Der Trainer als Psychologe – Wie soll man auf private Probleme der Spieler reagieren?

Beim Fußball trägt der Trainer die Verantwortung für die sportliche Entwicklung der Spieler, was auch bedeutet, dass der Trainer als Psychologe auftreten muss. Das regelmäßige Training und die häufigen Spiele sind jedoch nicht lediglich vom Training und den individuellen Potenzialen der Spieler abhängig. Jeder Spieler ist ein individuelles menschliches Wesen und führt ein mehr oder weniger bewegtes Privatleben.

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Wie bei jedem Menschen können im Privatleben der Spieler Probleme auftauchen, die sich auf die Stimmung und die geistige Gesundheit der Spieler auswirken können. Um auf dem Feld die besten Ergebnisse zu erzielen, muss der Trainer sich nicht nur um die Fitness und die körperlichen Fähigkeiten der Spieler kümmern, sondern sich ebenso von Zeit zu Zeit als Psychologe den privaten Problemen der Spieler annehmen.

Welche privaten Probleme könnte ein Spieler haben?

Bei Fußballern können verschiedene private Probleme auftauchen, die sich auf die Leistung im Training und Spiel auswirken können. Für gewöhnlich unterteilt man diese privaten Probleme in mehrere verschiedene Kategorien, da sich manche Probleme in vielerlei Hinsicht ähnlich sind. So können bei einem Spieler bspw. die folgenden Problemarten auftreten:

  • Probleme in der Beziehung
  • Finanzielle Probleme
  • Streit mit Freunden oder anderen Spielern
  • Streit mit der Familie
  • Schuldbewusstsein
  • Krankheiten naher Angehöriger
  • eigene Krankheit

Die wohl am häufigsten bei Fußballern auftretenden privaten Probleme, sind Probleme in der eigenen Beziehung. Diese können verschiedenste Ursachen haben und wirken sich besonders stark auf die spielerische Leistung aus. Meist handelt es sich bei den Problemen um eine Meinungsverschiedenheit oder einen Streit. Aber auch die eigene Untreue oder die Untreue des Partners können ausschlaggebende Kriterien für die Entstehung solcher Probleme sein.

Weiterhin leiden Fußballer relativ häufig an finanziellen Problemen. Mit dem erhöhten Einkommen der Fußballer stellt sich für gewöhnlich ebenso ein höherer Lebensstandard ein. Da für gewöhnlich die Karriere eines Fußballers nicht erst mit 60 oder 70 endet, sondern der Beruf im besten Fall bis 35 oder 40 ausgeübt werden kann, machen sich viele Fußballer ernsthafte Sorgen, wie sie ihren Lebensstil nach ihrer Fußballkarriere aufrechterhalten können. Durch das erhöhte Einkommen bilden sich außerdem Wünsche und Bedürfnisse, die besonders preisintensiv sind. So stehen Fußballer in vielen Fällen ebenfalls vor dem Problem, etwas kaufen zu wollen und es sich nicht leisten zu können.

Ein ernster Streit mit Freunden oder anderen Spielern kommt relativ häufig vor. Das Foul eines Gegenspielers, ein Vorwurf wegen eines missglückten Torschusses oder eine unbedachte Pöbelei auf dem Spielfeld können sich schnell zu ernsten persönlichen Problemen entwickeln. Aber auch außerhalb des Spielfelds können Probleme dieser Art entstehen. Wann immer ein Spieler mit anderen Menschen interagiert, besteht das Risiko eines Streits und den damit verbundenen persönlichen Problemen. Einen besonders starken negativen Einfluss haben diese Streitereien, wenn der Streit mit einem Angehörigen der Familie besteht. Meist sind die Spieler dadurch besonders abgelenkt und können auf dem Spielfeld nur noch schwer konkrete Entscheidungen treffen oder übersehen wichtige Details in der gegnerischen Taktik.
Der Trainer als Psychologe
Ein weiteres, besonders häufig auftretendes persönliches Problem von Fußballspielern ist ein ausgeprägtes Schuldbewusstsein. Dies kann grundsätzlich durch alles Mögliche ausgelöst werden. Ein unentdeckt gebliebenes Foul gegen einen gegnerischen Spieler, ein falsches Verhalten gegenüber den Teamkameraden, einem Freund oder einem Familienmitglied bis hin zu einem simplen Strafzettel wegen Falschparkens – all dies kann zu einer Ablenkung auf dem Spielfeld aufgrund von Schuldbewusstsein führen.

