Interview Michaela Schulz – 1. FC Schöneiche U11

Heute im Interview: Michaela Schulz vom 1. FC Schöneiche.

fussballtraining.de: Für welchen Verein bist Du aktuell tätig sind und welche Mannschaft betreust Du?

Michaela Schulz: Im März diesen Jahres hat sich in unserer Gemeinde ein neuer Fußballverein gegründet, der 1. FC Schöneiche.
Nach 12 jähriger Tätigkeit in meinem alten Verein habe ich dorthin gewechselt und trainiere seither eine E-Jugend-Mannschaft, die aus Kindern besteht, welche ich bereits zuvor in dem alten Verein trainiert hatte.

fussballtraining.de: Wie zufrieden bist Du mit dem Verlauf der aktuellen Saison?

Michaela Schulz: Da wir uns noch in der Aufbauphase befinden, ist es momentan nur ein illustrer kleiner Kreis von Kindern, den ich trainiere. Genauer besteht die Mannschaft aktuell aus 11 Kindern im E-Juniorenalter.
Als derzeitiger Trainingsplatz dient uns vorübergehend ein erdverbundener Bolzplatz, quasi „back to the basics“. Die Platzverhältnisse sind natürlich entsprechend eingeschränkt, aber auch unter solchen Bedingungen lässt sich ein anspruchsvolles Trainingsprogramm gestalten, welches die Kinder fördert und ihnen eine vielseitige Ausbildung garantiert.
Unsere erste Turnierteilnahme als neuer Verein bestätigte dies, da die Kinder trotz der nun ungewohnten Dimensionen des Spielfeldes sich problemlos darauf einstellen konnten und  gut zu präsentieren wussten.
Das bestätigt mich darin, dass ein anspruchsvolles Training nicht von Örtlichkeiten abhängig ist.
Unsere Premiere hat mich zuversichtlich gestimmt für die Zukunft.

fussballtraining.de: Was ist in dieser Saison für Euch noch möglich?

Michaela Schulz: Da wir erst ab der nächsten Saison am Spielbetrieb teilnehmen können, stehen nur Turniere und Freundschaftsspiele auf dem Programm. Wir wollen uns in der verbleibenden Zeit gut auf die kommende Saison vorbereiten und haben daher zahlreiche Begegnungen geplant. Hier wollen wir uns natürlich gut präsentieren und hoffen darauf, dass wir unsere derzeitigen Trainingsinhalte auch entsprechend in das Spiel integrieren können und die momentan gute Entwicklung anhält.

fussballtraining.de: Welche Philosophie verfolgst Du als Trainer? Was ist Dir besonders wichtig?

Michaela Schulz: Ich habe mir ein kindgerechtes Training auf die Fahnen geschrieben.
„Fußball beginnt im Kopf und endet in den Füßen“, dieser Satz von Horst Wein, einem weltweit anerkannten Experten in Sachen Kinderfußball, enthält vieles, worauf es imTraining , gerade bei den Kindern, ankommt.
Die Entwicklung der Spielintelligenz erscheint mir als einer der wichtigsten Trainingsschwerpunkte in dieser Altersgruppe. Stereotypes isoliertes Training einiger herausgelöster Elemente macht den Kindern keinen Spaß und bildet sie nicht als selbstständig denkende Fußballer, die antizipieren können und ihr Handeln darauf abstimmen, heraus. Im Training stelle ich den Kindern Fragen und lasse sie selbst die Lösungen durch Ausprobieren finden. Dadurch fühlen sie sich eingebundener und der Lernprozess ist wesentlich ausgeprägter, als wenn ich ihnen von außen etwas vorgebe.
Gleichzeitig spielen  wir oft im 3:3 , weil so alle Kinder ins Spiel eingebunden werden und ausreichend Ballkontakte garantiert sind, auch und gerade bei den schwächeren oder auch passiveren Kindern. Zusätzliche Aufgaben erhöhen dann noch die Anforderungen , so dass man das Spiel individuell auf das Niveau der Kinder abstimmen kann.
Verstecken kann sich bei dieser Spielform niemand. Auch das Spiel auf 4 Tore fördert die Intelligenz und das räumliche Sehen.
Als weiteren wichtigen Aspekt sehe ich noch die soziale Intelligenz an. Ich lege darauf Wert, dass sich die Kinder als Team erfahren und einer für den anderen einsteht. Es gibt Verhaltenskotexe, die jedes Kind einhalten muss. Das beginnt nicht erst auf dem Spielfeld.

fussballtraining.de: Wer ist Dein Vorbild als Trainer und warum?

