Die Notwendigkeit, schnell umzuschalten

Mit dem Tabellenzweiten Bayer Leverkusen und dem Vierten Eintracht Frankfurt trafen zu Beginn der Rückrunde zwei Topteams aufeinander. Weniger gut: Die Frankfurter Fans konnten das Zündeln mal wieder nicht lassen. Schon eher konnte dafür das Spiel als solches halten, was es im Vorfeld versprochen hatte. Dabei hatten die Gäste phasenweise mehr vom Spiel, kamen allerdings selten zum Abschluss. Ein Manko, das sich in der Spitzenbegegnung des 18. Spieltags rächen sollte.

Die Gastgeber setzten in taktischer Hinsicht dabei meist auf das gemeinhin auch gern als „Tannenbaum“ bezeichneten 4-3-2-1, wobei die offensiveren Kießling, Castro und Schürrle nur sporadisch den Spielaufbau der Frankfurter angriffen. Die wiederum begannen im üblichen 4-2-3-1, mit Alex Meier hinter der einzigen Spitze Matmour, der mehr oder weniger allein war beim aussichtslosen Unterfangen, das Leverkusener Aufbauspiel zu stören. Zwar störte auch Meier hin und wieder vorn und machte das System dann zum lupenreinen 4-4-2, doch auf diese Kleinigkeit kam es unterm Strich nicht an. Im Gegenzug versuchten die Gäste von Beginn an, sich im Mittelfeld kompakt zu zeigen, indem die beiden Sechser – Schwegler und Rode – nicht zu tief standen und so die Räume zwischen den drei offensiver ausgerichteten Mittelfeldspielern (neben Meier noch Inui und Aigner) zusätzlich verdichteten. Allerdings konnten weder Rode noch Schwegler allzu viel für den Spielaufbau tun, da ihnen ihre Bayer-Pendants Rolfes und Bender immer ziemlich schnell auf den Socken standen.

Das führte zunehmend dazu, dass die Eintracht es über die Außen versuchte. Dabei spielen bei Frankfurt, wie stets in dieser Saison, die Außenverteidiger wichtige Rollen, da diese – am Samstag waren es Oczipka und Jung – viel nach vorne tun müssen. Normalerweise ziehen die Außenstürmer mit, um Anspielmöglichkeiten zu schaffen, doch in Leverkusen wurden sowohl Aigner als auch Inui von der Viererkette der Leverkusener förmlich aufgesaugt und fanden zunächst kaum statt. Zum einen verschob die Bayer-Abwehrkette immer recht gut, und wenn doch einmal Platz gewesen wäre für einen Flügelangriff der Eintracht, stellten die Leverkusener Außenverteidiger Boenisch und Carvajal schnell auf eine Art Manndeckung um.

Frankfurt: gefällig, aber nicht gefährlich

So hatten die Frankfurter zwar häufig den Ball auf den Flügeln, doch es wurde nie etwas daraus. Auch, als Matmour versuchte, den Außen zu helfen, indem er ihnen entgegen kam, wollte die entscheidende Kombination nicht gelingen, es blieb bei den – immerhin ansehnlichen – Versuchen der Elf von Armin Veh. Dessen Spieler hielten in der ersten Hälfte so auch zu etwa 57 Prozent das Spielgerät in ihren Reihen, doch stand es zur Pause eben auch schon 2:0 für die Hausherren, die nach einem Eckball durch einen Abstauber von Boenisch in Führung gingen (31. Minute) und nur zwei Minuten darauf nachlegen konnten, als ein Schürrle-Pass in die Nahtstelle der Abwehr Castro in Szene setzte, der den mitgelaufenen Kießling nur bedienen musste. Kießling brauchte den Ball dann nur noch ins leere Tor zu schieben.

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Zur zweiten Hälfte stellte Veh, der an etwas Zählbares zu glauben schien, um, und sandte ein interessantes 2-3-2-3 auf den Platz mit Zambrano und Russ hinten, davor Jung, Schwegler und Oczipka, vor denen Aigner, Rode und Inui agierten, die Meier (nun als Stürmer) und den zweiten, für Matmour eingewechselten Angreifer Occean in Szene setzen sollten. Leverkusen hielt mit einem 2-5-2-1 dagegen, wobei die offensiven Mittelfeldspieler Schürrle und Castro alle Freiheiten nach vorn hatten – zu kompakt stand das verdichtete Mittelfeld der Hausherren, die Frankfurter wurden zwar noch mutiger, doch kamen sie im Prinzip nicht mehr zu Torchancen.

Bayers individuelle Klasse entscheidet

Nach dem 3:0 durch Schürrle nach etwa einer Stunde war die Partie dann sowieso gelaufen. Einer der zahlreichen Konter gegen die zwar immer noch gefällig, aber bis auf einen Kopfball von Occean eben nicht gefährlich agierenden Gäste brachte diesen Treffer. Zwar steckte die Elf von Armin Veh nie auf und versuchte, auch nach dem 0:3 noch einmal nach vorn zu spielen, doch mehr als das 1:3 durch Alex Meier sollte nicht dabei herauskommen. Was nicht zuletzt daran lag, dass Bayer 04 auf jede taktische Veränderung der Eintracht auch die passende Antwort finden konnte. Dennoch hätten die Gäste nicht verlieren müssen, im Prinzip standen sie auch defensiv nicht schlecht, ließen jedoch bei allen Treffern individuelle Fehler zu, die die Bayer-Elf dann konsequent ausnutzen konnte.

Leverkusen sah – im direkten Vergleich – in spielerischer Hinsicht zwar ab und an unterlegen aus, doch weiß man bei Bayer wohl, dass die Klasse der einzelnen Spieler manchmal eben ausreicht (oder ausreichen muss), um auch die engeren Spiele für sich zu entscheiden. Vor diesem Hintergrund sollten auch die Frankfurter diese Niederlage sehen, zwar traf die Elf als Vierter der Tabelle, aber eben immer noch als Aufsteiger auf eine mit Nationalspielern gespickte Mannschaft, deren Spieler zudem schon einige Erfahrung in der Champions League sammeln konnten. Auch (und so fielen ja auch zwei der drei Tore für Bayer 04) die Notwendigkeit des schnellen Umschaltens haben die Leverkusener erkannt und gut umgesetzt; mithin schien das einer der Schlüssel zum Erfolg gewesen zu sein. Leverkusen bleibt als Zweiter neun Punkte hinter den Bayern und drei vor Verfolger Borussia Dortmund; die Frankfurter stehen weiterhin auf Platz vier, an den nun der FC Schalke 04 wieder näher herangerückt ist.

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