Die Abseitsfalle als taktisches Mittel

Warum Abseitsfalle: Die Abseitsregel gehört zu einer der anspruchsvollsten Regeln im Fußball. Im Laufe der Jahre wurde sie von der FIFA in ihrer Auslegung immer wieder überarbeitet. Grundsätzlich greift die Regel, wenn die angreifende Mannschaft mit dem Ball in der Hälfte des Gegners ist und der Ball nach vorne in Richtung Tor gespielt wird. Bei einem Pass müssen mindestens zwei Spieler der verteidigenden Mannschaft der Torlinie näher sein als angreifende Spieler, die den Pass verarbeiten können. Ist bei einem Pass nur ein Spieler des Gegners – inklusive Torwart – seinem eigenen Tor näher als ein angreifender Spieler, befindet sich der aktive Angreifer im Abseits. Es gibt dann einen Freistoß für das Team, das verteidigt hat.

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Die sogenannte Abseitsfalle ist ein taktisches Mittel mit dessen Hilfe die verteidigende Mannschaft den Gegner ins Abseits lockt. Indem die Verteidiger bei einem Pass des angreifenden Teams im richtigen Augenblick nach vorne rücken, lassen sie die potenziellen Passempfänger des Gegners ins Abseits laufen. Somit nehmen sie dem angreifenden Team die Chance ein Tor zu erzielen und kommen selbst in Ballbesitz. Entsprechende Trainingseinheiten schulen die Abwehrspieler die Abseitsfalle zu beherrschen und dabei das Timing zu perfektionieren.

Ist das Spielen auf Abseits noch zeitgemäß?

In den letzten Jahrzehnten hat sich der professionelle Fußball stark verändert. Einerseits sind die Spieler heute oftmals technisch und taktisch besser ausgebildet. Das geht auf die verbesserte Trainerausbildung zurück, die sich stetig weiterentwickelt. Andererseits ist das Spiel mit den Jahren schneller geworden. Nicht zuletzt sieht man das an einer zunehmenden Bedeutung des Umschaltspiels. Trotz aller Veränderungen ist das Spielen auf Abseits nach wie vor von Bedeutung. Auch wenn die Abseitsregel, insbesondere durch das sogenannte „passive Abseits“, viel komplizierter wurde, kann man mit einer gut funktionierenden Abseitsfalle nach wie vor einen großen Vorteil erzielen. Die Verteidiger müssen sich aber den Veränderungen anpassen, um dieses taktische Mittel richtig zu nutzen. Da das Spiel allgemein schneller wurde, müssen Verteidiger ebenfalls schneller agieren und ihre zeitliche Abstimmung und Reaktionsfähigkeit perfektionieren.

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Es gibt Stürmertypen, die sich immer am Rande des Abseits bewegen, um eine gute Möglichkeit zu bekommen. Nach einem guten Pass in die Spitze wollen sie möglichst alleine auf den Torwart zulaufen. Selbst wenn sie dann mehrmals ins Abseits laufen, bleiben sie ihrer Linie treu und lauern weiter auf ihre Chance. Der Italiener Filippo Inzaghi war einer dieser Stürmertypen. Die Abwehrspieler müssen dementsprechend dauerhaft konzentriert bleiben. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Schiedsrichterassistenten, deren Aufgabe es ist das Abseits zu erkennen und anzuzeigen.

Da es sich oftmals um sehr enge Entscheidungen handelt, sind sie sehr stark gefordert. Manche Entscheidungen sind ohne technische Hilfe schwer zu fällen. Deshalb kann es vorkommen, dass die Falle der Verteidigung zuschnappt, das Abseits vom Schiedsrichterteam aber nicht erkannt wird. Somit ist das ganze Thema „auf Abseits spielen“ sehr komplex und ein zweischneidiges Schwert. Deshalb wägen die Teams auch ab, ob und wie oft sie die Abseitsfalle stellen. Das Zurückgreifen auf dieses taktische Werkzeug erlebt somit derzeit sicher nicht seine Hochphase.

Wann greift man auf die Abseitsfalle zurück?

Durch die Neuerung des passiven Abseits ist es deutlich schwieriger geworden das „Spielen auf Abseits“ effektiv zu gestalten. Da eine Abseitsposition nur noch geahndet werden soll, wenn der jeweilige Spieler auch tatsächlich an den Ball kommen kann, muss die Abwehr das beim Stellen der Abseitsfalle berücksichtigen. Somit muss klar sein, dass die Abseitsfalle nur gestellt wird, wenn die Abwehrreihe aufeinander abgestimmt ist. Dies muss trainiert werden. Es muss auch jedem Spieler klar sein, wann die Abseitsregel überhaupt greift. Immer wieder sieht man einzelne Spieler, die nicht wissen, dass beim Einwurf kein Abseits gegeben wird.

