Die SpoWi-Ecke: Gleichgewichtsregulation jugendlicher Fußballer

Verletzungen bei Fußballern

Verletzungen spielen im Fußball eine große Rolle. Nach Junge und Dvorak erleidet durchschnittlich jeder Fußballspieler einmal pro Jahr eine Verletzung, die seine Leistungsfähigkeit dementsprechend mindert. Neben den Oberschenkeln (insbesondere Zerrungen) sind laut Turbanski, Haad und Schmidtbleichner vor allem Knie- und Sprunggelenke gefährdet, insgesamt treten laut Emery 78,2 Prozent der Fußballverletzungen an den unteren Extremitäten auf.

Da ein Großteil der Verletzungen ohne Gegnereinwirkung geschieht, durch schnelle Richtungswechsel, Sprünge, Sprints etc., soll der präventiven Training mehr Aufmerksamkeit eingeräumt werden. Sensomotorisches Training beispielsweise kann für die Senkung des Verletzungsrisikos enorme Vorteile mit sich bringen.

Eine Feldstudie im Rahmen des Projektes „Fußball interdisziplinär – Zur Optimierung der Prävention, Rehabilitation und Wiederverletzungsprophylaxe von Verletzungen im Fußball“ vom Bundesinstitut für Sportwissenschaften lieferte hierfür Erkenntnisse über die Wirksamkeit der Integration eines solchen Trainings.

Sensomotorisches Training, Gleichgewichtstraining

131 B-Junioren von Bayer Leverkusen, HSV, FC Köln, Bayern München und Borussia Mönchengladbach nahmen an der Untersuchung teil, bei der die Jugendlichen einbeinig auf einer freihängenden und federgelagerten Plattform (Coordex) über 32 Sekunden so ruhig wie möglich stehen bleiben sollten. Die Regulierung des dynamischen Gleichgewichts wurde hierbei über Beschleunigungssensoren gemessen.

Über längere Zeitdauer wurden schließlich betont sensomotorische Inhalte in den Trainingseinheiten eingebracht, beispielsweise Gleichgewichtsübungen zur Verbesserung der funktionalen Gelenkstabilität – auch mit Hilfsmitteln wie Balance-Pads, Therapiekreisel usw.

Bei den Spielern wurden anschließend deutlich verbesserte Gleichgewichtsfähigkeiten eruiert, insbesondere kurz nach Aufnahme des Trainings, was für eine schnelle und leichtfallende Umsetzung spricht. Mit zunehmendem Saisonverlauf (die Messungen begannen im August und endeten im Juni) konnte jedoch keine weitere Steigerung, sondern sogar ein leichter Rückgang festgestellt werden.

Eventuell ist dies aufgrund des Saisonverlaufs auf externe Faktoren wie Ermüdung zurück zu führen, oder die Spieler haben ein gewisses Optimum bereits erreicht. Da in der Feldstudie keine Kontrollgruppe eingesetzt wurde, kann eine detaillierte Analyse kaum stattfinden.

Eine deutliche Steigerung der Gleichgewichtsfähigkeit und darauf abgeleitete erhöhte Stabilität in den beteiligten Gelenken soll laut den Autoren für eine Reduktion von Verletzungen ohne gegnerisches Einwirken sprechen. Die Optimierung neuromuskulärer Aktivierungen, eine vergrößerte Reflexaktivität und Gewöhnungseffekte scheinen sich auf die aufgezeigten Verbesserungen positiv auszuwirken. In diversen Studien wurde auch bereits belegt, dass eine erhöhte sensomotorische Gleichgewichtsfähigkeit das Verletzungsrisiko senken kann.

Gleichgewichtstraining Fazit:

Ein Gleichgewichtstraining bei den Jugendspielern der teilnehmenden Bundesligavereine zeigte deutlich positive Auswirkungen. Ob dies lediglich auf Lerneffekte zurückzuführen ist, oder ob hierdurch wirklich die Gefahr einer Verletzung der unteren Extremitäten ohne Gegnereinwirkung verringert wird, kann leider aufgrund des Studiendesign nicht endgültig geklärt werden.

Auf jeden Fall zeigte sich eine deutliche und schnelle Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit, welche nicht nur zur Prophylaxe, sondern auch für diverse technische Elemente sehr positive Auswirkungen nach sich ziehen kann.

Von Dominik Langenegger

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