Interview mit Robert Pinior, dem Geschäftsführer der Fussballschule Grenzland

Hallo Herr Pinior, es wäre schön, wenn Sie uns zum Start kurz mit ein paar Sätzen Ihre Fußballschule vorstellen könnten.

Sehr gerne. 2012 hatten wir als Studenten die Idee, dass Fussball-Feriencamps für Kinder professioneller und strukturierter möglich sein müssten als das, was es zu diesem Zeitpunkt am Markt gab. Wir wollten eine Win-win-win-win-win-Situation erzeugen: Vorteile für Eltern, Kinder, Trainer, Vereine und schliesslich auch uns. Wir sehen uns dabei von Anfang an als Plattform, die gut ausgebildete Trainer auf die Anlagen unserer Partnerclubs bringt, um den Kids in den Ferien Spass am Fussball zu vermitteln, den Eltern eine Betreuungsoption zu bieten und den Vereinen ein professionelles Ferienangebot ohne hohen eigenen Aufwand zu ermöglichen.

Die Fussballschule Grenzland ist stetig gewachsen. Was war der ursprüngliche Impuls, das Ganze so groß aufzuziehen, und was ist der „Grenzland-Kern“, den man in jedem Camp spürt?

Das stimmt, mittlerweile haben wir jährlich rund 20.000 Kids in ca. 500 Feriencamps und dabei über 400 Trainer im Einsatz. Wie unser Name „Grenzland“ schon assoziiert: Wir hatten niemals die Idee, dass das Ganze so gross werden könnte, als wir im Grenzland zu den Niederlanden mit unserer Fussballschule gestartet sind. Der Name hat sich jedoch gefestigt, und mittlerweile wird dieser auch in anderen Bundesländern ausserhalb von NRW, in denen wir tätig sind, gar nicht hinterfragt. Was uns bei allem Wachstum jedoch wichtig ist, ist die Tatsache, dass wir immer persönlich ansprechbar sind – sowohl für die über 400 Partnerclubs als auch für alle unsere Coaches und natürlich alle Familien, deren Kids in unsere Camps kommen. Am Ende geht es halt nicht um ein Produkt, das wir herstellen, sondern darum, dass wir wochenweise die Verantwortung für das Wichtigste jeder Familie tragen – ihre Kinder.

Ihr bewegt euch im Spannungsfeld zwischen Ferienspass und leistungsorientiertem Training. Wie schafft ihr den Spagat, dass sowohl der Anfänger als auch das Talent mit einem echten Lernfortschritt nach Hause geht?

Das stimmt absolut, und ich beneide unsere Trainer manchmal auch nicht, wenn sie den Spagat innerhalb einer leistungsmässig stark auseinanderdriftenden Camp-Gruppe meistern müssen. Dennoch gelingt ihnen dies sehr gut. In unseren Feriencamps steht der Spass absolut an vorderster Stelle. Natürlich werden auffällig starke Kids auch mal schnell in die Gruppe der älteren Kids hochgeschoben, um sie zu fördern, aber am Ende wollen die Kinder mit ihren Freunden Spass am Fussball haben – und das fördern wir. In unseren unterwöchigen Trainingsangeboten, unserem Technik- oder Torwarttraining an diversen Standorten bieten wir Angebote, die individueller auf die Förderung der einzelnen Kids abzielen. Noch intensiver wird es in unserem Talentetraining, das sonntags an mittlerweile knapp 20 Standorten stattfindet. Hier ist eine Teilnahme ausschliesslich nach Empfehlung in unseren Camps oder nach einem erfolgreichen Probetraining möglich. Das Niveau der Trainingsgruppen ist schon deutlich höher, und jedes Jahr schaffen zahlreiche Kids aus diesem Training auch den Sprung in ein Nachwuchsleistungszentrum.

Ein guter Fussballer ist nicht automatisch ein guter Kindertrainer. Nach welchen Kriterien wählt ihr eure Coaches aus, und wie schult ihr sie im Umgang mit den Kids?

Das stimmt absolut. Wir setzen daher in unserem Trainerpool auch auf eine grosse Diversität. Von langjährigen, prominenten Bundesligaspielern wie Arie van Lent oder Oliver Reck bis hin zu jungen, ambitionierten Nachwuchstrainern, die noch keine grosse Vita vorweisen können, aber toll mit den Kids umgehen, haben wir die unterschiedlichsten Trainerprofile in unserem Portfolio. Häufig haben unsere Coaches einen Background in einem Nachwuchsleistungszentrum oder sind dort aktuell noch aktiv. Aber auch viele DFB-Stützpunkttrainer gehören dazu. Die letztliche Trainerlizenz ist für uns nicht ausschlaggebend für einen guten Camp-Trainer, obwohl wir auch einige Fussballlehrer dabeihaben, also mit der höchsten Lizenz im Profifussball. Unsere Trainer werden regelmässig von uns geschult. In diesem Jahr haben wir den langjährigen Bundesligatrainer und aktuellen DFB-U20-Nationaltrainer Hannes Wolf beispielsweise für unsere grosse Trainerschulung gewinnen können. Er wird unsere Coaches auf den aktuellen Stand der „Trainingsphilosophie Deutschland“ bringen, die der DFB derzeit stark pusht.