Michaela Schulz: Da fallen mir gleich mehrere ein: Pep Guardiola, weil er den Fußball ganzheitlich betrachtet und der Meinung ist, nur wer das Große und Ganze sieht, weiß auch, wie Fußball funktioniert. Er ist nicht nur Fußballer, sondern auch Denker. Es nötigt mir großen Respekt ab, wenn er öffentlich, wie in Barcelona geschehen, Lyrik präsentiert und sich als Feingeist outet.
Joachim Löw, weil er die alten, vorherrschenden Strukturen aufbrechen konnte, auch gegen Widerstände, und frischen Wind in den deutschen Fußball gebracht hat. Ich werde ihm ewig dankbar sein für die Entwicklung, die der Fußball mit ihm genommen hat, weg von dem ewig gestrigen Bauchgefühl, hin zu einer Systematik, die nachhaltig wirkt, egal, wie die deutsche Nationalmannschaft letzten Endes die WM abschließen wird.
Wiel Coerver, ein leider mittlerweile verstorbener niederländischer Jugendtrainer, der den Kinder- und Jugendfußball revolutioniert hat, indem er ein systematisches, auf 6 Stufen aufbauendes Trainingsprogramm schuf, welches sich an den besten Fußballern der Welt orientierte und ihnen regelrecht auf die Füße geschaut und deren Geheimnisse entlockt hat.
Mit dieser Methode (Coerver-Methode) gelingt es, die Kinder zu ballsicheren und technisch beschlagenen Fußballern reifen zu lassen. Dieses Techniktraining ist ein weiterer wichtiger Bestandteil meiner Trainingsinhalte.
Peter Schreiner, der diese Methode weiterentwickelt hat und Möglichkeiten für Vereine schuf, diese besser ins Training integrieren zu können.
Und letztendlich Horst Wein, dem ich viel zu verdanken habe und auch persönlichen Kontakt zu ihm pflege. Ohne seine Philosophie von der Entwicklung der Spielintelligenz sollte heute kein Jugendtrainer mehr auskommen. Ich kann nur jedem raten, sich darüber zu informieren und seine Methode kennenzulernen.

fussballtraining.de: Welche Schwerpunkte setzt Du in Deinem Training?

Michaela Schulz: Mein Training setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen.
An oberster Stelle steht, wie ich bereits mehrfach erwähnte, die Entwicklung der Spielintelligenz.
Ich beginne jedes Training mit einem kleinen Spielchen, meist im 3:3, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die sich dann durch das gesamte Training ziehen.
Techniktraining ist auch meist enthalten, oft im Zusammenhang mit koordinativen und /oder kognitiven Übungen.
Dann eventuell eine Übung, die die Kinder durch Ausprobieren selbst lösen müssen oder auch andere Elemente wie das TannerSpeedSystem.
Wettkämpfe und Zweikampfübungen in unterschiedlichster Form runden das Training ab. Zum Schluss gibt es dann meist noch ein Abschlussspiel.

fussballtraining.de: Welche Utensilien dürfen in Deinen Trainingseinheiten nie Fehlen?

Michaela Schulz: Für jedes Kind steht ein Ball zur Verfügung, weil wir fast alle Übungen mit dem Ball verbinden, um rund 1000 Ballkontakte zu ermöglichen.
Mindestens 4 bewegliche Tore, Leibchen, Markierungsteller, Hütchen, Hürden oder eine Koordinationsleiter, gern auch Koordinationsringe. Manchmal nutze ich ein dehnbares Band, um die Tore in Zonen zu unterteilen.

fussballtraining.de: Wie bildest Du Dich als Trainer weiter?

Michaela Schulz: Ich bin im Besitz der C-Lizenz, bilde mich aber vielseitig weiter. Wenn Horst Wein eines seiner raren Seminare bietet, bin ich in jedem Fall zugegen, aber ich nutze auch gern jede sich bietende Gelegenheit, mich allumfassend über neue Trainingsmethoden zu informieren, fahre zu Weiterbildungen, bin auch angemeldet, um an angebotenen Onlineseminaren teilzuhaben.  Ein von mir damals anvisierter Jugendtrainerkongress wurde leider abgesagt, so dass eine Teilnahme nicht möglich war, was ich sehr bedauert habe.
Gleichzeitig besitze ich hunderte Bücher, DVD`s, die ich alle inhaltlich kenne. Mein Fundus vermehrt sich ständig, mein Anspruch ist es, immer vielseitig informiert zu sein, um neue Entwicklungen nicht zu verschlafen. Ich sehe das Aktuelle nie als Status quo an, um flexibel zu bleiben und nicht im Alten zu verharren.

fussballtraining.de: Wie lauten Deine persönlichen Ziele als Trainer?

Michaela Schulz: Mein Ziel ist es, die mir anvertrauten Kinder zu vielseitigen, kreativen und ballgewandten Fußballern auszubilden, die selbstsständig Entscheidungen treffen können, in der Lage sind, zu antizipieren und daraus die richtigen Handlungen abzuleiten.
Ihre soziale Kompetenz sowie die Teamfähigkeit sollten ebenfalls gefördert werden. Nichts ist isoliert zu betrachten.
Ich möchte nichts weniger, als den Kinderfußball in Deutschland auf eine neue Stufe zu heben und dabei mitzuwirken, dass sich eine neue Qualität und ein verändertes Denken bezüglich des Trainings durchsetzt, welches die Kinder in ihrer Entwicklung fördert und nicht hemmt. Das Training sollte auf die Kinder und ihre Bedürfnisse sowie Entwicklungsstufen zugeschnitten sein und nicht die Kinder auf den Erwachsenenfußball.
Zu großes Leistungsdenken behindert das freie kreative Spiel der Kinder und sollte immer weniger Platz einnehmen. Langfristiges, systematisches und methodisches Training bringt letzten Endes den größeren Erfolg, erfordert aber auch mehr Geduld und den Mut zu Niederlagen und Widerständen gerade von sehr ergeizigen Erwachsenen im Umfeld.

Sind Sie auch Jugendtrainer und würden sich gerne hier bei uns auf fussballtraining.de vorstellen? Dann schreiben Sie uns noch heute eine Mail an: fussballinterviews@gmail.com

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