Viererkette – so wird effektives Abwehrverhalten trainiert

Früher wurde im Fußball noch mit einem sogenannten Libero gespielt. Heute ist die Viererkette die bevorzugte Defensiv-Taktik. Doch damit diese wie gewünscht funktioniert, sollte sie immer wieder ins Training integriert werden. Denn wenn nur ein Innenverteidiger oder Außenverteidiger nicht wie seine Kollegen herausrückt beziehungsweise verschiebt, kann der Gegner sich einen Vorteil verschaffen.

ZweikampfWas muss der Trainer bei der 4er-Kette im Fußball beachten?

Zunächst einmal ist es wichtig, dass möglichst viele Spieler am Training teilnehmen. Denn nur wenn möglichst realistische Bedingungen geschaffen werden, kann die Viererkette perfekt einstudiert werden. Am besten nehmen die Sportler hierbei auch die Positionen ein, die sie auch im Spiel spielen. Wichtig ist, dass der Trainer seinen Schützlingen beibringt, wie sich ballorientiert verteidigen.

Denn das Verschieben in der Viererkette bringt nichts, wenn sie das Spielgerät dabei aus den Augen verlieren. Was viele Sportler nicht wissen ist, dass nicht nur die Innenverteidiger und die Außenverteidiger, sondern die komplette Mannschaft mitarbeiten muss, damit eine Abwehrkette funktionieren kann. Nur wenn die Stürmer und die Mittelfeldspieler die Lücken klein halten, kann diese Taktik aufgehen.

Die Geschichte der Viererkette im Fußball

Als im Jahr 1963 die ersten Fußballregeln bestimmt wurden, dachte sicherlich noch niemand an die heute so häufig verwendete 4er-Kette. Denn damals wurde Mann gegen Mann und noch nicht im Raum verteidigt. Bis zur Weltmeisterschaft im Jahr 1998 in Frankreich dauerte es, bis die meisten Profimannschaften im Fußball ballorientiert verteidigten. Dennoch waren die Brasilianer 1958, die als eine Art Vorreiter der heutigen 4er-Kette. Je nachdem ob sie selber, oder eben die gegnerische Mannschaft den Ball hatte, spielten sie mit sechs Angreifern ober eben mit sechs Verteidigern.

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Ab den 70er- und 80er-Jahren entwickelte sich der Fußball dann schnell weiter. So wurde damals vor allem in Holland und Belgien hauptsächlich mit Raumdeckung, Pressing und Abseitsfalle gespielt. Somit ähnelte die Spieltaktik durchaus der aus der heutigen Zeit. Vor allem die niederländische Nationalmannschaft spielte im Jahr 1974 unter Trainer Rinus Michel mit einer 4er-Kette und sogar schon mit Außenverteidigern, die immer wieder offensiv agierten.

Diese Taktik sorgte immerhin zu einem zweiten Platz bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Letztlich war es der Holländer und ehemalige Coach des FC Bayern München Louis von Gaal der die heutige 4er-Kette auf den Weg brachte. Er stellte zwei Innenverteidiger auf, die jeweils einen Gegenspieler deckten und ließ das komplette Team in Raumdeckung spielen. Somit hatte der gute alte Libero endgültig ausgedient.

Wie funktioniert ein effektives Abwehrverhalten in der Viererkette?

Zunächst einmal betrifft, wie bereits erwähnt, die Viererkette die komplette Mannschaft. Mit ihr soll das Team auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben und sich auch gegen besonders starke Mannschaften behaupten können. Nicht selten ist der Gegner auch von der gut einstudierten Taktik überrascht und weiß nicht, was er tun soll. Damit das funktioniert, müssen alle Spieler gut verschieben und in Ballnähe immer wieder Überzahl schaffen. Wenn eine Mannschaft mit Viererkette spielt, spielt sie in den meisten Fällen Raumdeckung und keine Manndeckung. Das bedeutet, dass die Innenverteidiger wie auch die Außenverteidiger über eine gute Kondition verfügen müssen.

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Nur dann können sie immer wieder Überzahl schaffen und durch gezieltes Doppeln der einzelner Gegenspieler Ballgewinne forcieren. Dieser kann das nur verhindern, indem er hintenrum oder Querpässe spielt. Dadurch kann er keinen Raumgewinn erzielen und die eigene Mannschaft hat ihr erstes Ziel erreicht. Aller überlaufenden Gegenspieler werden übergeben. Auch das funktioniert nicht einfach so, sondern sollte ebenfalls immer wieder mit der kompletten Mannschaft geübt werden. Wenn alle Spieler in einem Spiel passend verschieben, werden die Passwege der gegnerischen Mannschaft zugestellt. Dadurch kann diese keine Angriffe bis zum Torabschluss durchziehen und dementsprechend auch keine Tore erzielen.