Auch der ehemalige Bundesligaprofi Arie van Lent gehört zum Trainer-Pool der Fussballschule

Der „Grenzland-Stil“: Wenn ich eine Trainingseinheit bei euch besuche – welche Schwerpunkte (z. B. Life Kinetik, Technikparcours, Spielformen) werde ich am häufigsten sehen?

Das unterscheidet sich tatsächlich stark vom Angebot, das bei uns gebucht wird. In den Camps legen wir grossen Wert auf Spielformen und kleine Wettbewerbe. Bei heissem Wetter im Sommer dürfen es aber durchaus auch mal eher unpopuläre Übungen mit mehr Standzeiten sein, um die Kids nicht zu überfordern. Unsere Trainer versuchen da immer, die passenden Übungsformen für die jeweiligen Bedingungen und Leistungslevels der Kinder zu finden. Besonders beliebt ist bei den Kids unsere Grenzo Score Card: ein Übertrag der aus den Konsolenspielen bekannten FUT-Cards, in denen die Kids in diversen Kategorien ihre individuellen Leistungsdaten sammeln können. In den unterwöchigen Angeboten, dem Technik-, Torwart- und Talentetraining geht es dann stärker um intensive Fussballinhalte. Bei den älteren Kids ist das Talentetraining teilweise schon sehr nah am Trainingsalltag eines Nachwuchsleistungszentrums oder eines DFB-Stützpunktes.

Der Fussball verändert sich (Stichwort: Funino / neue Spielformen). Wie schnell fliessen aktuelle Trends des DFB oder internationale Entwicklungen in eure Camp-Lehrpläne ein?

Eigentlich waren diese bei uns schon immer präsent. Wir haben schon immer versucht, in Kleingruppen unsere Spielformen zu absolvieren, um möglichst viele Ballkontakte bei allen Kindern zu gewährleisten. Die aktuellen Entwicklungen mit dem Schwerpunkt auf Funino im jüngeren Altersbereich vereinfachen uns das Arbeiten jedoch enorm, denn endlich haben die meisten Clubs genügend Minitore, mit denen wir in den Camps arbeiten können.

Nutzt ihr moderne Tools wie Videoanalyse oder digitale Trackingsysteme bereits im Camp-Alltag, oder steht das haptische Erlebnis „Ball und Rasen“ absolut im Vordergrund?

Eher Letzteres. Da wir eine mobile Fussballschule sind, die nicht fest an einem Standort aktiv ist, sind viele technische Systeme schlichtweg schwer oder nur unter enormem Aufwand zu transportieren. Zudem sind wir der Meinung, dass ein gutes Fussballtraining eigentlich nicht viel mehr braucht als Tore, Bälle, Hütchen und Leibchen. Natürlich setzen wir in den Camps auch Highlights für die Kids, die sich vom Trainingsalltag in den Vereinen unterscheiden – aber dies nur dosiert, denn schliesslich wollen wir, dass unsere Camps nicht unnötig teurer werden als nötig. Wir wollen möglichst allen Familien ermöglichen, ihre Kids zu uns zu schicken.

Ihr arbeitet sicherlich mit vielen Partnervereinen zusammen. Was hat ein kleiner Dorfverein davon, euch auf seine Anlage zu holen, statt selbst ein Camp zu organisieren?

Wenn es der kleine Dorfverein schafft, ein gut organisiertes Fussball-Feriencamp in Eigenregie auf die Beine zu stellen, haben wir da grössten Respekt vor, da wir wissen, was da an Aufwand dahintersteckt. Allerdings ist dies für 90 Prozent aller Vereine einfach gar nicht zu stemmen. Das Ehrenamt erlebt seit Jahren immer mehr einen Rückgang, und wir versuchen, die Clubs an dieser Stelle zu entlasten. Bei der Organisation eines Camps mit uns obliegt dem Verein lediglich die Aufgabe, das Camp zu bewerben. Um alles andere kümmern wir uns. Natürlich freuen wir uns immer, wenn während des Camps auch Vertreter des Clubs vor Ort sind, aber selbst das ist nicht zwingend nötig. Die Vereine profitieren demnach von einem professionellen Ferienangebot auf ihrer Anlage, das sie von anderen Clubs abhebt, und zusätzlich bleibt auch noch finanziell ein nicht unerheblicher Anteil jedes Camps beim Club. Ambitionierte Nachwuchstrainer des Vereins dürfen auch bei unseren Coaches hospitieren und so wertvolle Erfahrungen vor der eigenen Haustür sammeln.

