhaft gegen Mannschaft und Trainer richtet, zieht das meist sportlich nicht spurlos am Team vorüber. Wenn die Abneigung zu groß wird, bleiben die Zuschauer aus, wie es oft bei Vereinen in den höchsten Spielklassen zu beobachten ist. Dabei sind hier wie dort die Verein finanziell oft abhängig von den Eintrittsgeldern, die die Zuschauer bezahlen. Aufgabe Nummer acht ist ein halbwegs gutes Verhältnis zur lokalen Presse, um potenzielle Unruhe gar nicht erst entstehen zu lassen (das Gegenteil nämlich tritt ein, wenn Zeitungen den Trainer „wegschreiben“ o.Ä.). Apropos Presse: zur Vor- und Nachbereitung eines Spiels zählt die Vorschau in der Lokalzeitung ebenso dazu wie die Lektüre der Spielberichte hinterher. Neuntens ist die Kontaktpflege zu Sponsoren in kleinen Vereinen auch eine Traineraufgabe. So können finanzielle Zuschüsse gesichert werden, etwa durch Werbeeinnahme auf den Trikots.

Zum zehnten ist ein guter Draht zum Sportlerheim nicht unwichtig, so banal es erst einmal klingt. Wer sich mit dem Wirt versteht, kann bei diesem leichter bestimmte Räume und Zeiten reservieren, um Mannschaftssitzungen mit gemeinsamem Essen durchzuführen. Das stärkt den Mannschaftsgeist. Nummer elf: Wer das Glück hat, einen Sportartikelhersteller in der Region zu haben, kann sich bei diesem direkt um die Bereitstellung von Spielkleidung bemühen; auch größere Firmen unterstützen kleine Lokalvereine dabei gern. Und zwölftens und letztens sollte sich ein Trainer nie darum drücken, sich den Eltern (bei Jugendlichen) oder den Partnerinnen bzw. Ehefrauen der eigenen Spieler vorzustellen, wenn diese nach einem Spiel noch mit im Vereinsheim sitzen. So kann der Trainer charmant die familiäre Unterstützung seiner Spieler in Bezug auf seinen Sport einfordern oder dafür werben, dass die Spieler öfter gemeinsam etwas unternehmen. Das ist gerade bei Jugendlichen sinnvoll.

Sicher gibt es theoretisch noch jede Menge Aufgaben, denen sich ein Trainer im Umfeld eines Vereins widmen könnte. Doch wie überall gilt auch hier: Maß halten. Die wichtigste Aufgabe ist für den Trainer immer noch, die Mannschaft so zu trainieren, dass sie im Wettkampf am Wochenende das Spiel gewinnen kann oder zumindest alles tut, um ein positives Ergebnis zu erzielen.

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