Trainingsgestaltung: Positionsspiele richtig einsetzen

Im Fußball werden viele unterschiedliche Fähigkeiten und Kompetenzen für ein erfolgreiches Spiel benötigt. Neben einer ausgezeichneten Ausdauer, Laufgeschwindigkeit und Schusskraft kommt es hierbei vor allem auf das technische Können sowie die Beweglichkeit der Spieler an. Diese Kernkompetenzen können am besten durch Positionsspiele verbessert werden. Als Trainer sollten Sie jedoch genau abwägen welche Spiele Sie wie oft in Ihr Training einbauen, denn diese besitzen nicht nur Vorteile, sondern ebenfalls einige schwerwiegende Nachteile. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie, was Positionsspiele sind, welche Vor- sowie Nachteile diese besitzen, wann diese Spiele in Ihrem Training eingebaut werden sollten und welche Ziele ein Positionsspiel verfolgt. Zusätzlich erfahren Sie mehr über besonders effiziente Positionsspiele, die sich in der Praxis bewährt haben und erhalten hilfreiche Tipps, um Ihr Coaching zu verbessern.

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Was sind Positionsspiele?

Die Positionsspiele werden von Experten als eine Abwandlung bzw. Weiterentwicklung des „Totalen Fußballs“ betrachtet. Dieses veraltete Spielsystem sah vor, dass sich sämtliche Spieler zwar einerseits frei auf dem Platz bewegen können, aber ihre Position immer von einem anderen Spieler unverzüglich übernommen werden musste. Würde ein Spieler eine bestimmte Zone verlassen, so wäre ein anderer Spieler dazu gezwungen, die Position des ersten Spielers einzunehmen. Natürlich wird dies ebenfalls auf den nächsten Spieler angewendet, sodass immer alle zehn Feldspieler gemeinsam agieren müssen. Dadurch sollten bestimmte Grundformationen aufrechterhalten und eine Minimierung der Laufwege erreicht werden. In der Regel sind diese Positionierungen der Spieler jedoch nur sehr schwer über das gesamte Spiel aufrechtzuerhalten, da diese von physischen Veränderungen und einer allgemeinen Erhöhung der Dynamik im Fußball betroffen sind.

Bei Positionsspielen hingegen bleiben lediglich bestimmte Zonen des Spielfeldes ständig besetzt und führen dabei zu einer bestimmten Grundformation. Im Idealfall ist hierbei unerheblich, welcher Spieler eine bestimmte Zone auf dem Spielfeld einnimmt. Entscheidend ist lediglich, dass eine vorgegebene Grundformation während der gesamten Dauer des Positionsspiels eingehalten wird. Dabei dürfen sich die Spieler jedoch auch in einem vordefinierten Bereich frei bewegen, ohne einen anderen Spieler zum Nachrücken zu zwingen.

Während des Positionsspiels wird durch ein geschicktes Bewegungsspiel und ein konstantes Freilaufen sowie Dreiecksspiel der Ball in den eigenen Reihen ununterbrochen laufen gelassen. Dadurch wird vorrangig beabsichtigt, dass der Gegner seine Verteidigungsformation verlässt und sich erfolgversprechende Lücken in dessen Verteidigung öffnen. Durch diese können die Spieler schließlich einen geschickten Pass spielen und dadurch eine attraktive Torchance erhalten.

Was sind die Ziele der Positionsspiele?

Im Training verfolgen Positionsspiele klare Ziele, um die Leistungsfähigkeit der Spieler zu erhöhen. Durch das schnelle und geschickte Spiel soll vor allem die allgemeine Spielintelligenz der Spieler erhöht werden. Darüber hinaus stellen Positionsspiele eine besonders große Herausforderung für das menschliche Gehirn dar. Durch immer schneller werdende Positionsspiele können die kognitiven Fähigkeiten eines Spielers auf lange Sicht verbessert werden und dadurch die allgemeine Spielleistung erhöhen.graetsche1-1

Weiterhin haben Positionsspiele ebenfalls einige direkte Vorteile auf das Spiel der Fußballer. Bei einem regelmäßigen Training mit Positionsspielen sind die Fußballer in der Lage, Überzahlsituationen deutlich besser auszunutzen. Dadurch können Vorteile genutzt werden, die sich durch diese Situationen ergeben, die letztlich in realistischen Torchancen enden. Ein weiteres vordergründiges Ziel der Positionsspiele besteht in einer nachhaltigen Verbesserung des Ballbesitzspiels der Mannschaft. Dieses wird unweigerlich durch Positionsspiele ebenfalls trainiert. Darüber hinaus trainieren die Fußballer gleichzeitig ebenfalls ihr Umschaltverhalten und sind dadurch in der Lage, sowohl schnell als auch effizient zwischen einem Angriffsverhalten und einem Abwehrverhalten umzuschalten.

