Selbstreflexion im Fußball

Um bei dem, was man tut, erfolgreich zu sein, ist es nicht nur wichtig, sein Handwerk zu beherrschen. Ein Fußballer kann eine noch so gute Technik haben und noch so schnell sein, er wird dennoch nicht erfolgreich Fußball spielen, wenn er nicht auch in der Lage ist, sein eigenes Tun kritisch zu bewerten und zu analysieren. Dies nennt man Selbstreflexion und gerade im Sport kommt es darauf an, diese Kunst zu beherrschen.

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Was bedeutet Selbstreflexion?

Der Begriff Selbstreflexion beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, über sich selbst und das eigene Handeln, Denken und Sprechen nachzudenken und die jeweils gerade vorhandene Situation auf dieser Basis zu analysieren. Eine konsequente Selbstreflexion innerer und äußerer Ereignisse ermöglichen dem Menschen das Erkennen von Problemfeldern und bieten ihm Ansatzpunkte, um positive Veränderungen herbeizuführen. Für eine gelingende Selbstreflexion ist ein gewisser Abstand zu sich selbst sowie die Fähigkeit notwendig, sich selbst kritisch zu beobachten.

Notwendigkeit, sein tägliches Tun in verschiedenen Bereichen hinterfragen

Das Leben hält so viele verschiedene Situationen für den Menschen bereit. Er wird jeden Tag mit unzähligen Ereignissen und Menschen konfrontiert, auf die es im Idealfall adäquat zu reagieren gilt. Die Fähigkeit, sich selbst und alles, was einem begegnet, zu reflektieren, sollte deshalb in allen Bereichen des Lebens und des Sports praktiziert werden.

    • Training

Ein Fußballer muss in der Lage sein, sich zu fragen, welche Motivation ihn zum täglichen Training treibt, ob ihm das, was er tut, tatsächlich Freude bereitet und ob er bereit ist, seine gesamte Energie in das sicher anstrengende Training zu investieren. Solche und ähnliche Fragen können einen Menschen durchaus an seine mentalen Grenzen führen, verlangen aber nach einer ehrlichen Antwort, da sich der Fragende nur so seiner positiven Einstellung gegenüber seinem Sport und dem damit verbundenen Training bewusstwerden und sich täglich neu motivieren kann. Zudem erkennt er durch solche Fragestellungen schnell, wenn sich ein Problem auftut, das dazu geeignet ist, seine Trainingsleistung zu verringern. Dadurch kann er schnell reagieren und für Abhilfe sorgen.

      • Spielidee
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        Fußballspieler müssen gerade während des Spiels stets gute Ideen haben, wie die gegnerische Mannschaft zu besiegen ist, welche Spielzüge den größten Erfolg versprechen und wie man am besten zu einem Torerfolg kommt. Natürlich könnte er ganz alleine versuchen, den Ball über das Spielfeld und ins gegnerische Tor zu befördern, aber dabei wird er nicht erfolgreich sein. Um ein Tor zu erzielen, ist es auch notwendig, ein ehrliches Bild von der eigenen Leistungsfähigkeit zu haben, das eigene Team in die Spielideen mit einzubeziehen und genau zu wissen, welcher Teamkamerad bei welchem Spielzug der richtige Anspielpartner ist. Solche Überlegungen bedeuten aber nichts Anderes, als dass der Spieler nicht nur sich selbst und seine Spielidee, sondern auch seine Kameraden im Voraus reflektiert und analysiert haben sollte. Dadurch können im besten Fall sogar ganz neue Spielideen entstehen, die der Mannschaft helfen, erfolgreich zu sein.
      • Verhalten gegenüber jedem einzelnen Spieler

        Gerade in einer Team-Sportart wie dem Fußball ist es notwendig, nicht nur auf sich selbst zu schauen, sondern immer auch die anderen Spieler zu berücksichtigen. Egal, ob man jemanden mag oder nicht, er gehört zum Team und bringt seine Stärken zum Wohle der gesamten Mannschaft ein. An dieser Stelle muss jeder Spieler in der Lage sein, durch Selbstreflexion zu analysieren, warum man jemanden vielleicht nicht mag und welche Wege es gibt, das Verhältnis eventuell zu verbessern. Selbst, wenn einem dies nicht gelingt, kann die Reflexion immer noch dazu dienen, zu erkennen, dass sich der Erfolg nur im Miteinander einstellen wird und dass sich eine schlechte Stimmung zwischen Spielern immer negativ auf die Gesamtleistung des Teams auswirkt. Falls es also Probleme mit einem anderen Spieler gibt, sollte man in der Lage sein, sich zu fragen, warum dies so ist, welchen Anteil man selbst an der Situation hat und was man selbst tun kann, um das Verhältnis zum Wohl der Mannschaft zu verbessern.

