2.13. Ballmitnahme als Stürmer und Offensivspieler

Jeder Spieler sollte zwar alle Ballmitnahmen beherrschen, das Anforderungsprofil einer Position macht jedoch eine Spezialisierung auf positionsspezifische Mitnahmearten erforderlich. Weiter hinten postierte Positionen müssen Zuspiele vorwiegend aus der offenen Stellung in die Tempobewegung mitnehmen oder Rückpässe zur Spielverlagerung umlegen. Also fast nur aus einer offenen Positionierung.
Stürmer dagegen arbeiten oft in engen, geschlossenen Situationen. Im besten Falle drehen sie sich mit der Ballmitnahme um den Gegner herum (= “Eindrehen”). Wenn sie zumindest halboffen oder offen aufdrehen können, haben sie sich mit der Ballmitnahme eine gute Ausgangsposition für die 1-gegen-1-Situation geschaffen (= “Aufdrehen“). Mitnahmen aus dem Lauf haben sie beim “Schneiden”.

Ballmitnahme durch Hütchentore als Erwärmung

Trainingsuebung für die Ballmitnahme

Organisation und Ablauf

• Die Spieler sind in Paare mit je einem Ball eingeteilt, sie bewegen sich in einem Übungsfeld mit Hütchentoren.
• Der Dribbler passt zu seinem Partner durch das Hütchentor, dieser nimmt den Ball hinter dem Hütchentor in die Bewegung mit.
• Gleicher Ablauf am nächsten Hütchentor.
Mitnahmearten:
– Der Passempfänger läuft parallel zur Hütchentorlinie (s. Abb.) und nimmt den Ball im 90°-Winkel mit in die Bewegung weg vom Hütchentor (= Schneiden der Spitze).
– Der Passempfänger startet nur 1 bis zwei Schritte frontal auf das Hütchentor zu und nimmt den Ball im 180°-Winkel mit in die Bewegung weg vom Hütchentor (= Eindrehen der Spitze).
– Der Passempfänger startet nur 1 bis zwei Schritte frontal auf das Hütchentor zu und nimmt den Ball im 90°-Winkel mit in die Bewegung parallel zum Hütchentor (= Mitnahme zum Aufdrehen).

Hinweise

• Die Mitnahmearten entsprechen denen eines Stürmers im Spiel, der sich aus der geschlossenen Stellung ein- oder aufdreht bzw. aus dem Anlauf in die Schneidebewegung mitnimmt.
• Druckpässe!
• Beidfüßige Ausbildung!

Variationen

• Weitere Mitnahmearten sind denkbar und im Sinne der breit gefächerten Ausbildung wünschenswert. Diese Montagseinheit behandelt jedoch ausschließlich Ballmitnahmen der Spitzen bzw. von häufig geschlossen agierenden Zentralpositionen (z. B. auch 10er und Rautenaußen).

Ballmitnahme durch Stürmer mit direktem Gegenspieler

Organisation und Ablauf

• Die Spieler wie in der Abbildung postieren.
• Der Passgeber legt sich den Ball zur Schusslinie vor und passt zum Angreifer im 1-gegen-1-Feld am Strafraum (=5×5 Meter).
• Der Angreifer umspielt den Verteidiger mit der jeweils vorgegebenen Ballmitnahme (s. Variationen).
• Der Verteidiger lässt ein Üben der Ballmitnahme zu, misslungene Mitnahmen verteidigt er aber (teilaktiv).
• Rundlauf: Passgeber wird zum Verteidiger, dieser zum Angreifer, der Angreifer holt den Ball und stellt sich auf der anderen Seite an.

Hinweise

• Das Vorlegen des Balles zur Schusslinie erlaubt dem Stürmer, seine Bewegung auf den Pass zu timen.
• Das enge 1-gegen-1-Feld simuliert den engen Raum des Stürmers im Spiel. Die Ballmit¬nahmen müssen entsprechend präzise sein.
• Beidseitige Ausbildung: Mitnahme jeweils nach außen, Pass jeweils mit dem Außenfuß.

Variationen

• Mitnahmearten:
Eindrehen (s. Abb. oben): Der Stürmer dreht sich mit der Mitnahme um den eng im Rücken deckenden Verteidiger herum. Der Verteidiger muss dazu Körperkontakt suchen, der Stürmer muss in den Verteidiger hinein drücken. TIPP: Mitnahme über die tornahe Linie des Hütchenfeldes.

Ballmitnahme mit Gegnerdruck

– Aufdrehen: s. links. TIPP: Mitnahme über die seitliche Linie des Hütchenfeldes.

Seitliche Ballmitnahme als Stürmer

– Schneiden: s. links unten. TIPP: den Tempovorsprung nutzen und den Verteidiger überlaufen.

Ballmitnahme mit Tempo

Stürmerspiel mit Fokus auf offensive Ballmitnahme

Ballmitnahme in Spielform

Organisation und Ablauf

• Halbes Spielfeld auf Strafraumbreite mit zwei Toren mit Torhütern.
• Strafräume als Stürmerzonen, die Stürmer agieren vorwiegend zwischen dem Strafstoßpunkt und der Strafraumlinie.
• Jede Mannschaft mit sieben Feldspielern, davon je zwei Verteidiger gegen die gegnerischen Spitzen, zwei eigene Spitzen und drei Mittelfeldspielern in der Mittelzone.
• Wird eine der Spitzen angespielt, muss sie sich alleine gegen den Verteidiger im Rücken im 1-gegen-1 durchsetzen und abschließen. Ein Zusammenspiel mit anderen Spielern ist dann nicht mehr erlaubt, andere Verteidiger dürfen ebenfalls nicht eingreifen.
• So muss der Stürmer seine Anschlussaktion mit einer guten Ballmitnahme vorbereiten.
• Exemplarische Mitnahmearten (s. Abb.):
– A: gerades Anspiel zum Stürmer auf der Ballseite, Eindrehen oder Aufdrehen.
– B: schräges Anspiel auf den einlaufenden ballferneren Stürmer, schneiden.

Hinweise

• Die Stürmer coachen, so dass sie lernen, in welcher Situation welche Mitnahme am besten ist:
– Gegner eng im Rücken: mit der nach hinten an den Gegner gehaltenen Hand diesen blocken und spüren, welche Seite frei zum Ein-/Aufdrehen ist (meist außen, falls der Verteidiger nicht den Weg zum Tor offen lässt). TIPP: „Spürst Du ihn rechts von Dir, ist links der Weg frei!“
– Gegner nicht eng im Rücken: Kontakt zum Gegner suchen, Tiefe herstellen und das Eindrehen ermöglichen. TIPP: „Geh in den Gegner, nicht dem Ball entgegen!“
– Schneiden: Aus dem Rücken des Ver¬teidigers starten, damit dieser nicht gleichzeitig Ball und Gegner beobachten kann. TIPP: „Hinter ihm schleichen, im richtigen Moment vor ihn sprinten und ihn mit dem Körper ausblocken!“

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