4.11 Spielaufbau durch das Zentrum

Über die grundlegenden Abläufe hinaus kann Taktiktraining sehr spezifisch ablaufen. Die heutige Montagseinheit präsentiert dazu eine in „Erfolgreiches Angreifen“ erstmals publizierte und durch Ralf Rangnicks Organisationsform bekannt gewordene Idee, das Spiel durch das Zentrum aufzubauen. Wie Rangnick dies mit seinen Bundesligateams trainiert hat und wie seine Idee in Fachtagungen modifiziert wurde, sehen Sie in der Trainingseinheit.

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Vertikale Passformen als Erwärmung


Organisation und Ablauf

• Die Spieler in Fünfergruppen einteilen und an einer Hütchenraute mit einem zentralen Positionshütchen postieren.
• Wenn Platz und Spieleranzahl dies zulassen, dann möglichst am spielgemäßen Ort trainieren (vgl. Abbildung).
• Der Innenverteidiger passt zum Sechser, dieser dreht zur Seite auf und passt dem Außenspieler in den Lauf.
• Der Passempfänger leitet direkt zum Stürmer weiter, der legt den Ball auf die andere Seite seines Hütchens um und wird damit zum Innenverteidiger.
• Jetzt gleicher Ablauf zurück über den anderen Flügelspieler.

Hinweise

• Passformen durch das Zentrum anbieten, wie sie mit dem eigenen Spielerpersonal und im eigenen Spielsystem häufig möglich sind.
• Coaching: Pass mit dem taktisch richtigen Fuß, Druckpässe.

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Variationen

• Der Passgeber läuft seinem Anspiel nach, damit mehr Bewegung und alle Aufgaben für jeden Spieler. Sinnvoll im Ausdauertraining bzw. in der Juniorenausbildung.
• Die Spieler bleiben auf ihren Positionen. Sinnvoll zum Positionstechniktraining.
• Jedes Hütchen doppelt besetzen, synchroner Ablauf von beiden Starthütchen. Dadurch können acht Spieler trainieren und die Bewegung der „Gegner“ muss beim Passen berücksichtigt werden. Schwieriger, aber Steigerungsschritt zur Spielnähe.
• Andere Passformen, z. B. Pass am Sechser vorbei zur Spitze, diese legt auf einen Außenspieler ab, der dem vorstoßenden Sechser in den Lauf spielt (s. Abb. unten). Diese Passfolge entspricht dem Steil-Klatsch-Prinzip.

Spiel durch die halbe Sanduhr


Organisation und Ablauf

• 8-gegen-8 bis 11-gegen-11 im verkürzten Spielfeld.
• Das Spiel beginnt immer bei der Spielauf­baumannschaft. Deren Wirkungskreis ist mit Tabubereichen so begrenzt, dass der Ball durch das Zentrum aufgebaut werden muss, denn das Spiel durch die Tabuzone ist nicht erlaubt.
• Das bespielbare Feld in der Hälfte der Spielaufbaumannschaft gleicht der Form einer halben Sanduhr (grüne Rasenfläche). In der gegnerischen Hälfte ist das komplette Feld bespielbar.

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Hinweise

• Der Spielaufbau durch das Zentrum kann vom Gegner nicht so leicht an einen Flügel gepresst werden und von dort sind mehr Angriffsoptionen nutzbar als über außen.
• Ursprünglich hat Ralf Rangnick diese Form ersonnen, jedoch noch in der ganzen Sand­uhr, um länger im Zentrum zu bleiben. Die halbe Sanduhr ist eine Weiter­entwicklung, die der DFB in Fachmedien darstellt.
• Nachteil: Stellt die Verteidigende Mannschaft die Mitte einfach mit vielen Spielern zu, geht die Spielnähe verloren. Die Außenspieler er­hal­ten zunächst auch weniger Ballkontakte.
• Coachingtipps: siehe Detailabbildungen links und Auflösungen über den Torhüter.
• Insgesamt stehen damit so viele Optionen zur Verfügung, dass der Gegner das Aufbauspiel durch die Mitte kaum verhindern kann!

Freies Spiel

Organisation und Ablauf

• 8-gegen-8 auf zwei Tore mit Torhütern.
• Freies Spiel, keine Einschränkungen.

Hinweise

• Freudvoller Abschluss, evtl. Wetteinsatz, den die Verlierermannschaft einlösen muss. Siehe vorige Woche.

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