Bei einem regelmäßigen Positionsspiel werden die Fußballer ebenfalls deutlich besser in der Bildung von Dreiecks- und Rautenformationen in einem laufenden Spiel. Diese können genutzt werden, um den Gegner an einer Balleroberung zu hindern und das eigene Überzahlspiel richtig zu nutzen. Letztlich setzt sich das Positionsspiel ebenfalls zum Ziel, das technische Können der Spieler nachhaltig zu verbessern, damit diese auch in schwierigen Situationen unter hohem Druck auf ihre Fähigkeiten zurückgreifen können.

Die Vorteile der Positionsspiele

Die Integration von Positionsspielen in Ihr Training verspricht viele attraktive Vorteile. Durch diese können Sie Ihre Spieler nicht nur in zahlreichen für den Fußball relevanten Fähigkeiten und Kompetenzen trainieren, sondern ebenfalls die körperliche Leistungsfähigkeit der Spieler erhöhen. Das häufige Passen verbessert bei Ihren verteidigenden Spielern das technische Können und sorgt für eine deutlich bessere Beweglichkeit sowie Situationsbewertung. Für Ihre angreifenden Spieler hingegen ist das Positionsspiel eine ausgezeichnete Möglichkeit, um das eigene Spiel unter hohem Druck zu verbessern.

Durch Positionsspiele können Ihre Spieler nämlich nicht nur das eigene Verhalten in einem Überzahlspiel trainieren und üben, wie sie einen Vorteil aus dem Überzahlspiel ziehen können. Auch das Verhalten bei gegnerischem Überzahlspiel wird durch diese Übungen verbessert. Dadurch erhalten Sie ein umfassendes Training für viele Situationen, die in jedem Fußballspiel vorkommen. Ein letzter Vorteil, der vom Trainer nicht unterschätzt werden sollte, besteht darin, dass für ein Positionsspiel nur sehr wenig Platz benötigt wird. Es lässt sich sowohl auf dem Rasen als auch in der Sporthalle durchführen und stellt ein ideales Training unter sämtlichen Wetterbedingungen dar.

Die Nachteile der Positionsspiele

Positionsspiele in das eigene Training zu integrieren führt jedoch ebenfalls zu einigen Nachteilen, die nicht von der Hand gewiesen werden können. Wie bei vielen anderen effektiven Trainingsmethoden ist auch bei Positionsspielen einer der größten Nachteile, dass diese besonders viel Zeit in Anspruch nehmen. Natürlich lohnt es sich immer, Positionsspiele in das eigene Training zu integrieren, jedoch steht Ihnen als Trainer nur eine begrenzte Zeit für das Training Ihrer Spieler zur Verfügung. Die besonders zeitintensiven Positionsspiele verhindern dadurch ein Training anderer Fähigkeiten und Kompetenzen. Neben dem Verhalten bei einem eigenen oder gegnerischen Überzahlspiel werden jedoch ebenfalls eine hohe Ausdauer, Laufgeschwindigkeit und Schusskraft benötigt.

Neben der mangelnden Zeit für alle vorteilhaften Übungen sind Positionsspiele ebenfalls besonders auslaugend und anstrengend für die Spieler. Aus diesem Grund sollten sie nicht gemeinsam mit Ausdauerübungen oder Sprinttraining in einer Trainingseinheit kombiniert werden. Darüber hinaus sind in einem Positionsspiel besonders viele Geschwindigkeits- und Richtungswechsel notwendig. Sowohl angreifende als auch verteidigende Spieler müssen fortlaufend ihre Bewegungen anpassen. Dadurch entsteht ein überaus hohes Verletzungsrisiko für die Spieler. Die richtige Zeit ist für die Durchführung von Positionsspielen also entscheidend.

