Auch ein langsamer Spieler kann dynamisch spielen

Nicht jeder Fußballer hat die Grundschnelligkeit eines Christiano Ronaldo. Allerdings heißt das nicht, dass ein Fußballer, nur weil er keinen eingebauten Turbo hat, nicht dynamisch spielen könnte. In vielen Spielsituationen kommt es nicht auf ein hohes Tempo, sondern auf schnelle Tempowechsel an. Es gibt nicht wenige pfeilschnelle Spieler, die nur die beiden Laufmodi Trab und Sprint kennen, und deswegen nicht besonders effizient spielen. Sprintschnelligkeit alleine reicht nicht aus für einen guten Fußballer. Dynamik hat zudem auch nicht nur etwas mit Laufen zu tun. Mindestens genauso wichtig wie Schnelligkeit in den Beinen ist Schnelligkeit im Kopf.

Dynamische Spielsituationen kreieren durch Direktpässe

Der Direktpass ist das ideale Mittel, um ein Spiel zu beschleunigen. Die Wirkung ist besonders groß, wenn das Tempo vorher niedrig war. Wenn beispielsweise eine Mannschaft den Spielaufbau vom eigenen Strafraum langsam nach vorne treibt, ist es zunächst sinnvoll, die Ballsicherung in den Vordergrund zu stellen. Mit Quer- und Rückpässen lässt sich dieses Ziel am besten erreichen. Wenn sich dann aber eine Chance ergibt, einen Pass vertikal nach vorne zu spielen, sollte dies nach Möglichkeit ein Direktpass sein. Der plötzliche Tempowechsel im Passspiel ist eine besondere Herausforderung für die Abwehr und kann der angreifenden Mannschaft den entscheidenden Vorteil bringen.

Aber es sind nicht nur die Pässe nach vorne, die Dynamik erzeugen können. Auch ein schneller Querpass, ein Pass nach einer plötzlichen Drehung oder ein Doppelpass mit einem kurzen Antritt sind gute Varianten, um einen Tempowechsel zu erzeugen. Problematisch wird ein Spiel immer dann, wenn das Tempo eintönig ist. Die Abwehr hat dann sehr gute Chancen, sich auf die Aktionen des angreifenden Teams einzustellen. Wenn hingegen in jedem Augenblick eine Tempoverschärfung durch einen schnellen Pass entstehen kann, muss die Defensive sehr viel aufmerksamer sein und tendenziell auch tiefer verteidigen, um bei einem Tempowechsel besser reagieren zu können.

Tempoverschleppungen als wichtiges Stilelement

Wenn ein Kommentator im Fernsehen davon spricht, dass eine Mannschaft das Tempo verschleppe, ist das meist nicht als Lob gemeint. Für einen Spieler oder auch für die gesamte Mannschaft kann es aber durchaus sinnvoll sein, in bestimmten Spielsituationen das Tempo so weit wie möglich zu drosseln, um dann plötzlich in der geeigneten Situation überfallartig nach vorne zu stürmen. Bei der Tempoverschleppung spielt auch die Psychologie eine wichtige Rolle. Wenn ein paar Minuten lang nichts Aufregendes passiert und das Tempo auf dem Platz einschläft, werden die Abwehrspieler des Gegners eventuell sogar unaufmerksam.

Bei einem Konter dynamische Elemente einbauen

Konter verbinden die meisten Spieler und Trainer mit Höchsttempo. Es gibt aber auch Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, bei einem Konter einen leichten Tempowechsel einzubauen, beispielsweise um mit laufenden Spielern, die einige Meter Rückstand haben, die Chance zu geben, den ballführenden Spieler einzuholen. Wenn der ballführende Spieler auf den letzten Abwehrspieler zuläuft und einige Meter vorher das Tempo ein wenig drosselt, kommt der Abwehrspieler nicht schnell genug in den Zweikampf und auf der rechten oder linken Seite kann ein Spieler überlaufen. Wenn der ballführende Spieler dann auch noch im richtigen Moment den Pass auf seinen Mitspieler ausführt, entsteht eine erstklassige Torchance.

Dynamik ist auch bei Defensivaktionen wichtig

Beim Pressing und Gegenpressing ist die Defensive in einer aktiven Rolle. Es wäre aber ein großer Fehler, diese Aktivität mit einer wilden Jagd nach dem Ball gleichzusetzen. Je offensiver eine Verteidigung ist, desto wichtiger ist, dass die Verteidigung dynamisch ist. Erst wenn durch geschicktes Verschieben eine Situation entstanden ist, in der es eine gute Chance gibt, den Ball zu erobern, muss das Tempo schlagartig erhöht werden. Top-Teams schaffen das ganz ohne Anweisung und Kommando auf dem Spielfeld. Es ist allerdings gerade am Anfang sinnvoll, mit einem lauten Kommando den defensiven Tempowechsel einzuleiten, damit alle Spieler zum richtigen Zeitpunkt agieren.

 

 

 

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