Freiburger U19 Spiel: „Gegen den Ball – phasenweise eine 3-4-3 Formation“

Bundesliga Süd/Südwest, vorletzter Spieltag, letztes Heimspiel dieses Jahrganges. Bei schönstem Fußballwetter konnten sich die Freiburger Fußballfans am Tag nach dem Wiederaufstieg der Profis in die Bundesliga auf ein spannendes Spiel freuen. Zu erwarten war dies kaum, schließlich war mit Darmstadt der abgeschlagene Tabellenletzte zu Besuch. Doch wie es im Fußball immer wieder zu beobachten ist, kann gerade diese Konstellation für Überraschungen sorgen.

Freiburg zieht gewohntes Spiel auf

Es zeigte sich schon zu Beginn der Partie: der SC Freiburg besitzt eine hervorragende Spielanlage und noch beeindruckender ist, dass diese bereits in den Jugendmannschaften so umgesetzt wird, wie später bei den Profis. Dazu zählt auf der einen Seite die gleiche taktische Grundausrichtung, auf der anderen Seite sind dies Abläufe und Spielzüge.

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Von der Grundausrichtung her ließ sich ein klares 4-4-2 beobachten. Die Flügelspieler stellen stetig Breite her und geben den Außenverteidigern so die Möglichkeit, sich in die Offensive einzuschalten. Das Zentrum wird vor allem zur Sicherung und Spielverlagerung benötigt. Angriffe sind durch die Mitte kaum zu sehen.


Zunächst konnte der SC sehr schnell Kontrolle über das Spiel gewinnen. Der gewohnte Ballbesitzfußball wurde aufgezogen, wobei Darmstadt auch keine Anstalten machte, dies zu verhindern. Die Freiburger versuchten das Spiel breit zu gestalten, die Flügelspieler hielten sich stetig in einem Korridor maximal 10 Meter entfernt von der Seitenauslinie auf. So boten sich vor allem über die linke Seite viele Situationen, in denen der Außenverteidiger in den Halbraum schob und der Innenverteidiger den Ball direkt auf den Flügelspieler passen konnte.

Somit war der Außenverteidiger schon überspielt und der Darmstädter Außenverteidiger wurde aus der Abwehrkette herausgezogen, da er den ballbesitzenden Flügelspieler attackieren musste. Durch ein zusätzliches Verschieben der defensiven Mittelfeldspieler gelang es Freiburg oft, eine Seite zu überladen und in dann kleinräumigen Situationen die Darmstädter zu überspielen. Dieses oft genutzte Mittel führte jedoch nicht zum Erfolg, da es gegen die robusten Darmstädter Abwehrspieler nicht gelang, sich in den entscheidenden Situationen durchzusetzen.

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Durch diese Spielweise über die Flügel war es erforderlich, dass es viele diagonale Laufwege gab. Sowohl von den defensiven Mittelfeldspieler nach außen, um die Seiten zu überladen, als auch von den Außenverteidigern in die Halbräume und den Flügelspielern, um sich der Gegenspieler zu entledigen.

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Wenn Darmstadt am Ball war und versuchte, über die Außenverteidiger das Spiel aufzubauen, wurden sie von den Freiburgern konsequent angelaufen. Dafür lösten die Freiburger auch ihre Viererkette auf und es entwickelte sich gegen den Ball Phasenweise eine 3-4-3 Formation. Dies war allerdings nur der Fall, wenn die ballnahen Flügelspieler der Lilien aus ihrer relativ zentralen Grundaufstellung den Weg nach außen und dem ballführenden Mitspieler entgegen suchten. Die Freiburger Außenverteidiger verfolgten ihre Gegenspieler und der Flügelspieler schob auf den ballführenden Darmstädter auf eine Höhe mit den Stürmern.

Schlechtes Klären eines Eckstoßes bringt Rückstand

Bis zum Tor in der 75. Minute hatten sich die Darmstädter erst einmal dem Freiburger Tor gefährlich genähert. Durch eine verunglückte Klärungsaktion des Freiburger Spielführers konnten sie alleine auf den Torwart zulaufen, doch durch einen herrlichen Reflex wusste Marvin Geng einen Rückstand zunächst zu verhindern. Einige Minuten später fiel der Rückstand wiederum nach einem Eckball. Dieser wurde, obwohl schlecht getreten, nur unzureichend geklärt und so kam im Strafraum ein Darmstädter zum Abschluss und konnte seine Mannschaft in Führung bringen.

Die Freiburger, mittlerweile mit vier neuen Spielern in der Offensive, stellte fortan die Spielweise um. Der Kapitän Fabian Rüdlin tauschte mit Andreas Fischbach im defensiven Mittelfeld. Weiterhin wurden nun lange Bälle in das Freiburger Spiel eingebaut. Die neu eingewechselten Flügelspieler konnten, durch geschickte diagonale Laufwege der Außenverteidiger ins Zentrum, die ihre Gegenspieler banden, auf dem Flügel durch diagonale Flugbälle freigespielt werden. Die neuen besaßen einen erheblichen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber ihren, durch unzählige vorherige Duelle ermüdeten, Gegenspielern ausnutzen.

So konnte der SC schnell den Ausgleich erzielen. Fabian Rüdlin gewann den Ball im Zentrum zurück und durch eine schnelle Verlagerung auf die linke Seite wurde Kamran Yahyaijan in ein Duell mit seinem Gegenspieler geschickt, welcher sich kurz vor dem Strafraum nur mit einem Foul zu helfen wusste. Den fälligen Freistoß verwandelte Vilart Hasani in unwiderstehlicher Weise.

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Nur fünf Minuten später konnten die Freiburger abermals ihre Geschwindigkeitsvorteile ausspielen. Marvin Geng konnte einen Eckball abfangen und mit einem weiten Abschlag Kamran Yahyaijan in ein Duell mit seinem Gegenspieler schicken. Dieser hatte eigentlich keine Aussicht auf ein Gewinn des Duells, doch allein durch sein geschicktes Zweikampfverhalten war es dem Abwehrspieler nicht möglich, einen kontrollierten Befreiungsschlag zu machen. Der zweite Ball wurde also von Tim Probst gewonnen, welcher daraufhin den Turbo zündete und erst im Strafraum wieder auf den mitgelaufenen Yahyaijan querlegte, der wiederum nur noch den Ball im Tor unterbringen musste.

So lässt sich resümieren, dass es die Freiburger schafften, mit ihrer Spielweise, dem Überladen der Flügel und später mit dem Überbrücken des Mittelfeldes durch kontrollierte(!) Diagonalbälle, die Darmstädter immer wieder in direkte Duelle auf den Flügeln zu verwickeln und Nadelstiche zu setzen, die sich am Ende bezahlt machten. Weiterhin wurde die Spielweise nach dem Rückstand kurz vor Schluss nicht komplett verworfen, sondern lediglich optimiert.

Autor: Lars Petersson

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