Relativ selten, dafür aber besonders einflussreich ist eine schwere Krankheit oder ein Unfall von nahen Angehörigen. Die Sorge um das Wohlbefinden eines engen Freundes oder Familienmitgliedes führt in der Regel zu einer deutlichen Senkung des Leistungsvermögens.

Letztlich besteht noch die Möglichkeit einer ernsten eigenen Erkrankung des Spielers. Oftmals reicht bereits der Verdacht auf eine Krankheit aus, um die Leistung auf dem Spielfeld drastisch zu senken. Laufende Tests auf Krebs, Gelenkerkrankungen und andere Krankheiten können den Spieler besonders stark vom Training oder Spiel ablenken. In seltenen Fällen kann ein Spieler sogar an einer Depression leiden. Diese geistigen Erkrankungen sind nur schwer festzustellen und wirken sich besonders stark auf das Leistungsvermögen aus.

Wie sollte ein Trainer darauf eingehen?

Ein Trainer sollte auf jedes persönliche Problem des Spielers individuell eingehen. Nicht jedes Problem löst sich von selbst, wenn man den Spieler auf der Ersatzbank parkt und nicht jedes Problem kann gelöst werden, indem man dem Spieler ein Gespräch aufzwingt.

Probleme in der Beziehung verschwinden meist ebenso schnell, wie sie entstanden sind. Der Trainer kann also bei solchen Problemen dem Spieler besonders abwechslungsreiche Trainingsmethoden erteilen, um ihn von den Problemen abzulenken. Besonders monotone Trainingsmethoden wie beispielsweise ein Ausdauertraining, bei welchem der Spieler viel Zeit zum Nachdenken hat, sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Dem Spieler wird es vermutlich bereits nach kurzer Zeit wieder gut gehen.

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Bei finanziellen Problemen sieht es ähnlich aus. Es gibt nichts, was der Trainer während des Trainings oder des Spiels tun kann, um dem Spieler bei diesen Problemen zu helfen. Die beste Möglichkeit ist ein gut gemeinter Rat nach dem Training oder Spiel.

Auf Probleme mit anderen Spielern sollte hingegen direkt eingegangen werden, wenn die Probleme entstehen. Sobald der Trainer einen Streitfall während des Trainings bemerkt, kann er schlichtend auf die Spieler einwirken und so einem längerfristigen Streit entgegenwirken.

Bei einem Streit mit Familienangehörigen, der bereits sehr stark ausgeprägt ist und den Spieler im Training oder Spiel einschränkt, sollte der Trainer dem Spieler einen guten Rat und eventuell einige Tage frei geben, damit der Spieler den Streit aus der Welt schaffen kann.

Ein starkes Schuldbewusstsein kann in der Regel besonders gut durch ein vertrauliches Gespräch mit dem Spieler aus der Welt geschafft werden. Sollte der Trainer also bemerken, dass sich der Spieler mit einer Schuld quält, dann ist es eine gute Möglichkeit, dem Spieler ein vertrauliches Gespräch unter vier Augen anzubieten.

Eine schwere Erkrankung oder ein Unfall von nahen Angehörigen kann zu einer besonders großen Belastung werden. Der Trainer sollte also im persönlichen Gespräch und in der Analyse der Trainingseinheiten herausfinden, ob der Spieler spieltauglich ist. Da ein Spieler durch persönliche Probleme besonders stark eingeschränkt sein kann, empfiehlt es sich, den Spieler weitestgehend auf der Ersatzbank zu lassen.