Wann sollten Positionsspiele vorzugsweise trainiert werden?

Positionsspiele dürfen niemals am Ende einer Trainingseinheit angesiedelt werden. Durch die häufigen und schnellen Geschwindigkeits- sowie Richtungswechsel der Spieler besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr. Sollten die Spieler dabei ebenfalls erschöpft sein oder eine mangelnde Konzentration besitzen, so erhöht sich das Verletzungsrisiko zusätzlich.

Aus diesem Grund müssen Positionsspiele immer am Anfang eines Trainings durchgeführt werden. Hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass die Spieler sich vor dem Positionsspiel ausreichend aufwärmen sowie dehnen, um Verletzungen zu vermeiden. Hierbei bietet es sich an, vorerst einige Aufwärmübungen durchzuführen und erst danach mit einem Positionsspiel zu beginnen.

Was sind besonders effektive Positionsspiele?

Bei einem Positionsspiel treten grundsätzlich Spieler in unterschiedlichen Teams gegeneinander an. Hierbei kann sowohl auf ein Gleichzahl-, Unterzahl- als auch Überzahlspiel gesetzt werden. In der Regel wird für die Durchführung dieser Übungen lediglich sehr wenig Platz benötigt. Aus diesem Grund kann der Trainer stets das gesamte Team in diese Übungen integrieren.

Vier gegen Einen mit Felderwechsel

Besonders effektiv für ein Training mit Überzahl- sowie Unterzahlspiel ist die Übung Vier gegen Einen mit Felderwechsel. Diese Übung kann mit Teams in einer beliebig hohen Anzahl von Spielern durchgeführt werden. In der Regel ist es jedoch ratsam, die Übung mit maximal 15 Spielern gleichzeitig durchzuführen. Bevor die Übung beginnt, muss ein Spielfeld für die Spieler abgesteckt werden. Hierfür haben Sie einen großen Spielraum für Variationen und eine Anpassung der Trainingsumstände. Je kleiner das Feld ist, umso schwieriger wird es für die Spieler in der Überzahl einen Vorteil aus ihrem Überzahlspiel herauszuholen. Je größer das Spielfeld gewählt ist, umso anspruchsvoller wird es für den einzelnen Spieler, der in Unterzahl spielen muss.

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Meist wird hierbei ein Spielfeld in der Form eines Quadrates oder Rechtecks mit Seitenlängen von zehn bis 40m gewählt. Abhängig von der Variation und der Trainingsintention kann der Trainer hierbei ebenfalls ein Start- bzw. Zielgebiet definieren. Wird die Übung mit einem Felderwechsel durchgeführt, so befinden sich zwei Quadrate oder Rechtecke direkt nebeneinander. Alternativ können ebenfalls drei Felder nebeneinander platziert werden.

In jedem Feld befinden sich vier Spieler eines Teams. Der Trainer des Teams rüstet sich mit zahlreichen Bällen aus und platziert sich direkt vor den Feldern, sodass er jedes der Felder optimal anspielen kann. Neben ihm befindet sich vor jedem Feld jeweils ein gegnerischer Spieler. Sobald das Training beginnt, passt der Trainer jeweils einen Ball in die Felder zu einem der vier Spieler. Gleichzeitig rennt der angreifende Spieler los und betritt ebenfalls das Spielfeld. Nun müssen sich die vier verbündeten Spieler den Ball eine im Vorfeld definierte Zeitspanne gegenseitig zupassen und dabei verhindern, dass der gegnerische Spieler den Ball erobern kann. Der angreifende Spieler hingegen versucht, den Ball zu erobern und aus dem Spielfeld herauszupassen.

Als Trainer können Sie hierbei kreativ werden. Die Zielvorgabe kann sein, dass die Spieler den Ball für eine bestimmte Zeit behalten oder eine bestimmte Anzahl an Kontakten erreichen müssen. Hierbei können Sie ebenfalls einen Felderwechsel nach einer vorgegebenen Anzahl von Kontakten oder nach einer im Vorfeld definierten Zeit durchführen. Es ist ebenfalls möglich, die zulässigen Kontakte zu begrenzen, sodass kein Spieler den Ball zu einem Spieler zurückpassen darf, sondern diesen zu einem anderen Spieler passen muss. Außerdem können Sie Zusatzaufgaben definieren, welche die Angreifer erfüllen müssen, bevor diese das verteidigende Team angreifen dürfen. Häufig wird hier ein Hütchen aufgestellt, um welches vor dem Angriff einmal gerannt werden muss.