Einige praktische Übungen für die Viererkette

1. Übung: Verschieben in der Viererkette

Zunächst baut der Trainer zwei parallele Spielfelder auf, die er dann jeweils mit zwei Vierer-Mannschaften besetzt. Ein Team hat den Ball und bleibt auch erst einmal in Ballbesitz. Die Akteure passen sich diesen schnell und möglichst direkt zu, während die Viererkette das gegnerische Team durch kluges Verschieben alle Lücken schließt. Wenn sich die Angreifer sehr direkt nähern, rückt ein Verteidiger vor und übt damit Druck auf den ballführenden Angreifer aus. Die beiden anderen Abwehrspieler positionieren sich schräg-seitlich hinter ihm, um ihn bestmöglich abzusichern. Der vierte Mannschaftskollege rückt zwar so weit ein, um die Lücke zu seinem Nachbarn zu schließen, sichert aber zusätzlich auch die Breite. 

2. Übung: 4-gegen-4 auf Passtore

Zwei Viererteams bleiben weiterhin in den beiden zuvor abgesteckten Spielfeldern. Auf jeder Grundlinie werden jetzt zwei Stangentore aufgestellt. Der Rest der Mannschaft wird ebenfalls in Viererteams aufgeteilt. Gespielt wird in einem Turnier jeder gegen jeden. Eine Partie dauert vier Minuten, wobei der Trainer oder der Co-Trainer jeweils die Treffer zählt. Um die Gegentore zu verhindern, müssen die verteidigenden Teams gut und vor allem harmonisch verschieben. Der ballführende Spieler muss zudem im richtigen Moment unter Druck gesetzt werden, um ihn zu einem Fehler zu zwingen.

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3. Übung: Viererkette und Angriff durch die Mitte

Mit dieser Übung kann der Coach die 4er-Kette einstudieren lassen. Die Innenverteidiger und die Außenverteidiger lernen, wie sie sich bei einem Angriff durch die Mitte verhalten müssen. Zunächst steckt der Trainer insgesamt vier Zonen mit Hütchen ab. Dann teilt er wiederum einige Viererteams ein, wovon sich zwei gegenüber aufstellen. Sobald der Coach ein Signal gibt, werden die Zonen zwei und drei angegriffen.

Die Akteure müssen hierbei schnell reagieren, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Es wird immer Mal wieder Situationen geben, in denen die Viererkette zu einer Dreierkette wird. Das kommt auch in einem Spiel regelmäßig vor und lässt sich mit diesen Übungen sehr gut simulieren und trainieren.

4. Übung: Viererkette und Angriff über die Flügel

Mit dieser Übung üben die Innenverteidiger und Außenverteidiger, wie sie sich bei einem Angriff über die Flügel bewegen müssen. Denn nicht selten sind sie in solchen Situationen unorganisiert und lassen immer wieder Flanken zu. Das gilt es natürlich zu vermeiden. Es werden wieder vier Zonen mit Hütchen abgesteckt und es stellen sich wieder zwei Vierer-Mannschaften gegenüber auf. Der Trainer gibt ein Signal ab und die Angreifer greifen Zone eins und Zone vier an.

5. Übung: Viererkette und Angriffe über alle möglichen Positionen

Diese Übung ist sehr realistisch. Denn in einem Spiel greifen die gegnerischen Spieler auch nicht immer wieder nur auf eine bestimmte Art an. Vielmehr werden sie versuchen, unterschiedliche Angriffe zu starten, um die Abwehr auf alle möglichen Weisen zu attackieren. Die Stürmer passen sich in einer zuvor markierten Zone den Ball zu und greifen dann nacheinander die verschiedenen Weisen anzugreifen. Nach zwei Durchgängen tauschen die Akteure die Rollen und die Stürmer werden zu Verteidigern und umgekehrt.

6. Übung: Abschlussspiel mit Viererkette und Sechsern gegen den Rest

Am Ende des Trainings lässt der Coach die Viererkette (jeweils zwei Außenverteidiger und zwei Innenverteidiger) mit den beiden Sechsern gegen den Rest des Teams antreten. Sollten sie den Ball erobern, kontern sie auf zwei Stangentore, die an der Mittellinie stehen. Bei dieser Übung müssen die Sechser viel verschieben, um die Unterzahl im Mittelfeld wett zu machen.

Fazit:

Die 4er-Kette ist in der heutigen Zeit ein sehr wichtiges Mittel, um sich einen Vorteil gegenüber der gegnerischen Mannschaft zu verschaffen. Daher sollte der Trainer den Sportlern immer wieder die Theorie und auch die Praxis erläutern. Hierfür kann er die oben aufgelisteten Übungen in seine Trainingszeiten einbauen. Wichtig ist, dass die komplette Mannschaft mit eingebunden wird. Denn nur wenn alle mitmachen und richtig agieren, ist die 4er-Kette ein effektives Mittel.

Das bedeutet unter anderem auch, dass neben den Verteidigern auch die Mittelfeldspieler wie auch die Stürmer passend verschieben müssen und auf diese Weise die Lücken klein halten. Dadurch sind die Gegner dazu gezwungen, Querpässe zu spielen und kommen so auch zu keinen gefährlichen Torabschlüssen. Wichtig ist, dass die Spieler die Bewegungsabläufe immer wieder wiederholen und damit ideal verinnerlichen.

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