Der letzte Biss fehlt

Union Berlin empfing im Spitzenspiel der 2. Liga den Bundesligaabsteiger aus Fürth. In einer rasanten Partie nimmt der Underdog nach einer Führung die Franken wohl nicht mehr ernst genug – und bekommt auf der Stelle die Quittung dafür. Die SpVgg Greuther Fürth nutzt ihre Möglichkeiten dagegen eiskalt.

Die Bilanz der letzten Direktvergleiche der Hauptstädter gegen die „Kleeblätter“ las sich schon vor dem Spiel am Freitagabend in der Alten Försterei wie der blanke Horror. Auswärts waren die Berliner den Fürthern zuletzt 0:1 und 0:5 unterlegen gewesen (Januar und Dezember 2011), zuhause mit 1:2 und 0:4 (2010, 2011). In den acht Partien zuvor brachten es die Köpenicker 2003 genau auf einen Sieg – verloren aber auch nur einmal, 2009 war das. Die restlichen Partien endeten Remis.

Union-Coach Neuhaus konterte die 4-4-2-Taktik seines Kontrahenten Kramer mit einem 4-2-3-1, die Berliner kamen am Anfang über Ballbesitz ins Spiel. Minutenlang zirkulierte der Ball durch die Viererkette, die Spieler versuchten, die taktischen Schwachstellen der Fürther zu entdecken. Und die offenbarten die Gäste, indem sie sich nach einer Viertelstunde höher stellten, also weiter weg vom eigenen Tor das Mittelfeldpressing suchten – Union stieß in die entstehenden Freiräume und erzielte nach 17 Minuten so das 1:0. Fürth konterte zwar mit einem Lattentreffer, die größeren Möglichkeiten boten sich aber den Gastgebern. Doch so gut die Konteransätze waren, konsequent zu Ende gebracht wurden sie nicht. Auch, weil die Berliner nicht ausreichend mitliefen im Umschaltspiel.

Keine großen Unterschiede

Sören Brandy, der Neuzugang aus Duisburg und in der ersten Halbzeit immerhin fast immer anspielbar und mit guten Ideen, der auch hinten viel aushalf, musste zur Pause in der Kabine bleiben – ein Umstand, der sich auf das Spiel der Köpenicker direkt negativ auswirkte. Auch, wenn Kapitän Torsten Mattuschka die Vorentscheidung auf dem Fuß hatte (52.), aber am Fürther Torwart Hesl scheiterte. Im Gegenzug fiel nach einem Konter erst das 1:1, acht Minuten später das 1:2 und nach nur weiteren sechs Zeigerumdrehungen das 1:3. Fürth zeigte den Hausherren, was Umschaltspiel bedeutet. Und dass technische Kleinigkeiten wie ein sauberes Passspiel sowie taktische Feinheiten wie Laufwege im Ballbesitz in der Spitze der 2. Bundesliga den Unterschied ausmachen können.

Dass Union in der 87. Minuten noch einmal herankam und sich dann erneut zum 2:4 auskontern ließ, sind nur Randnoten in der Geschichte dieses intensiven Spiels. Wollen die Berliner sich dort oben etablieren, wartet auf Uwe Neuhaus noch viel taktische Arbeit. Von der Spielanlage und den Möglichkeiten her ist es jedoch nicht unrealistisch, dass der 1. FC Union in der Lage sein könnte, sich dauerhaft im Kreis der Aufstiegsfavoriten zu etablieren. Allerdings schien in vielen Situationen in der Rückwärtsbewegung der letzte Biss zu fehlen, den Gegner aufhalten zu wollen. Uwe Neuhaus wird auch dieses Manko bemerkt haben.

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