Nachwuchsleistungszentren und Talentförderung beim DFB (Teil 1)

Die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft in den 80er- und frühen 90er-Jahren haben dazu geführt, dass manch Funktionär oder sportlich Verantwortlicher beim DFB den Blick für die Realität verloren hat. Während Frankreich zu jener Zeit bereits die Rolle des Vorreiters in der Nachwuchsförderung übernommen hatte und mit einer goldenen Generation um Zinedine Zidane belohnt wurde, verließ man sich in Deutschland auf die Wiedervereinigung und nahm den sportlichen Erfolg im Fußball als gottgegebenes Naturgesetz war.
Die Aussage von Franz Beckenbauer nach dem Titelgewinn bei der WM 1990 in Italien steht beispielhaft für dieses Denken. „Durch das Potenzial der Wiedervereinigung wird der deutsche Fußball auf lange Jahre hinaus unschlagbar sein“, so die Worte des Kaisers. Doch Beckenbauer sollte sich ausnahmsweise irren, auch wenn die DFB-Elf bei der EM 1996 in England nochmal den Titel holte. Danach sollte es aber umso steiler bergab gehen bis bei der EM 2000 ein Tiefpunkt erreicht wurde. Radikale Reformen rund um die Nationalmannschaft konnten beim DFB nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden.

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Die Initialzündung für die Reform der Talentförderung beim DFB

Im Jahr 1997 bewarb sich der DFB für die Ausrichtung der WM 2006, welche am 6. Juli 2000 nach Deutschland vergeben wurde. Während dieser Zeit lag der deutsche Fußball am Boden, so dass diese Phase als Initialzündung für die Idee und vor allem Umsetzung eines neuen Nachwuchskonzepts gesehen werden kann. Dieser Prozess wurde noch unter Egidius Braun als DFB-Präsident angestoßen und in wesentlichen Teilen während der Amtszeit von Gerhard Mayer-Vorfelder umgesetzt.

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Als Fundament der Talentförderung sollten einerseits dezentrale Stützpunkte unter Leitung des DFB sowie andererseits der Aufbau von Nachwuchsleistungszentren bei den Profivereinen der 1. und 2. Bundesliga dienen. Die Arbeit an den DFB-Stützpunkten wurde mit Beginn der Saison 2002/03 aufgenommen, die Nachwuchsleistungszentren waren ab der Saison 2001/02 Bestandteil der Lizenzauflagen für die 18 Vereine der 1. Bundesliga. Für die Vereine der 2. Bundesliga galten ab der Saison 2002/03 ähnliche Regelungen.

Die Talentsichtung an den DFB-Stützpunkten
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Bundesweit gibt es inzwischen 366 DFB-Stützpunkte, welche gewährleisten sollen, dass talentierte Nachwuchsspieler möglichst früh entdeckt und entsprechend gefördert werden können. Die Vereine sollen ihre vielversprechendsten Talente zum nächsten Stützpunkt in ihrem Einzugsgebiet schicken, wo ein- bis zweimal pro Woche ein zusätzliches Training unter Leitung von lizenzierten DFB-Trainern stattfindet.
An den dezentralen Stützpunkten arbeiten bundesweit etwa 1.300 Trainer. Die nächste Stufe der Hierarchie wird von 29 Stützpunkt-Koordinatoren übernommen, welche sowohl den Stützpunkt-Trainern als auch den Landesverbänden oder dem DFB als direkter Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Auf diese Weise werden z.B. die Kader für die Auswahlmannschaften der Landesverbände zusammengestellt, über welche schließlich eine Berufung in die Junioren-Nationalmannschaft der einzelnen Jahrgänge erfolgen kann.

Teil 2 findet Ihr hier
Teil 3 findet Ihr hier

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