      • Familie und Freunde

        Wer intensiv Sport betreibt, der weiß, dass die eigene Familie und auch Freunde oft zu kurz kommen, weil der Sport einen so großen Teil des eigenen Lebens in Anspruch nimmt. Gerade, wenn man beispielsweise als Fußballer in einer Beziehung lebt und vielleicht Kinder hat, müssen die Partnerin und der Nachwuchs damit leben, dass man sehr oft und lange unterwegs und nicht jeden Abend pünktlich zum Essen daheim ist. In dieser Situation ist es sinnvoll, über sich selbst und seine Ziele, aber auch über die familiäre Situation zu reflektieren. Es gilt, sich jeden Tag neu zu fragen, welche Lösungen es gibt, die es einem ermöglichen, ein glückliches Familienleben zu führen und dennoch genug Zeit für den Sport zu haben. Wie muss der Tagesablauf gestaltet sein, um sich in Ruhe auf ein anstehendes Spiel zu fokussieren und lieb gewonnene Rituale vor oder nach dem Spiel beizubehalten? Gibt es Möglichkeiten, alle Gruppen so in den Alltag als Sportler einzubinden, dass man bei einem Sieg nicht nur mit der Mannschaft, sondern auch mit der Familie feiern kann?

      Inwieweit ist die Meinung anderer wichtig?

      Als Sportler ist man regelmäßig dem Lob oder der Kritik von Seiten anderer Menschen ausgesetzt. Das fängt für Freizeitsportler beim Trainer an und hört im Bereich des Leistungssports bei den Medien auf. Beim Fußball ist dies zuweilen extrem und die Spieler bekommen nicht nur von allen Seiten Kritik, sondern müssen gerade bei verlorenen Spielen damit leben, dass Menschen in ihrer Umgebung (Fans, Nachbarn) ihnen ihre Meinung aufdrängen möchten, wie man angeblich hätte besser spielen können. Hier gilt es für den Fußballspieler zu unterscheiden. Er muss in der Lage sein, darüber zu reflektieren, welche Meinungen für ihn wirklich wichtig sind, und welche ihm nicht weiterhelfen. Nicht sinnvoll ist es, alles Gehörte einfach zu ignorieren. Gute Fußballer wissen um die eigenen Stärken und Schwächen. Deshalb sind sie in der Lage, zu erkennen, welche Meinungen anderer für sie hilfreich sein und sie auf ihrem sportlichen Weg voranbringen könnten. Solche Meinungen gilt es zu respektieren und für sich zu nutzen.

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      Kritik als Chance nutzen

      Immer wieder erlebt man, dass Fußballspieler direkt nach dem Spiel sehr gereizt auf Kritik reagieren und abblocken. Das ist in der Hitze des Gefechts verständlich, dennoch sollte man als Sportler Kritik immer zunächst einmal hören und auf sich wirken lassen. Sie sofort als unangemessen abzulehnen zeugt von einer gering ausgeprägten Fähigkeit zur Selbstreflexion. Besser ist es, sich der Kritik gegenüber offen zu zeigen und für sich selbst zu überlegen, welche Aspekte einer geäußerten Kritik vielleicht tatsächlich zutreffend sind. Wer in der Lage ist, Fehler und Schwächen einzugestehen, der hat die Möglichkeit, solche Fehler nicht mehr zu begehen und eventuelle Schwächen durch ein noch effizienteres Training in Stärken zu verwandeln. Grundvoraussetzung ist aber die eigene Einsicht, dass es eventuell etwas zu ändern gilt.

      Vorteile und Chancen einer regelmäßigen Selbstreflexion

      Der größte Vorteil einer regelmäßigen Reflexion seiner selbst liegt darin, durch die gewonnenen Erkenntnisse Veränderungen herbeiführen zu können. Im Grunde geht es ja bei der Reflexion darum, aus einer gewissen Distanz zu sich selbst zu sich selbst heraus das eigene Leben in all seinen Facetten anzuschauen, zu analysieren und für die Zukunft etwas daraus zu lernen. Durch dieses Heraustreten aus der eigenen Situation und der Betrachtung von außen ergibt sich die Möglichkeit, den Fokus neu zu justieren. Diese Fähigkeit ist gerade für einen Sportler, der erfolgreich sein möchte, unabdingbar. Denn durch sie ist er in der Lage, sein Leben und auch seine sportliche Leistung objektiv zu bewerten und Rückschlüsse auf vielleicht notwendige Veränderungen zu ziehen, die es ihm ermöglichen, noch erfolgreicher zu sein.
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      Nachteile und Risiken einer regelmäßigen Selbstreflexion