Im Gegensatz dazu kann man bei Freistößen auf Abseits spielen. Das sollte man aber nicht bei direkten Freistößen aus gefährlicher Position machen, bei denen meistens ohnehin einige Spieler in der Mauer stehen. Bei Freistößen, die allgemein nur als Flanke in den Strafraum gedacht sind, bietet sich die Abseitsfalle an. Das Timing der Spieler muss passen und es muss jedem Spieler klar sein, wann man sich nach vorne bewegt. Wenn 1-2 Spieler in der Mauer stehen, müssen die gegnerischen Angreifer deutlich hinter ihnen stehen – sonst greift die Abseitsfalle natürlich nicht. Die anderen verteidigenden Spieler sollten vor Ausführung des Freistoßes auch „einladend“ nach hinten in Richtung des eigenen Tors gehen, um die Offensivspieler in die Falle zu locken. Wenn der Schütze anläuft, laufen die verteidigenden Spieler zum richtigen Zeitpunkt – je nach Länge des Anlaufs – geschlossen nach vorne und an den Angreifern vorbei: Die Abseitsfalle schnappt zu.

Aus dem laufenden Spiel heraus die Abseitsfalle zu stellen ist, mit dem Hinweis auf das passive Abseits, schwierig. Jeder Schritt muss sitzen. Und die Abseitsfalle muss derart zuschnappen, dass die Abseitsposition der angreifenden Spieler auch deutlich genug für den Schiedsrichterassistenten sichtbar wird. Auf Abseits zu spielen bietet sich immer an, wenn ein Stürmer sehr nah an der Grenze zum Abseits steht. Die Verständigung unter den Abwehrspielern muss dann funktionieren, wenn der Pass in die Spitze kommt. Wenn der Gegner eine offensive Spielweise hat und viele Steilpässe in die Spitze versucht, bietet sich das Spielen auf Abseits an. Wenn ein Team das Konterspiel perfektioniert oder eher zurückgezogen spielt und tiefe Pässe für einen an der Mittellinie lauernden Stürmer spielt, dann ist die Abseitsfalle sehr risikobehaftet. Auf Abseits zu spielen lohnt sich in jedem Fall nur dann, wenn die Abwehrreihe dieses taktische Mittel nahezu perfekt beherrscht.

Vorteile der Abseitsfalle

Der grundlegende Vorteil ist klar: man raubt der angreifenden Mannschaft die Chance auf einen Torerfolg. Noch dazu stoppt man deren Angriff und entreißt ihr den Ballbesitz. Man kommt selber in Ballbesitz, wenn der Gegner erfolgreich ins Abseits gelockt wurde. Anschließend kann man das eigene Angriffsspiel von hinten heraus aufbauen. Je besser die Abseitsfalle funktioniert und je häufiger sie in einem Spiel erfolgreich angewandt wird, desto mehr raubt man dem Gegner die Motivation und den Glauben an die eigene Stärke für dieses Spiel. Man kann seinen Gegner also demoralisieren, wenn man ihn andauernd ins Abseits laufen lässt.

Nachteile der Abseitsfalle

Ein entscheidender Faktor ist der Schiedsrichterassistent, der das Abseits erkennen muss. Selbst wenn die eigene Abwehrreihe die Abseitsfalle perfekt beherrscht und effektiv einsetzt, so ist man immer von der perfekten Wahrnehmung des Schiedsrichterteams abhängig. Jeder Mensch macht Fehler. Selbst die besten Schiedsrichter und ihre Assistenten machen Fehler oder haben mal einen schlechten Tag. Oftmals handelt es sich beim Abseits um knappe Entscheidungen, die nur durch die Betrachtung von Fernsehbildern zu 100% richtig getroffen werden können. Solange es keinen Videobeweis gibt, können selbst kleine Fehler des Schiedsrichterteams ein Gegentor zur Folge haben, weil sie eine Abseitsposition des anderen Teams nicht erkannt haben.

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Auch die eigenen Spieler werden mal einen Fehler beim Spiel mit der Abseitsfalle machen. Und selbst kleine Fehler können verheerende Folgen haben: Stürmer des gegnerischen Teams können alleine auf den Torhüter zulaufen, wodurch sich ihnen eine sehr große Chance auf einen Torerfolg bietet.

Ein weiter Aspekt wurde bereits erwähnt: das passive Abseits. Wenn ein Spieler im Abseits steht, aber nicht an den Ball geht, steht er im „passiven Abseits“, das nicht geahndet wird. Dennoch kann er dazu beitragen, dass die Abwehrspieler irritiert sind. Und es ist auch nicht immer klar, wie der Schiedsrichter und sein Team das passive Abseits auslegen und ob sie in ihrer Auslegung immer richtig liegen.

Welche Teams sollten mit Abseitsfalle spielen?

