Absturz im Eisfach

So hatten sie sich den Rückrundenauftakt in Hamburg nicht vorgestellt. Der HSV verliert gegen Schalke früh im Spiel zwei Leistungsträger und anschließend sang- und klanglos mit 0:3. Der Preis des Misserfolgs ist der Absturz auf den Relegationsplatz.

24 Minuten sind in der ersten Halbzeit gespielt, als sich in Hamburg zum ersten Mal zeigt, dass der Fußballgott an diesem Tag nicht auf Seiten des HSV sein würde. Pierre-Michel Lasogga muss verletzt den Platz verlassen, nur acht Minuten später folgt ihm Abwehrspieler Lam Zhi-Gin. Da hatten die Gäste aus Gelsenkirchen bereits zwei Torchancen gehabt, beide durch Boateng – und nur zwei Minuten, nachdem Lam ersetzt werden musste, hatte der HSV dann den nächsten Nackenschlag hinzunehmen, als Schalkes Huntelaar eine Flanke von Farfan nur noch einzunicken brauchte. Damit sorgte der Niederländer für den Ausbau einer geradezu unglaublichen Statistik: seine letzten sechs Ligatore erzielte er allesamt gegen Hamburg.

Doch was war taktisch überhaupt geboten in Hamburg? Beide Teams agierten im 4-2-3-1, keine großen Überraschungen also, und bis zum 0:1 taten sich die Mannschaften bereits mit den einfachsten Dingen schwer. Es war deutlich zu erkennen, dass die Abstimmung noch fehlte. Das war gerade für den HSV seltsam, immerhin hatte der Trainer Bert van Marwijk vor der Partie nicht oft genug betonen können, dass die komplette Vorbereitung in der Winterpause auf das Spiel gegen Schalke abzielen würde. Van Marwijks Plan: Würde es gegen die Gelsenkirchener klappen, so würde sich der Rest automatisch ergeben. Doch stattdessen muss sich der Trainer nun fragen lassen, wie der Notfallplan aussieht – besonders, wenn der HSV auch kommende Woche in Hoffenheim verlieren sollte.

Langeweile pur nach dem 0:3

In der zweiten Halbzeit bauten die Hamburger kurzzeitig Druck auf, doch nachhaltig war das alles nicht. Schalke hatte wenig Mühe, die Führung zu verwalten – beziehungsweise auszubauen. Zwei individuelle Fehler der Hamburger nutzten die Gäste eiskalt aus: erst traf Farfan nach gemeinsamem Patzer von Jansen und Torwart Drobny ins leere Tor, beim 0:3 unterlief abermals Jansen ein katastrophaler Fehler, der zum Erfolg des Schalkers Meyer führte. Jansen schien noch nicht komplett von einem grippalen Infekt genesen; warum er dennoch spielte? Auch das wird sich van Marwijk fragen lassen müssen.

Das Spiel war entschieden und fortan nur noch langweilig – keine taktischen Finessen, keine Strafraumszenen (einmal traf Badelj mit einem Fernschuss noch den Pfosten des Schalker Gehäuses), kein Aufbäumen, es war auf Deutsch gesagt die pure Langeweile, die fortan herrschte. Dass beim Schlusspfiff schon mehr als die Hälfte der vormals 50.000 Zuschauer gegangen war, lag aber auch am mehr als fiesen Wetter, das Stadion gleich einem Eisfach. Durch die Niederlage stürzten die Hamburger auf Platz 16 ab, und van Marwijk muss einen Plan präsentieren, mit dem der „Bundesliga-Dino“ auch in der 52. Saison erstklassig spielt.

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