Befreiungsschlag für Hannover

Es hätte die große Stunde des HSV werden können. Doch die Mannschaft von Mirko Slomka spielt in Hannover wie ein Absteiger und verliert verdient mit 1:2. Die Aussichten für den HSV trüben sich ein.

Ein Spieltag mit einigen Überraschungen. Eine davon war sicher das 3:0 des BVB in München, keine Frage. Eine andere Überraschung, genauer gesagt eher zwei oder drei, spielte sich in Hannover ab. Überraschung Nummer eins: Hannover, nach den letzten Spielen schon als Absteiger gehandelt, lebt. Nummer zwei: der HSV ist tatsächlich so schlecht, wie es der Tabellenplatz aussagt. Nummer drei: die Hamburger scheinen nicht verstanden zu haben, was aus dem Spiel steht, wenn der Trainer nach dem Spiel sagt: „Das konnte ich mir echt nicht vorstellen, dass wir so auftreten.“ Eine seltsam blutleere Vorstellung, vor allem im Hinblick auf das schwere Restprogramm des Clubs (Wolfsburg und München zuhause, Augsburg und Mainz auswärts).

Im 4-4-2 mit van der Vaart als zweiter Spitze ließ Slomka sein Team agieren, Hannover begann im üblichen 4-2-3-1, der HSV war sofort unter Druck. Leichtfertige Ballverluste, zu große Abstände zu den Gegenspielern, unerklärliche Langsamkeit im Kopf und damit natürlich auch in den Beinen. Von van der Vaart, vor Wochen noch als Hoffnungsträger im Abstiegskampf gehandelt, kam nichts, seine wertvollste Aktion war ein Kopfball – auf der eigenen Torlinie in höchster Bedrängnis. Zur Pause blieb der Niederländer mit einer Verletzung in der Kabine. Auch der zweite Hoffnungsträger der Hamburger, Calhanoglu, war blass, Hannover nahm ihn komplett aus dem Spiel. Dass es Calhanoglu war, der seinem Team dem Ausgleich per Freistoß bescherte, war mehr einem Zufall geschuldet als echter Torgefahr.

Eine Fehlpassquote von 41 Prozent

Wie Abstiegskampf taktisch geht, führte Hannover vor. Viel Laufbereitschaft, taktische Klugheit, Gedankenschnelligkeit, Hamburg war viel deutlicher unterlegen, als es das Ergebnis aussagt, das erst ein paar Minuten vor dem Ende zustande kam, als sich die Gäste von Hannover düpieren ließen. Die Hausherren agierten wesentlich variabler, waren deutlich torgefährlicher – unter dem Strich stand am Samstag eine Torschussbilanz von 31:5 für die 96er. Noch deutlicher wird die Unterlegenheit dem HSV anhand einer anderen Statistik. Dem Hamburger Spiel lag eine Fehlpassquote von sage und schreibe 41 Prozent zugrunde. Wenn man solche Zahlen liest, erübrigt sich die Frage danach, ob die taktische Ausrichtung richtig war. Den Hamburgern scheint es an der Qualität zu fehlen.

Vielleicht waren die Siege gegen Dortmund und Leverkusen jene Augenwischerei, die dem HSV den Blick auf die Realitäten verstellt hat. Dortmund hatte damals einen miserablen Tag erwischt, und Leverkusen war im Rückblick sehr, sehr nah dran, etwas Zählbares zu holen. Die Angst in Hamburg vor einem Abstieg ist seit Samstag wieder deutlich größer, und wenn der HSV so weiterspielt, wird er nicht mehr viele Punkte holen in der Bundesliga.

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