Auf Grund der Komplexität der heutigen Abseitsregelung (Stichwort: „passives Abseits“) sollten nur Teams auf Abseits spielen, die dies hinreichend trainiert haben und das Spielen auf Abseits perfekt beherrschen. Grundsätzlich kommt es auch darauf an mit welcher Taktik und Spielweise der Gegner spielt, ob sich das Spielen auf Abseits auszahlt. Es liegt letztlich auch im Ermessen des Trainers, ob und wie oft er sein Team auf Abseits spielen lassen will. Er kann sicher sein Team dafür trainieren, dass bei bestimmten Freistoßsituationen die Abseitsfalle gestellt wird. Ebenso sind bestimmte Spielsituationen geeignet auf Abseits zu spielen – wenn die Position der eigenen Abwehrreihe das zulässt. Eine Mannschaft, die über Verteidiger verfügt, die enorm zweikampfstark sind, sollte tendenziell eher auf die Abseitsfalle verzichten und den Ballbesitz über die Zweikämpfe erobern.

Das Training der Abseitsfalle

Es ist gut möglich das Spielen auf Abseits zu trainieren. Am wichtigsten ist es, dass die Verteidiger geschlossen nach vorne laufen und sich perfekt abstimmen, wann sie das machen. Man kann sich entweder auf Signale durch Zurufe oder per Handbewegung einigen oder es wird vereinbart in welchen Spielsituationen immer auf Abseits gespielt wird. Das lässt sich durch taktische Anweisungen des Trainers gut vermitteln. Es müssen aber auch entsprechende Spielsituationen im Training simuliert werden, um zu verinnerlichen, was der Trainer fordert.

Diese Spielsituationen müssen wiederholt trainiert werden. Dasselbe gilt für die Freistoßsituationen, bei denen auf Abseits gespielt werden soll. Im Training werden Freistöße aus verschiedenen Positionen geübt und das Trainerteam weist die Spieler an, welche Situation jeweils geeignet ist, um auf Abseits zu spielen. Auch Teams, die eher auf die Abseitsfalle verzichten, sollten das Spielen auf Abseits zumindest trainieren. Es gibt immer wieder ungeplante Spielsituationen in denen es sich auszahlt spontan auf Abseits zu spielen.

Wie hebelt man die Abseitsfalle am besten aus?

Wenn bekannt ist, dass das gegnerische Team gerne auf Abseits spielt, ist es empfehlenswert sich darüber Gedanken zu machen, wie man dies umgehen beziehungsweise sogar ausnutzen kann. Es gibt, wie bereits erwähnt, gewisse Stürmertypen, die sich grundsätzlich am Rande zum Abseits bewegen und teilweise nahezu das ganze Spiel über auf eine einzige riesige Torchance lauern. Ihnen ist es dann sogar egal, wie oft sie vorher ins Abseits laufen. Sie versuchen es wieder und wieder bis sich eine Chance bietet, die dann zum Torerfolg führen kann. Dabei wird die Abseitsfalle des Gegners nur ausgehebelt, wenn dieser einen Fehler macht.

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Ein effektiveres Mittel, um die Abseitsfalle des Gegners auszuhebeln, sind dribbelstarke Flügelspieler. Durch ihre Technik, Ballbeherrschung und Stärke im Dribbling stoßen sie auf den Flügeln bis zur Grundlinie durch und flanken effizient in die Mitte. Sie sind dabei nicht von Pässen in die Tiefe abhängig. Durch ihre Spielstärke können sie sicherlich mehrere Gegner auf sich ziehen. Somit funktioniert das Spielen auf Abseits nicht, weil die Gegenspieler das sehr häufig automatisch aufheben. Mit einem Doppelpass sind die Flügelspieler schnell an mehreren Gegenspielern vorbei. Das Paradebeispiel für derartige Flügelspieler ist die Flügelzange des FC Bayern München, bestehend aus den Spielern Robben und Ribéry. Wer über Spieler dieses Formats verfügt, kann jede Abwehrreihe ins Schwitzen bringen und auch die Abseitsfalle gekonnt aushebeln.

Auch das Kreuzen der Laufwege ist ein effektives, taktisches Mittel. Wenn Offensivspieler rochieren und ihre Laufwege gegenseitig kreuzen, werden die auf Abseits spielenden Abwehrspieler verwirrt. Die Verteidiger verlieren durch die entstandenen Irritationen den Überblick. Das ist der optimale Augenblick für einen Pass hinter die Abwehr, den die Angreifer verwerten und im besten Fall für einen Torerfolg sorgen können.

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Wichtige Faktoren für die Abseitsfalle

Wenn eine Mannschaft auf Abseits spielen will, benötigt sie dafür die richtigen Spieler. Reaktionsschnelligkeit, Antizipationsfähigkeit, Stellungsspiel und Antrittsschnelligkeit beim Rauslaufen sind die wichtigsten Eigenschaften, die die Verteidiger benötigen. Darüber hinaus muss die Kommunikation innerhalb der Abwehrreihe funktionieren, indem sie vorher eingeübt wird. Auch die eigene Taktik und Spielweise als auch die des Gegners müssen geeignet sein, um auf Abseits zu spielen.

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Bildquelle:Kostas Koutsaftikis / Shutterstock.com
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