      Sich selbst zu reflektieren kann das eigene Leben bereichern, voranbringen und erfolgreicher machen. Es gibt aber auch den einen oder anderen Nachteil. So gilt es natürlich, geeignete Zeiträume zu finden, in denen man reflektiert. Solche Zeiträume sind im ohnehin schon prall gefüllten Alltag eines Fußballers nicht ganz leicht zu finden. Hat man dann zwischen Arbeit und Training eine Zeit eingeplant, muss man sich überlegen, wie eine solche Selbstreflexion vom Ablauf her gestaltet sein soll. Sich einfach nur hinzusetzen und den Gedanken freien Lauf zu lassen, wird nicht erfolgreich sein, da es zu viele Ablenkungen gibt. Als Fußballer könnten beispielsweise Trainingseinheiten, Spiele oder Freizeit mit der Familie Bereiche sein, die man einer Reflexion unterzieht. Dann muss geklärt werden, welcher Zeitraum reflektiert werden soll. Will man den vergangenen Tag, die letzte Woche oder sogar den letzten Monat reflektieren? Sind all diese Fragen geklärt, steht die größte Herausforderung an, nämlich die konsequente Umsetzung. Ein Risiko besteht immer darin, dass man sich aus irgendwelchen Gründen nicht an seinen eigenen Plan hält.

      Potenzielle Konsequenzen einer Selbstreflexion

      Wer den Mut zur Selbstreflexion besitzt, der darf auch nicht davor zurückschrecken, mögliche Konsequenzen zu ziehen. Es wäre ja sinnlos, sich selbst und das eigene Leben einer Reflexion zu unterziehen, wichtige Dinge zu erkennen und sie dann ungenutzt zu lassen. Eine ehrliche Analyse der eigenen Situation bzw. des Lebens bleibt nie ohne wichtige Einsichten. Diese zu übergehen, würde das Gegenteil von dem bedeuten, was Selbstreflexionen eigentlich erreichen wollen, nämlich einen Fortschritt hin zu einem ehrlicheren, glücklicheren und erfolgreicheren Leben.

      Potenzielle Szenarien als Folge von Selbstreflexion

      Praktiziert ein Fußballspieler diese Art der Reflexion, besteht beispielsweise die Möglichkeit, dass er in all dem Aufwand, den er für seinen Sport betreibt, keinen Sinn mehr sieht. Vielleicht erkennt er, dass ihm all die Trainingseinheiten, die vielen Spiele und Reisen keine Freude mehr bereiten und er neuerdings andere Ziele (Familie, Beruf) als wichtiger erachtet. Eventuell zeigt sich auch, dass ihm aufgrund seines Alters die Verletzungsgefahr inzwischen zu groß ist. Solche Erkenntnisse können natürlich dazu führen, dass er seine sportliche Karriere beendet oder zumindest eine Pause einlegt, um sich Klarheit zu verschaffen.
      Ein anderes Szenario wäre, dass ein Fußballspieler durch die Reflexion erkennt, wie wenig er bisher in den Sport investiert hat, obwohl er eigentlich alles geben wollte. Die Konsequenz könnte ein gesteigertes Engagement und eine erfolgreiche Karriere als Fußballspieler sein. In welche Richtung die Konsequenzen gehen, muss letztlich der entscheiden, der die Selbstreflexion betreibt.

      Was ist sonst von Bedeutung?

      Wenn man sich mit Hilfe der Reflexion seiner selbst weiterentwickeln möchte, sollte man diese Methode konsequent anwenden und dabei unbedingt ehrlich mit sich selbst bleiben. Es bringt einem letztlich nichts, wenn man sich selbst belügt, Dinge schönredet oder wichtige Aspekte und Erkenntnisse unter den Teppich kehrt. Wer sich selbst reflektiert, wird sehr schnell merken, wie positiv sich das Leben verändert, wie viel bewusster er das Leben und die Menschen in seiner Umgebung wahrnimmt. Zudem gelingt es ihm mit Sicherheit, neue und konkrete Ziele für sein Leben zu formulieren und diese auch erfolgreich zu verfolgen.

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      Fazit

      Die Selbstreflexion kann dabei helfen, einen ehrlichen Blick auf die eigene Person, das eigene Leben und die bisher verfolgten Lebensziele zu werfen und alles in positiver Weise zu hinterfragen. Sie lässt sich für Fußballspieler genauso anwenden, wie für Manager oder Hausfrauen und viele Erfahrungsberichte bestätigen, dass der distanzierte Blick auf das eigene Leben neue Wege zeigen kann, die man vorher vielleicht nicht erkannt hat.

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