Das etwas bessere Team ist Weltmeister

Das Endspiel der Weltmeisterschaft war eins der intensivsten seiner Art – aller Zeiten. Und das vielleicht beste Spiel bei dieser WM in Brasilien. 120 Minuten lang ringen zwei unterschiedliche Taktiksysteme um den Sieg, mit dem besseren Ende für die Deutschen.

Löw entsandte sein Team im gewohnten 4-2-3-1 auf den Platz, das ab und an fast zu einem 4-3-3 mutierte. Kramer ersetzte den kurzfristig verletzten Khedira und machte das exzellent, bis er nach einem Bodycheck der Argentinier nach 30 Minuten vom Feld musste. Sabella ließ seine Mannschaft im 4-4-2 agieren, Messi und Higuain mussten so gut wie keine Aufgaben in der Defensive übernehmen. Doch war auffällig, dass selbst Higuain im Spiel ohne Ball oft noch tiefer stand als Messi. Allerdings nur, wenn die Deutschen die Mittellinie bereits überschritten hatten. Ansonsten jagte Higuain zwischen den deutschen Verteidigern hin und her und störte den Spielaufbau, auch mit Messis Mithilfe. So kamen die Deutschen zu Beginn kaum zu Aktionen, was sich im Lauf des Spiels allerdings änderte.

Argentinien schaltete schnell um, ein Kontertor von Higuain wurde wegen Abseits richtigerweise nicht gegeben. Kurz zuvor war es ein haarsträubender Fehler des nicht immer sicheren Kroos, der Higuain den Ball regelrecht servierte. Der Argentinier verzog allerdings allein vor dem Tor. Doch die Südamerikaner fühlten sich zunehmend sicherer, weil die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen stimmten. Erst, als Schürrle für Kramer kam, Kroos neben Schweinsteiger auf die Sechs, Özil in die Mitte rückte und Schürrle im linken Mittelfeld auftauchte, wurden die Angriffsaktionen etwas klarer. Was nicht am Fehlen von Kramer lag, der hatte bis dahin eine gute Partie absolviert.

Deutschland wollte den Sieg mehr

Direkt nach Wiederanpfiff drängte Argentinien auf die Entscheidung, Messi lief von halblinks auf Neuer zu, setzte den Ball jedoch neben das Tor. Dann jedoch übernahm die deutsche Elf das Kommando, die Ballbesitzquote erhöhte sich wieder, allerdings standen die beiden Viererketten der Argentinier so dicht gestaffelt, dass Deutschland selten bis in den Sechzehner kam. Allerdings spielten beide Teams technisch, taktisch und physisch fast immer auf höchstem Niveau. Argentinien setzte offensiv immer Messi in Szene, der meist selbst den Abschluss suchte; die Deutschen hingegen machten in den letzten zehn Minuten Druck und suchten die Entscheidung. Doch die Verlängerung deutete sich da bereits an.

Es war eine Nervenschlacht, auch körperlich waren die Akteure jetzt angeschlagen. So verschätzte sich Hummels bei einer Flanke, Palacio konnte das Geschenk jedoch nicht nutzen. Unter dem Strich taten die Deutschen jetzt aber wesentlich mehr für das Spiel, Argentinien spielte zunehmend härter und hatte Glück, dass der nicht immer sichere Schiedsrichter Rizzoli zweimal beide Augen zudrückte, als Gelb-Rot angebracht gewesen wäre. Fast alle Fouls waren gegen Schweinsteiger gerichtet, der nun unverkennbar der Anführer im deutschen Spiel war. Die Entscheidung fiel allerdings über die linke Außenbahn, als Schürrle zwei, drei Argentinier auf sich zog und den freien Götze in der Mitte sah, der technisch fein vollendete. Die Südamerikaner versuchten es von da an mit langen Bällen, die die deutsche Abwehr jedoch abfangen konnte. In der Nachspielzeit der Verlängerung hatte Messi aus etwa 27 Metern noch die Möglichkeit, per Freistoß das 1:1 zu erzielen, setzte den Ball jedoch deutlich über das Tor. So konnte die deutsche Mannschaft einen letztlich verdienten, wenn auch nicht immer ungefährdeten Sieg im Endspiel von Rio de Janeiro feiern. Das etwas bessere Team wurde somit Weltmeister.

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