Bei einer Erkrankung des Spielers oder ernster geistiger Probleme sollte auf den Spieler eingewirkt werden, sich ärztliche Hilfe zu suchen. Sollte das Resultat eines medizinischen Tests gerade ausstehen, kann versucht werden, den Spieler während des Trainings durch besonders vielfältige Trainingsmethoden abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen. Die Probleme verschwinden höchstwahrscheinlich, wenn die Resultate des medizinischen Tests feststehen. Eine Depression hingegen ist nicht nur eine geistige Erkrankung, sondern hat ebenfalls körperliche Ursachen. Der Trainer sollte also sofort handeln, wenn ein Spieler an unerklärlichen Schmerzen oder Emotionen leidet. In diesen Fällen sollte dem Spieler empfohlen werden, einen Arzt oder professionellen Psychologen aufzusuchen.

Welchen Rat sollte man als Trainer geben?

In vielen Fällen sind keine direkten Konsequenzen während des Trainings oder eines Spiels notwendig. Oftmals reicht es bereits aus, dem Spieler einen gut gemeinten Rat zu geben.

Bei Beziehungsproblemen hat es sich bewährt, dem Spieler zu raten, mit seinem Partner oder seiner Partnerin zu sprechen. Ein ausgiebiges Gespräch über das vergangene Handeln und vor allem über die Beweggründe kann besonders viele Streitfälle aus der Welt schaffen und dadurch die Probleme lösen. Weiterhin sollte der Rat gegeben werden, dass manchmal etwas Zeit notwendig ist, bis der Partner oder die Partnerin sich für ein Gespräch bereit fühlt.

Finanzielle Probleme hingegen erfordern eine individuelle Lösung. Je nachdem, welche Sorgen und Probleme bestehen müssen andere Ratschläge gegeben werden. Bei Sorgen über die Aufrechterhaltung des Lebensstils kann mit dem Spieler über eine Altersvorsorge gesprochen werden. Betreffend die PDer Trainer als Psychologerobleme und Sorgen hingegen einen besonders begehrten Gegenstand, den sich der Spieler nicht leisten kann, empfiehlt es sich, mit dem Spieler über das Sparen zu sprechen. Viele Wünsche können erst nach einer gewissen Zeit erfüllt werden und der Spieler muss lernen, Geduld zu entwickeln.

Bei Streit mit Freunden oder anderen Spielern kann eine neutrale Sichtweise auf die Dinge sehr helfen. Der Trainer sollte sich also die gesamte Situation erklären lassen, durch welche der Streit entstanden ist. Anschließend muss sich der Trainer bemühen, so neutral und unparteiisch wie möglich auf die Situation zu blicken. Dadurch kann der Spieler neue Einsichten gewinnen oder Argumente vom Trainer erhalten, die für eine Lösung des Streitfalls förderlich sind. Hier muss gemeinsam mit dem Spieler ein individueller Ratschlag gefunden werden.
Sollte der Streit mit einem Familienmitglied bestehen, gestaltet sich die Situation etwas schwieriger. Durch gesellschaftliche oder persönliche Zwänge sind viele Menschen nicht in der Lage, mit einem Familienmitglied ebenso offen zu sprechen wie mit einem guten Freund. Außerdem fällt es vielen Menschen schwer, aus einem Fehlverhalten von Familienmitgliedern die gleichen Konsequenzen zu ziehen wie aus einem Fehlverhalten von Freunden. Deshalb sollte der Trainer dem Spieler den Ratschlag geben, einen professionellen Psychologen aufzusuchen. Dieser kann dem Spieler für gewöhnlich besser helfen, mit Problemen bezüglich Familienmitgliedern umzugehen.

Bei Schuldproblemen kann ein Gespräch bzw. ein Geständnis besonders befreiend sein. Dem Spieler sollte also der Rat gegeben werden, mit irgendjemandem über den Vorfall zu sprechen. Sollte der Spieler nicht mit dem Trainer über den Vorfall sprechen wollen, dann bietet es sich an, dem Spieler zu raten, mit der Partnerin oder dem Partner darüber zu sprechen oder einen professionellen Psychologen aufzusuchen.

