Die soziale Kompetenz eines Fußballtrainers

…oder: Verhaltensmaßregeln sind nicht nur für Spieler da.
Jeder, der hin und wieder ein Fußballspiel im Fernsehen sieht, hat so seine Lieblinge als Trainer – wobei „Lieblinge“ natürlich genau das Gegenteil meint. Die einen finden Felix Magath unerträglich, weil er stets aufspringt und sich mit dem vierten Offiziellen anlegt, den anderen sind Typen wie Thomas Tuchel unsympathisch, die – nach dem Spiel und im Falle einer Niederlage – an keinem Mikrophon vorbeigehen können, ohne abfällige Bemerkungen über die Entscheidungen des Schiedsrichter loszuwerden. Manchmal regen sich Trainer zu Recht, manchmal zu Unrecht auf – errare humanum est, könnte man auch sagen. Doch wer sich ständig mit dem Unparteiischen, dem Publikum oder dem Trainer des Gegners anlegt, kann nicht auf ewig als Vorbild durchgehen. Doch Vorbilder werden gebraucht, ob für junge Fußballer oder auch für Trainer von Jugend- und Amateurmannschaften.

Auch ein Trainer braucht Verhaltensmaßregeln, oder anders ausgedrückt: er muss sozial so kompetent sein, dass er sich im Griff hat. Das geht bei der Pünktlichkeit los – ein Trainer sollte vor einem Spiel der erste sein, der beim Treffpunkt, am Stadion oder in der Kabine ist. Für das Training gilt das natürlich erst recht, schließlich sollte der Trainer schon einige Minuten vor Beginn auf dem Platz sein. Doch nur dort zu sein, genügt natürlich nicht: auch die Vorbereitung einer Einheit gehört bereits zum Training. Die Spieler merken es mit der Zeit, wenn ein Trainer ständig improvisieren muss, weil er sich vorher keine Gedanken über einzelne Übungen und den gesamten Ablauf einer Einheit gemacht hat.

Soziale Kompetenz, das bedeutet auch, sich für seine Spieler ein wenig mehr zu interessieren als einzig nur für ihr fußballerisches Vermögen. Was das im Einzelnen ist, muss jeder Trainer selbst wissen, zumindest aber kann es nicht schaden, sich ein wenig für die schulische bzw. berufliche Situation eines jeden Spielers zu interessieren. Auch weckt ein Trainer Vertrauen bei seinen Spielern, wenn er z.B. weiß, dass sie an einem bestimmten Tag Geburtstag haben o.Ä. Und einmal pro Halbsaison bietet es sich an, zusätzlich zu den Trainingseinheiten eine Unternehmung mit der Mannschaft zu machen, die nichts mit dem Fußball an sich zu tun hat.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Zusammenhang mit der sozialen Kompetenz eines Trainers ist in jedem Fall die Disziplin. Jeder Trainer erwartet sie von jedem Spieler. Doch nur, wenn ein Trainer selbst Disziplin an den Tag legt, darf er sie von seinen Spielern auch einfordern. Das geht los beim Umgang mit dem Gegner, mit Zuschauern, mit Schiedsrichtern oder mit dem Platzwart oder dem Betreuer. Freundlichkeit und Grüßen haben noch keinem geschadet, und wenn doch irgendwo Konflikte entstehen, sollte ein Trainer in der Lage sein, sie sachlich und konstruktiv zu lösen. Laut werden ist keine Lösung und wäre auch ein falsches Signal an die eigenen Spieler. Auch verbale Entgleisungen gilt es in jedem Fall zu vermeiden. (Dass physische oder psychische Gewalt ein absolutes Tabu sein sollte, braucht eigentlich nicht gesondert erwähnt zu werden.) Dabei sollte sich ein Trainer auch immer selbst „beobachten“ und hinterfragen können. Die Vorbildfunktion spielt für die eigenen Spieler eine wichtige Rolle.

Ebenso unabdingbar für das vorbildhafte Verhalten und die soziale Kompetenz ist es, gruppendynamische Prozesse erkennen und gegebenenfalls steuern zu können. Treten Probleme innerhalb der Mannschaft auf, muss der Trainer diese moderieren und im Idealfall auch lösen können. Wenn Spieler von Mannschaftskameraden ständig ausgegrenzt (oder, im schlimmsten Fall, gemobbt) werden, muss der Trainer auch einmal in der Lage sein, mit strenger und gerechter Hand durchgreifen zu können. Dabei ist es unvermeidlich, unangenehme Dinge in Gruppen- und Einzelgesprächen ansprechen zu können und dabei souverän zu bleiben.

Schreibe einen Kommentar