Falls ihr prominente Gäste oder Kooperationen mit Profi-Vereinen habt: Wie wichtig ist dieser „Glanz der Bundesliga“ für die Motivation der Kinder?

Ehrlicherweise ist dies immer schwieriger. Früher liefen die Kinder zumeist mit dem Trikot des lokalen Erst-, Zweit- oder Drittligisten auf den Fussballplätzen herum, und die lokalen Profis waren die Idole der Kinder. Heutzutage herrscht immer mehr ein Megastar-Kult, und Ronaldo, Messi, Haaland oder Mbappé dominieren die Trikot-Auswahl der Kinder. Wenn wir ehemalige Bundesligaprofis als Trainer auf dem Platz haben, sind es zumeist die Eltern, denen diese Tatsache imponiert. Die Kinder bewerten die Trainer weniger nach ihrem Background als vielmehr nach ihrer Empathie auf dem Platz. Aber klar: Wenn einer unserer Coaches dann in den Pausen von seiner Karriere berichtet, werden die Augen oft sehr gross.

Wir hören oft, dass Kinder sich weniger bewegen oder lieber vor der Konsole sitzen. Spürt ihr das in eurer täglichen Arbeit, oder ist der Hunger auf Fussball ungebrochen?

Das merken wir schon. Früher war der Bolzplatz die Nachmittagsheimat vieler Kinder – das hat deutlich abgenommen. Das Freizeitangebot für die Kinder, nicht nur vor der Konsole, ist einfach viel grösser geworden. Wir versuchen durch unsere Feriencamps und ausserhalb der Ferien durch unsere unterwöchigen Trainingsangebote, die Kinder wieder häufiger in Bewegung zu bekommen. Sobald die Kids dann auf dem Platz stehen, ist auch jegliches Computerspiel vergessen.

Wie gross ist für euch die Herausforderung, qualifizierte Trainer zu finden – das ist ein Thema, das viele Vereine und Übungsleiter brennend interessiert.

Das ist in der Tat auch für uns die grösste Herausforderung. Wir haben im Gegensatz zu vielen Amateurvereinen natürlich den Vorteil, dass wir unsere Trainer gut bezahlen. Das verschafft uns selbstverständlich einen Vorteil gegenüber dem reinen Ehrenamt. Allerdings werden unsere Trainer dafür natürlich auch kritischer beäugt, da die Eltern eben bei uns mehr bezahlen als im Verein. Allen unseren Partnerclubs bieten wir regelmässig Fortbildungsangebote für ihre Jugendtrainer an. Oft digital in Onlineschulungen, aber auch in Präsenz – wie bei unserem Trainerevent mit Hannes Wolf in diesem Frühjahr, zu dem sich bereits über 200 Trainer unserer Partnervereine angemeldet haben. Genau diese Wertschätzung ist es, was Amateurclubs leisten müssen, um Trainer zu finden bzw. an sich zu binden. Diesen Rat können wir immer nur weitergeben.

Wenn wir uns in fünf Jahren wieder sprechen: Wo steht die Fussballschule Grenzland dann? Gibt es Pläne für neue Standorte oder digitale Trainingsangebote?

Zumeist planen wir drei Jahre in die Zukunft. Diesen Horizont kann ich gerne skizzieren. Wir haben in den letzten beiden Jahren jeweils zwei Fussballschulen übernommen: einmal die des niederländischen Zweitligisten VVV-Venlo und einmal die des deutschen Traditionsclubs MSV Duisburg. Hier werden weitere Clubs folgen – eine tolle Ergänzung unseres Angebotes. Darüber hinaus wollen wir in weitere Regionen wachsen. NRW ist unser Kernmarkt. In Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Hessen und Niedersachsen breiten wir uns immer weiter aus. Weitere Bundesländer werden folgen. Dazu können wir auch immer mehr nationale Brands an uns binden, was unseren Teilnehmerfamilien am Ende zugutekommt. Starke Partner wie OBI, schauinsland reisen, Playmobil, Topps oder Nappo schaffen Vertrauen und ermöglichen es uns, unsere Camps zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Digitale Trainingsangebote stehen bei uns ehrlicherweise nicht auf der Agenda – wir wollen mit den Kids auf dem Platz stehen und freuen uns auf ganz viele tolle Momente mit Tausenden Kindern auf den Anlagen unserer Partnerclubs.

Weitere Informationen: https://fussballschule-grenzland.de/