Eigene Krankheiten oder Krankheiten naher Familienangehöriger gehen den Spielern besonders nah. Da sich aus beidem eine ernstzunehmende Depression entwickeln kann, sollte dem Spieler unbedingt geraten werden, vorsorglich eine psychologische Behandlung zu beginnen. Diese ist besonders hilfreich, wenn sich die gesundheitliche Lage verschlechtert oder der nahe Angehörige sogar verstirbt.

Inwieweit sollte die Person am Trainingsbetrieb teilnehmen?

In vielen Fällen kann die Person ganz normal am Trainingsbetrieb teilnehmen. In gewissen bereits beschriebenen Situationen kann es sich jedoch anbieten, dem Spieler durch ein Sondertraining zu helfen oder einige Tage freizugeben. Da sich jedoch zahlreiche Probleme mit der Zeit von selbst lösen können, ist es in vielen Fällen sogar hilfreich, wenn dem Spieler durch das regelmäßige Training eine Stütze gewährt wird. In jedem Fall sollte eine Freistellung vom Training erst nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Spieler stattfinden. Was vom Trainer gut gemeint ist, kann unter Umständen sogar schädlich sein und den Spieler durch die Entfernung einer wichtigen emotionalen Stütze in noch größere Probleme stürzen.

Inwieweit sollte die Person am Spielbetrieb teilnehmen?

Beim Spielbetrieb ist die Situation eine andere. Sicherlich gelten hier die gleichen Grundsätze wie beim Trainingsbetrieb. Der Trainer darf jedoch nicht nur an die persönlichen Interessen des Spielers denken, wenn er das Team für ein Wertungsspiel aufstellt.

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In erster Linie ist der Trainer bei dem Spielbetrieb dem gesamten Team verpflichtet. Er muss das Team so aufstellen, dass die besten Bedingungen für einen Sieg geschaffen werden. Sollte ein Spieler trotz des Umstandes, dass er durch persönliche Probleme besonders leicht ablenkbar ist und nicht seine beste Leistung erbringen kann, dennoch eine bessere Wahl als ein anderer Spieler darstellen, dann kann der Spieler jedoch ohne Probleme im Wertungsspiel eingesetzt werden.

Unterschiede zwischen Profispielern und Amateurspielern?

Zwischen Profispielern und Amateurspielern gibt es hierbei besonders große Unterschiede. Da der Fußball die wirtschaftliche Grundlage für die Profispieler darstellt, stellt er einen wesentlich größeren Bestandteil des Lebens von professionellen Spielern dar. Amateurspieler haben hingegen ebenfalls mit persönlichen Problemen ihrer Arbeitsstelle zu kämpfen. Der wesentlichste Unterschied ist jedoch, dass Profispieler den Fußball als Beruf ausüben und Amateurspieler dem Fußball lediglich aus Spaß nachgehen. Entsprechend sollten bei Profispielern vor allem die Leistung und bei Amateurspielern der Spaß im Fokus stehen.

Inwieweit sollte man im Amateurbereich auf die Spieler eingehen?

Im Amateurbereich sollte sich der Trainer bezüglich der persönlichen Probleme der Spieler etwas zurückhalten. Der Trainer verbringt im Amateurbereich wesentlich weniger Zeit mit den Spielern und stellt statt einem Berater und Psychologen eher einen guten Freund oder Bekannten für die Spieler dar. Deshalb ist es ratsam, im Amateurbereich nicht aktiv auf die Spieler zuzugehen und zu versuchen, ihre Probleme zu lösen, sondern zu warten, bis die Spieler um Hilfe bitten. Zahlreiche Menschen betreiben den Fußball im Amateurbereich als Freizeitgestaltung und möchten sich während des Trainings von ihren Problemen ablenken und sich nicht mit ihnen beschäftigen.

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