Diese Übung eignet sich hervorragend für kleinere Wettbewerbe. Hierbei können Sie sowohl die eroberten Bälle als auch die erfolgreichen Pässe als Punkte zählen lassen und nach der Übung einen Gewinner ermitteln. Dadurch wird der Sportsgeist der Spieler zusätzlich geweckt und eine höhere Leistungsbereitschaft erreicht.

Elf gegen Elf auf 40m x 40m

Bei dieser Form der Positionsspiele handelt es sich um ein besonders effektives Training, um das Agieren unter hohem Druck zu verbessern. Dabei wird nicht nur die Handlungsschnelligkeit, sondern ebenfalls die Technik der Spieler enorm verbessert. Grundsätzlich handelt es sich dabei um ein Gleichzahlspiel. Alternativ können Sie aber ebenfalls eine Variation dieser Übung verwenden, um ein Überzahl- sowie Unterzahlspiel zu erzielen.
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Vor der Übung müssen Sie einen besonders kleinen Bereich auf dem Rasen als Übungsfeld abstecken. In der Regel ist dieser 40 m x 40 m groß. Alternativ können Sie den Bereich ebenfalls verkleinern oder vergrößern. Achten Sie hierbei jedoch darauf, dass die Spieler noch immer genügend Spielraum haben, um Verletzungen zu vermeiden.

Anschließend müssen Sie zwei gegnerische Teams festlegen. In der Standardform dieser Übung werden hierfür jeweils elf Spieler benötigt. Alternativ können Sie natürlich ebenfalls die Anzahl der Spieler variieren und sogar ein Unterzahl- sowie Überzahlspiel schaffen. Hierbei müssen Sie jedoch bei der Durchführung der Übung einiges beachten. Beginnen Sie deshalb immer mit einem Gleichzahlspiel.

Sobald das Training beginnt, wird vom Trainer ein Ball in das Trainingsareal gepasst. Beide Teams müssen versuchen, den Ball so schnell wie möglich zu erobern. Sobald ein Team in Ballbesitz gekommen ist, muss dieses den Ball so schnell wie möglich passen. Dabei können Sie ebenfalls Regeln definieren und so die Passgeschwindigkeit anpassen. So könnte der Ball unter anderem an den Gegner fallen, wenn dieser länger als drei Sekunden gehalten wird. Das gegnerische Team muss den Ball erobern und im Falle des Ballbesitzes ebenfalls passen.

Dieses Training eignet sich hervorragend als kleiner Wettkampf. Hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass Sie die gespielten Pässe oder die Zeit in Ballbesitz bei unterschiedlich großen Teams unterschiedlich gewichten. 60 Pässe von einem Team mit sechs Spielern zählen dabei ebenfalls so viel wie 90 Pässe von einem Team mit neun Spielern. Sorgen Sie stets auch bei unterschiedlichen Teamgrößen für Chancengleichheit.

Worauf sollte man als Trainer beim Coaching achten?

Um den maximalen Nutzen aus diesen Übungen zu ziehen, sollten Sie als Trainer auf eine hohe Passgeschwindigkeit achten. Versuchen Sie, die Kommunikation der Spieler miteinander zu fördern und langsames Spielen sowie Verzögerungen zu bestrafen. Je schneller die Spieler sich den Ball zupassen, annehmen und weiterpassen können, umso höher wird deren Leistung im nächsten Wertungsspiel ausfallen.

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Weiterhin sollten Sie immer darauf achten, dass das Training nicht an Geschwindigkeit verliert. Wird der Ball aus dem Trainingsbereich herausgespielt, so müssen Sie umgehend einen neuen Ball ins Spiel bringen. Kann dadurch die Geschwindigkeit nicht aufrechterhalten werden, so müssen Sie Punktabzüge für das Herausspielen einführen und so eine bessere Aufmerksamkeit der Spieler begünstigen.

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Bildquelle: Laszlo Szirtesi / Shutterstock.com
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